«Sag tschüss zum Bauchnabel»: Ein Lappen spaltet die Frauenwelt

Die New Yorkerin Hailey störte der Abdruck ihres Bauchnabels unter ihrer Kleidung so sehr, dass sie ein Produkt dagegen entwickelte. «Eine meiner grössten Unsicherheiten», nennt sie die kleine Vertiefung. Ihre Lösung: ein Silikonpatch. Es wird über den Bauchnabel geklebt und soll verhindern, dass sich dieser unter dem Stoff abzeichnet.
«Sag tschüss zu deinem Bauchnabel», wirbt Haileys Unternehmen Belly Button Box auf seiner Webseite. Das Patch bezeichnet die Marke als kleinen Helfer fürs Selbstbewusstsein. Ob Hochzeit, Ferien oder Date: Er soll Frauen ermöglichen, ihre Lieblingskleidung selbstbewusst zu tragen. Das wiederverwendbare Pflaster aus Silikon lässt sich für 20 Franken vorbestellen und soll Ende November oder Anfang Dezember verschickt werden.
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«Wofür sollen wir uns jetzt hässlich fühlen?»
Die deutsche Creatorin Nessa greift die Erfindung auf ihrem Account auf. «Endlich ist eine neue Unsicherheit gedroppt», kommentiert sie sarkastisch. «Wofür sollen wir uns jetzt hässlich fühlen?» In ihrem Video zeigt sie Ausschnitte der Werbevideos und bezeichnet den Patch als «Lappen».
Nessa stellt klar: Sie mache sich nicht darüber lustig, dass Erfinderin Hailey mit ihrem Bauchnabel unzufrieden sei. Sie kritisiere lediglich, dass die Erfinderin daraus ein Produkt für alle mache. So müssten sich weitere Menschen plötzlich fragen, ob sie mit ihrem Bauchnabel zufrieden seien.
Andere Frauen sehen es ähnlich: «Ich hab mir da noch NIE Gedanken drüber gemacht», schreibt Amyli unter Nessas Video. Sandra fragt: «Und warum nochmal sollte ich mich für meinen Bauchnabel schämen?» Userin Kats findet: «Ich will doch nicht mit Puppen feiern, sondern mit Menschen».
Auch auf dem Instagram-Account der Marke gibt es kritische Kommentare. Kate spottet: «Statt eines völlig normalen Bauchnabels zeichnet sich jetzt ein seltsames Quadrat unter meinem Kleid ab. Na toll.» Andere schreiben, sie hofften, das sei alles Satire. «Ihr nutzt die Selbstzweifel von Frauen aus – und redet ihnen neue ein.»
Laut Erfinderin: Viele «leiden still» unter ihrem Bauchnabel
Hailey beschreibt auf ihrem eigenen Account Frauen, denen es ähnlich gehe wie ihr. Viele hätten unter dieser Unsicherheit lange «still gelitten», schreibt sie. Sie wolle Frauen mit dem Patch zu mehr Selbstbewusstsein in ihrer Lieblingskleidung verhelfen. Tatsächlich kommentieren zig Frauen, dass ihr Bauchnabel sie störe: «Ich finde das eine super Erfindung. Meiner ist sooo tief!»
Die Marke spricht gezielt Bräute an. Die Gründerin berichtet von einer Braut, der sie einen Prototyp geschickt habe. Diese sei begeistert gewesen, dass man bei der Hochzeit ihren Bauchnabel nicht sehe.
Unter dem Video meldet sich Jordan, die im Mai 2027 heiraten will: «Das ist meine grösste Unsicherheit in meinem Hochzeitskleid», schreibt sie auf Englisch. «Shapewear hilft nicht genug!» Auch Braut Maggie interessiert sich für das Pflaster: Sie wünsche sich, das Produkt käme noch vor ihrer Hochzeit auf den Markt. «Du bist nicht allein!», antwortet der Account von Belly Button Box – anschliessend folgt der Hinweis auf die Vorbestellungen.
Andere Frauen leben lieber mit Bauchnabel
Viele Frauen feiern ihren Bauchnabel. Unter Nessas Video gibt es auch viel Zuspruch für die sichtbare Kontur: «Ich finde es so schön, wenn man die Kontur von Bauchnabel und Bauch unter Kleidern sieht», schreibt Fey. Magi findet diesen Abdruck sogar attraktiv: «Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich heiss, wenn man den Bauchnabel sieht.» Und Cathie erklärt: «Was wir an uns selbst nicht mögen, liebt vielleicht jemand anderes an uns. Wir sind alle schön!»
Userin Giulia sieht ebenfalls keinen Grund, ihren Bauchnabel zu verstecken: «Wir haben alle einen. Das ist das Letzte, wofür ich mich hässlich fühlen würde.» Für Kiimadan steht der Nabel für die Verbindung zu unseren Müttern: «Er hat mich mit meiner Mama verbunden. Dank dieser Verbindung habe ich in ihrem Bauch überlebt.» Ähnlich reagiert Userin Kuki: «Aber das ist doch die Verbindung zwischen mir und meiner Mama!»
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Gloria Karthan (glo), arbeitet seit 2019 für 20 Minuten. Sie ist Mitglied der Redaktionsleitung und Leiterin des Lifestyle-Teams.
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