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Wednesday, October 21, 2026

Schweiz fordert Integration – aber wo sollen Migranten wohnen?

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  • ETH-Forscherin Fiona Kauer untersucht, wie Verdrängung durch Sanierungen die Segregation in Schweizer Städten beeinflusst.
  • In der Agglomeration Zürich verliessen 37,7 Prozent der nach Abbruch oder Totalsanierung Verdrängten ihre Gemeinde.
  • Die Trennung von Haushalten mit tiefen Einkommen hat in Schweizer Städten in zehn Jahren sehr leicht zugenommen.

Die Schweiz erwarte von Ausländern, dass sie sich integrieren. Doch steigende Mieten drängten Familien mit wenig Geld immer stärker in dieselben Quartiere, kritisiert der Aargauer Creator René: «Im Alltag fehlt es ihnen zunehmend an Begegnungen mit Menschen ausserhalb ihrer eigenen sozialen Gruppe. Das erschwert ihre Integration», sagt er auf seinem Kanal.

Der 29-Jährige fordert deshalb mehr sozial durchmischten Wohnraum: «In neuen Siedlungen müssten günstige und teure Wohnungen nebeneinander stehen.» Stattdessen würden alte Wohnungen vielerorts durch teure Neubauten ersetzt: «Der Schweizer liebt halt einfach das Geld», kritisiert er.

Wie sich Verdrängung auf Quartiere auswirkt, untersucht Fiona Kauer, Doktorandin für Raumentwicklung und Stadtpolitik an der ETH Zürich. Sind Personengruppen innerhalb einer Stadt ungleichmässig auf Quartiere verteilt, spricht man in der Forschung dabei von räumlicher Segregation.

37,7 Prozent ziehen weg: Das passiert nach Sanierungen

Kauer und ihr Team untersuchten, was nach Hausabbrüchen und Totalsanierungen passiert: «Dabei mussten überdurchschnittlich oft Menschen mit wenig Einkommen und Asylsuchende umziehen.»

In der Agglomeration Zürich verliessen nach einem Hausabbruch oder einer Totalsanierung 37,7 Prozent der verdrängten Bewohnenden ihre Gemeinde: «Viele sind danach wieder in Quartiere gezogen, in denen überdurchschnittlich viele Menschen wenig Geld haben. Das könne die Trennung von armen und reichen Haushalten verstärken.

Neu gebaute und totalsanierte Wohnungen seien dagegen «tendenziell eher zugänglich für Personen mit höheren Einkommen», sagt Kauer. Werden sie in einem ärmeren Quartier gebaut, könne das dort für mehr Durchmischung sorgen. Deshalb lasse sich nur schwer sagen, ob Sanierungen und Ersatzneubauten die räumliche Trennung auf städtischer Ebene am Ende insgesamt verstärken oder verringern.

Neue Wohnhochhäuser verändern Zürcher Quartiere: Laut ETH-Forscherin Fiona Kauer sind solche Wohnungen oft eher für Menschen mit höheren Einkommen zugänglich. Entstehen sie in einem ärmeren Quartier, kann das die Bewohnerschaft aber auch stärker durchmischen.

Neue Wohnhochhäuser verändern Zürcher Quartiere: Laut ETH-Forscherin Fiona Kauer sind solche Wohnungen oft eher für Menschen mit höheren Einkommen zugänglich. Entstehen sie in einem ärmeren Quartier, kann das die Bewohnerschaft aber auch stärker durchmischen.20min/Ela Çelik

International sinkt die Segregation teils – in der Schweiz steigt sie leicht

Zwischen 2001 und 2011 nahm die Einkommenssegregation in Städten weltweit und in Europa generell zu, so Kauer. Seit 2011 habe sich dieser Trend vielerorts verlangsamt oder teilweise umgekehrt. In einigen Städten ging die räumliche Trennung damit sogar wieder zurück.

In Schweizer Städten zeigt sich bei Haushalten mit tiefen Einkommen jedoch eine andere Entwicklung: Ihre räumliche Trennung hat laut Kauer in den vergangenen zehn Jahren sehr leicht zugenommen.

In diesen Ländern ist die Trennung stärker

Im europäischen Vergleich liegen Schweizer Städte laut Kauer bei der Segregation nach Einkommen und Migrationsstatus im unteren bis mittleren Feld. Besonders bei der Trennung nach Migrationsstatus sei sie in Städten in Grossbritannien, Frankreich, Belgien und Schweden deutlich stärker.

So vergleicht die Studie Europas Städte

Das könnten Städte dagegen tun

Kauer nennt wie René zwei Hebel: Erstens müssen Städte und Gemeinden bezahlbare Wohnungen über verschiedene Quartiere verteilen – auch in solchen mit hohem Durchschnittseinkommen.

Zweitens komme es auf die Vergaberegeln an. Kauer verweist auf eine Studie aus den Niederlanden: Dort zeigte sich, dass sozialer Wohnungsbau die räumliche Trennung verringern kann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Einkommen und Hintergründen Zugang zu den Wohnungen haben.

Wie stark machen hohe Mieten die Integration in deiner Stadt schwieriger?

Thomas Sennhauser

Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.

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