Vor EZB-Entscheid: Zinsen für 10-jähriges-Festgeld so hoch wie zuletzt vor 14 Jahren

Vor EZB-EntscheidZinsen für 10-jähriges-Festgeld so hoch wie zuletzt vor 14 Jahren
29.10.2026, 10:09 Uhr

Heute steht erneut ein EZB-Zinsentscheid an. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Währungshüter die Leitzinsen derzeit nicht weiter erhöhen. Die Zinsen für Fest- und Tagesgeld hingegen sind zuletzt kräftig gestiegen.
Parken Banken und Sparkassen Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB), erhalten sie derzeit dafür noch 2,50 Prozent Zinsen. In den letzten beiden Monaten sind die Tagesgeld- wie auch die Festgeldzinsen trotz der erwarteten Zinspause der EZB über alle Laufzeiten gestiegen.
Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Festgeldangebote mit zwei Jahren Laufzeit kletterten seit Anfang September um 0,21 Prozentpunkte und liegen derzeit bei 2,76 Prozent. Mit einem Anstieg um ein Viertelprozent ging es bei den besonders langfristigen Anlagen noch etwas steiler bergauf: Die Zinsen für Festgelder mit zehn Jahren Laufzeit stiegen von 2,97 auf 3,22 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2012. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von über 800 Banken und Sparkassen durch das Vergleichsportal Verivox.
Das bedeutet, dass die Banken Festgeldanlegern im Schnitt höhere Zinsen bieten, als sie selbst einstreichen, wenn sie Spargelder ihrer Kunden bei der EZB parken. Neben den beiden bisherigen Leitzinserhöhungen im laufenden Jahr treiben vor allem steigende Anleiherenditen die Festgeldzinsen. Denn wegen der hohen Renditen ist es für Banken derzeit sehr teuer, sich das Geld für ihre ausgegebenen Kredite am Kapitalmarkt zu beschaffen. Aus diesem Grund sind festverzinsliche Spargelder als weitere mögliche Refinanzierungsquelle sehr attraktiv. Entsprechend groß ist der Wettbewerb und das treibt die Zinsen in die Höhe.
"Zehnjährige Festgelder sind nicht für jeden geeignet, denn während der gesamten Laufzeit können Anleger nicht auf ihr Erspartes zugreifen", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Doch für Gelder, die vor allem sicher angelegt sein sollen und zwischenzeitlich definitiv nicht benötigt werden, können sich Sparer aktuell langfristig sehr hohe Zinsen sichern."
Unter den deutschen Anbietern bietet die Badenia Bausparkasse mit 3,96 Prozent derzeit den höchsten Zins, bei Geldhäusern mit Sitz im europäischen Ausland gibt es bis zu 4,25 Prozent (Achmea Bank/Niederlande). "Wer eine Bank wählt, bei der die Zinsen nicht ausgeschüttet, sondern auf dem Anlagekonto weiter verzinst werden, profitiert vom Zinseszinseffekt", rät Maier.
Wichtiger als der nominelle Zinssatz ist für Sparer aber der Realzins - also die tatsächliche Wertentwicklung ihrer Anlagen unter Berücksichtigung der inflationsbedingten Teuerung. Bei der aktuellen Inflationsrate von aktuell 3,3 Prozent in Deutschland bringen durchschnittliche Festgelder unabhängig von der Laufzeit aber meist eine negative Realrendite.
4,25 Prozent sind drin - vorübergehend
Wer Angebote vergleicht, kann sich aber deutlich höhere Zinsen sichern. Während sich die durchschnittlichen Bestandskundenzinsen nur langsam von der Stelle bewegen, läuft die Zins-Rally bei den Neukundenangeboten mit befristeten Sonderkonditionen weiter auf Hochtouren.
Unter den Neukundenangeboten mit befristeten Sonderkonditionen liegt der marktweit höchste Zinssatz für täglich verfügbare Sparanlagen aktuell bei 4,5 Prozent (xtb). Noch Anfang September boten lediglich zwei Banken Zinsen auf oder über der Schwelle von 4 Prozent. Inzwischen knacken acht Anbieter mit ihren Neukundenzinsen diese Marke.
Sparer sollten beachten, dass die beworbenen Zinsen bei diesen Angeboten nur für einige Monate gelten. Der danach gültige Standardzins fällt oft wesentlich niedriger aus. Einige Aktionsangebote sind zudem an weitere Bedingungen geknüpft – zum Beispiel an den zusätzlichen Abschluss eines Girokontos oder Wertpapierdepots beim selben Anbieter. Der höchste Neukundenzins für ein reines Tagesgeldangebot ohne solche Zusatzbedingungen liegt aktuell bei 4,1 Prozent (Advanzia Bank/Luxemburg).
Sparer, die nicht regelmäßig wechseln wollen, achten beim Zinsvergleich am besten auf gute Standardkonditionen.
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