Beben im Weltsport droht: Saudi-Arabiens Milliardenprojekt wird massiv bedroht

Der kriegerische Konflikt Saudi-Arabiens mit den Huthi-Rebellen sorgt kurzfristig für abgesagte Events. Doch hat die Eskalation auch langfristige Auswirkungen auf die milliardenschwere Sportstrategie des Landes?
Die peitschende Vorhand von Carlos Alcaraz, Alexander Zverevs krachende Aufschläge oder die routinierte Finesse des Novak Djokovic: In Saudi-Arabien wollten sie dieser Tage eigentlich beim Six-Kings-Slam den Tennissport zelebrieren. Doch stattdessen herrschen nun Terror und die ständige Angst vor weiterer Eskalation im kriegerischen Konflikt mit der Huthi-Miliz aus dem Jemen. Das Showevent in Riad ist vorerst in den Dezember verschoben und die Verwundbarkeit der milliardenschweren Sportstrategie des Landes tritt offen zutage.
Seit mehr als einem Jahrzehnt investiert Saudi-Arabien mithilfe des berüchtigten Public Investment Funds (PIF) massiv in den Weltsport: Großereignisse wurden geholt, europäische Vereine aufgekauft, Fußball-WM-Pläne geschmiedet und Sportarten wie Golf in ihren Grundfesten erschüttert. Nun aber steht das Projekt, das Menschenrechtler und Traditionalisten stört, vor einer Zerreißprobe.
Verschiebungen und Absagen
"Das ist in der Tat eine große Herausforderung", sagt Sportpolitik-Experte Jürgen Mittag im Gespräch mit dem Sportinformationsdiesnt: "Saudi-Arabien will sich ja als starke Großmacht mit finanziellen Möglichkeiten, aber auch mit geopolitischer Stärke präsentieren - und das gelingt im Augenblick nicht." Mittag, der an der Sporthochschule in Köln forscht und doziert, sieht im Nahoststaat nicht nur "Sicherheitsrisiken", sondern eben auch die Frage aufkommen, "ob die prestigeträchtigen Sportprojekte überhaupt in der geplanten Form durchgeführt werden können".
Kurzfristig gesehen lässt sich diese Frage oftmals mit Nein beantworten. Neben dem Six-Kings-Slam wurde das Saisonfinale der Asian Tour im Golf sowie ein großes eSports-Event verschoben, die "Urban Cycling"-WM in Riad gar abgesagt. Die internationale Sport-Community hat derzeit größtenteils kein Interesse an einer Reise nach Saudi-Arabien.
Gute Miene zum bösen Spiel?
Dabei ist das Land bemüht, positive Zeichen zu senden. Der Profifußball läuft munter weiter, lediglich drei Erstligapartien sind bislang verschoben worden. Cristiano Ronaldo und sein Team Al-Nassr wurden kürzlich von einem Raketenalarm ausgebremst, begannen ihre Partie gegen Neftchi Fergana aus Usbekistan in der asiatischen Champions League dann aber mit nur einer Stunde Verzögerung. Auch die Asienmeisterschaft ab 7. Januar soll stattfinden. Das Signal ist klar: Alles halb so wild. Wir haben die Situation im Griff.
Doch ob diese Botschaft auch bei den internationalen Partnern und Verbänden ankommt, bleibt abzuwarten. Es stehe derzeit schon "einiges auf dem Prüfstand, obwohl das Land versucht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen", sagt Mittag. "Die ganze Vision, die das Land als sicheren und international vernetzten Standort für Tourismus, Wirtschaft und Sport darstellen soll, gerät ein Stück weit ins Wanken."
Was wird aus der WM 2034?
Birgt das sogar für den großen Fixpunkt der Vision, die Ausrichtung der WM 2034, eine Gefahr? Sorgt - wenn schon nicht die katastrophale Menschenrechtslage im Land - nun die Bedrohungssituation für ein Umdenken im Fußball-Weltverband? Daran glaubt der Experte vorerst nicht. "Ich kenne keine Stimmen in der FIFA-Führung, die eine Debatte vornehmen", sagt Mittag. "Es wird sicherlich auch einen Plan B geben, aber das ist ein so großes Unterfangen, dass Dinge wie Sicherheitsarchitektur und Infrastrukturplanung weiterlaufen werden."
Die angespannte Lage könnte allerdings eine Entwicklung beschleunigen, die schon vor der jüngsten Eskalation begonnen hat. "Seit etwa 2025/26 erkennen wir eine Konsolidierung und Fokussierung auf strategisch wichtige Aspekte und Großveranstaltungen", sagt Mittag. Heißt: Punktuelle Investitionen in die am besten vermarktbaren Sportarten (Fußball und Co.) statt des "Prinzips Gießkanne". Im Golf etwa wurde das kürzlich deutlich, als der PIF sich kurzerhand aus der milliardenschweren LIV-Serie zurückzog und das Projekt insolvent zurückließ. Investoren und Sportverbände werden die Entwicklung jedenfalls genau beobachten.
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