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Saturday, October 24, 2026

«Mein Bruder wollte mir seine Ex-Frau schlechtreden»

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  • Mira (43) hält trotz der Scheidung ihres Bruders an ihrer Ex-Schwägerin fest.
  • Nadja (28) hat nach zwölf Jahren Funkstille wieder Kontakt zu den Eltern ihres Ex-Freundes.
  • Beide finden: Nur weil eine Liebesbeziehung endet, müssen nicht auch andere Beziehungen zerbrechen.

Als sich ihr Bruder im Januar nach neun Jahren Ehe scheiden lässt, ist für Mira* (43) eines klar: Nur weil seine Ehe gescheitert ist, muss sie nicht auch ihre Schwägerin verlieren. «Diese Menschen waren neun Jahre lang Teil unserer Familie. Ich sehe keinen Grund, mich plötzlich zu distanzieren.» Doch mit dieser Einstellung stösst sie innerhalb ihrer eigenen Familie nicht nur auf Verständnis.

Schliesslich verbindet die beiden Frauen weit mehr als die Ehe ihres Bruders. Seit vier Jahren dekorieren sie gemeinsam Hochzeiten und andere Feste. Als ihre Ex-Schwägerin nach der Trennung fragt, ob sie weiterhin zusammenarbeiten könnten, fällt Mira ein Stein vom Herzen. «Ich hätte fast vor Freude geweint. Ich hatte genau denselben Gedanken.»

Auch privat verbrachten Mira und ihre Schwägerin viel Zeit miteinander. (Symbolbild)

Auch privat verbrachten Mira und ihre Schwägerin viel Zeit miteinander. (Symbolbild)Getty Images

Auch der fünfjährige Sohn des ehemaligen Ehepaars liegt ihr besonders am Herzen. «Ich bin und bleibe seine Tante und er bleibt immer mein kleines Baby.» Doch dass sie weiterhin engen Kontakt zu ihrer Ex-Schwägerin pflegt, kommt innerhalb ihrer Familie nicht bei allen gut an.

Keine ehrlichen Absichten

Doch innerhalb ihrer Familie stösst Miras Entscheidung nicht auf Verständnis. Besonders ihr Bruder und ihre Mutter haben Mühe mit dem weiterhin engen Kontakt. Ihr Bruder habe sie sogar davor gewarnt, dass seine Ex-Frau möglicherweise keine ehrlichen Absichten habe. Mira lässt sich davon nicht beirren. «Ich liebe dich über alles», habe sie ihm gesagt. «Aber du kennst sie als Ehefrau. Ich kenne sie als einen ganz anderen Menschen.»

Für die 43-Jährige hat das nichts mit mangelnder Loyalität gegenüber ihrem Bruder zu tun. «Eine Scheidung ist Sache von zwei Menschen. Nicht die Sache der ganzen Familie.» Sie wolle sich nicht in die gescheiterte Ehe einmischen, aber auch keine Menschen verlieren, die ihr wichtig sind. «Menschlichkeit ist wichtiger als alles.»

«Zwölf Jahre hatten wir keinen Kontakt»

Auch Nadja* (28) möchte Menschen nicht einfach aus ihrem Leben streichen. Ihre Geschichte beginnt 2012, als sie mit 14 Jahren ihren damals 19-jährigen Freund kennenlernt. Die Beziehung hält nur sechs Monate, doch seine Eltern schliessen sie sofort ins Herz.

Wie stehst du dazu, den Kontakt zur Ex-Familie nach einer Trennung weiterzuführen?

«Ich habe mich bei ihnen immer sehr wohl und willkommen gefühlt», erzählt Nadja. Besonders gerne erinnert sie sich an die gemeinsamen Gesangsstunden mit dem Vater ihres damaligen Freundes.

«Ich habe alle enttäuscht»

Die Trennung kommt überraschend. «Seine Eltern hatten mich wie eine Tochter aufgenommen. Ich habe damals eigentlich alle enttäuscht.» Als Nadja später ihren heutigen Mann kennenlernt, bricht sie aus Rücksicht auf ihn den Kontakt ab. Von 2014 bis Mai 2026 herrscht Funkstille.

Inzwischen haben die Familien wieder zueinandergefunden. «Es macht mich unglaublich glücklich, sie wieder in meinem Leben zu haben. Ich bin unendlich dankbar dafür.»

Etwa alle zwei Monate treffen sie sich zum Essen oder besuchen sich gegenseitig. Auch Nadjas Ehemann und ihre beiden Kinder im Alter von zwei und vier Jahren sind dabei. «Meine Kinder spielen sehr gerne mit ihnen und kuscheln viel. Es ist wunderschön zu sehen, wie wohl sie sich fühlen.»

«Warum sollten wir keinen Kontakt mehr haben?»

Ob ihr Ex-Freund die wiederaufgelebte Beziehung gutheisst, weiss Nadja nicht. Die beiden haben seit Jahren keinen Kontakt. «Ich kann mir vorstellen, dass er es nicht besonders gut findet.» Trotzdem sieht sie keinen Grund, auf die Treffen zu verzichten. «Ich bin glücklich verheiratet und erwarte mein drittes Kind. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb es ein Problem sein sollte.»

Auch mit der Ex-Freundin ihres Bruders pflegt die 28-Jährige weiterhin eine Freundschaft. «Was damals zwischen den beiden war, ist ihre Sache und hat mit meiner Beziehung zu ihr nichts zu tun.»

«Jede Situation hat viel mehr Blickwinkel»

Dass es auch Grenzen gibt, ist Nadja bewusst. Bei einer traumatischen Beziehung oder schwerwiegenden Vorfällen könne sie einen Kontaktabbruch verstehen. Ansonsten findet sie: «Jeder zusätzliche Mensch, der uns guttut, uns zum Lachen bringt und unser Leben bereichert, ist ein Geschenk.»

Mira sieht das ähnlich. «Menschen neigen dazu, nur einen Blickwinkel zu haben. Dabei hat jede Situation viel mehr Blickwinkel.» Für beide Frauen steht fest: Nur weil eine Liebesbeziehung endet, müssen nicht auch alle anderen Beziehungen zerbrechen.

*Namen sind geändert.

Deborah Gonzalez

Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.

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