Nach gescheiterter Hinrichtung: Anwälte sprechen über Pikes Gesundheitszustand
Stand: 08.10.2026 • 00:05 Uhr
Die verurteilte Mörderin Christa Pike sollte vergangene Woche hingerichtet werden - überlebte allerdings zwei Giftspritzen. Nun wurden Details über ihren Gesundheitszustand bekannt - unter anderem leide sie an einer Lungenentzündung, so ihre Anwälte.
Nach der gescheiterten Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee haben sich nun Anwälte genauer über den Gesundheitszustand von Christa Pike geäußert. Die 50-Jährige sei "kognitiv immer noch sehr verwirrt", erklärte Pikes Anwalt Randy Spivey. Es gebe Momente, in denen sie für eine Weile abdrifte.
"Wo bin ich und wer seid ihr", seien ihre ersten Worte nach dem Aufwachen im Krankenhaus gewesen. Sie sei sich jedoch im Klaren darüber, dass der Staat versucht habe, sie hinzurichten. Spivey sagte, er glaube, Pike sei im Moment "wütend und verwirrt".
Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Vergangene Woche sollte sie hingerichtet werden. Nach Angaben der Behörden wurden ihr die im Hinrichtungsprotokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht. Dennoch lebte sie weiter.
Blutgerinnsel im Arm
Nachdem sie in einem Krankenhaus im Raum Nashville künstlich beatmet wurde, war sie am Dienstag nach Angaben ihrer Anwälte wieder bei Bewusstsein. Sie habe ein Blutgerinnsel in einem ihrer Arme, und könne keine der Gliedmaßen bewegen. "Wir wissen nicht, ob und inwieweit sie die Funktion wiedererlangen wird", sagte Spivey. "Ihre Hände sahen aus, als hätte man einen OP-Handschuh aufgeblasen", beschrieb Spivey. Außerdem sei Pike an einer Lungenentzündung erkrankt und werde ernährt. Sie habe einen langen Weg der Genesung vor sich.
Ihre Anwälte zeigten sich überrascht, dass Pike eine Woche nach der gescheiterten Hinrichtung das Bewusstsein wiedererlangte. "Am Montagabend gingen wir davon aus, dass Christa hirntot war, und dass die lebenserhaltenden Maßnahmen am nächsten Tag abgeschaltet werden würden", erklärte Spivey. Zur großen Überraschung aller, sei Pike aufgewacht und habe begonnen zu sprechen.
Beweismittel sollen gesichert werden
Die Beweismittel zur versuchten Hinrichtung vergangene Woche sollen nun gesichert werden. Dies sei relevant, sollte Pike eine zukünftige Hinrichtung anfechten müssen, erklärte Anwalt Luke Ihnen vor Gericht. Die New York Times weist darauf hin, dass wahrscheinlich ihr Gesundheitszustand dafür entscheidend sein werde, ob man zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen wird, Pike hinzurichten.
Pikes Anwälte bekräftigten wiederholt die Forderung an Tennessees republikanischen Gouverneur, Bill Lee, dass Pike statt der Todesstrafe lebenslang in Haft sitzen solle - ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. "Nach allem, was wir gesehen haben, ist es unvorstellbar, dass der Staat erneut versuchen würde, sie hinzurichten", sagte Spivey.
Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer moderner US-Fall bekannt, in dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und der Gefangene dennoch weiterlebte. Der Fall hat damit auch die seit Jahren geführte Debatte über die Todesstrafe in den USA und insbesondere über die Zuverlässigkeit von Hinrichtungen mit der Giftspritze erneut in den Fokus gerückt.
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