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Tuesday, September 29, 2026

Globale AKW-Entwicklung – Kernenergie legt kaum zu, während Wind- und Sonnenstrom boomen

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Darum geht es im Bericht: Der World Nuclear Industry Status Report (WNISR) trägt jedes Jahr Daten zur Entwicklung der Kernenergie weltweit zusammen. Neben der Bestandesaufnahme bietet er Analysen zu Wirtschaftlichkeit und Bauzeiten von AKW, zu technologischen Entwicklungen sowie den Vergleich mit den Erneuerbaren, Photovoltaik (PV) und Wind. Die Autorinnen und Autoren rund um den Energie- und Atompolitikberater Mycle Schneider nehmen explizit eine kritische Haltung gegenüber der Kernenergie ein. Entsprechend skeptisch reagieren Kernkraftbefürworter, wie das Nuklearforum in der Schweiz, auf den Bericht.

So steht Kernkraft im Vergleich zu anderen Energien da: Das Auffälligste am WNISR 2026 sind die unterschiedlichen Zuwachsraten: Kernkraftwerke steigerten global 2025 ihre Produktion um 1 Prozent. Windräder produzierten 8 Prozent mehr Strom, Solar gar 30 Prozent mehr, und die Kapazität von Batterien stieg weltweit um 50 Prozent. Der Anteil der Kernenergie an der gesamten Stromproduktion ging minimal zurück, auf 8.8 Prozent, was nur noch halb so viel ist wie der Rekordanteil von 17.5 Prozent aus dem Jahr 1996. Befürworterinnen und Befürworter der Kernenergie betonen, dass die klimafreundlichen AKW weiterhin eine relevante Rolle spielen müssten in einem stabilen Energiesystem.

Darum wachsen Sonnen- und Windstrom schneller als die Kernkraft: Der Hauptgrund ist der Preis. Im Berichtsjahr 2025 sind die durchschnittlichen Kosten zwar für alle Stromproduktionsarten weltweit gestiegen, hauptsächlich aufgrund von Lieferkettenproblemen. So ist Strom aus PV-Freiflächenanlagen und aus AKW durchschnittlich innerhalb eines Jahres um rund 19 Prozent teurer geworden. Während die Kosten für PV seit 2009 aber um 81 Prozent gesunken sind, sind sie für AKW in der gleichen Zeit um 75 Prozent gestiegen. Heute kostet eine Megawattstunde Sonnenstrom im Schnitt (je nach Rechnung) zwischen drei und fünf Mal weniger als die gleiche Menge Kernenergie.

Industrielandschaft mit grossen Gebäuden und Schornstein in nebligem Wetter.
Legende: Atomkraftwerk Qinshan – Chinas erstes Kernkraftwerk: Wegen erdrückender Brennstoffknappheit, Smog und dem Ehrgeiz, seine Nukleartechnologie gewinnbringend zu nutzen, hat Peking seit den 1990er-Jahren seine Kernkraftkapazitäten massiv ausgebaut. KEYSTONE/AP

Kernenergie ist auch eine Frage der Staatsform: Auffällig an den Zahlen im Bericht ist auch, dass von zwölf Kernkraftwerken, die 2025 neu ans Netz gingen, neun in China stehen und zwei von Russland gebaut wurden. Die Kernenergie scheint also vor allem in autokratischen Staaten Fortschritte zu machen. Spannend wird diesbezüglich Ungarn sein: Noch unter der Regierung Orban hat Russland den Zuschlag für das einzige Kernkraftwerk erhalten, das sich in der EU im Bau befindet. Die neue Regierung prüft das Projekt derzeit. Befürworter der Kernenergie betonen, China, das den AKW-Bau dominiert, sei auch bei allen anderen Energieproduktionsformen in Führung, und da – etwa bei der Wasserkraft – stelle niemand die Frage nach der Staatsform.

Das bedeuten die Resultate des Berichts für die AKW-Neubau-Debatte in der Schweiz: Kernkraftbefürworterinnen und -gegner ziehen aus dem neuen WNISR unterschiedliche Schlüsse: Sehen die einen darin den Beweis, dass die Zukunft für die Schweiz bei den Erneuerbaren liegt, betonen Befürworter, dass Kernkraftwerke unabdingbar für die Versorgungssicherheit seien. Ob in der Schweiz je wieder ein AKW gebaut wird, hängt wohl von den Kosten ab. Und da scheint vieles möglich. Das haben zuletzt die sehr unterschiedlichen Kostenschätzungen für ein neues Schweizer AKW gezeigt. Sie reichen von politisch möglicherweise akzeptablen 10 Milliarden Franken bis zu wohl chancenlosen 43 Milliarden.

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