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Tuesday, September 29, 2026

Upskirting-Videos auf der Wiesn: Ein Recht aufs Oktoberfest

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ARD und BR decken den Verkauf sexualisierter Videos von Frauen auf dem Teufelsrad auf. Sofort beginnt das Victim blaming. Dabei ist klar, wo die Schuld liegt.

S eit 1908 ist das Teufelsrad eine Attraktion auf der Wiesn. Ein waagrechtes Holzrad, das sich immer schneller um sich selbst dreht, sodass die Leute, die drauf sitzen, irgendwann runterrutschen. Ein Moderator macht sich live über ihre Versuche lustig, sich festzuhalten, während zusätzlich ein dickes Seil vom Dach hängend über die Leute wischt, um sie runterzuschmeißen. Wer es schafft, drauf zu bleiben, hat gewonnen.

Es ist eine Riesengaudi. Vor allem Kinder lieben das Teufelsrad, auch Erwachsene haben Spaß. Auch Frauen. Auch Frauen in Dirndln, jener traditionellen oder traditionell anmutenden bayerischen Tracht mit tiefem Ausschnitt und manchmal auch kurzem Rocksaum. Wenn ich auf die Wiesn gehe, dann oft im eigenen Dirndl, vorschriftsmäßig tief ausgeschnitten und mit Rocksaum bis zur Wade. Oder in Jeans. Aber immer gehe ich hin, um Karussell zu fahren.

Natürlich bin ich sexuell belästigt worden, völlig egal, was ich anhatte. Als Teenagerin noch mehr, weil ich mir etwa beim anfangs noch netten Gespräch mit dem italienischen Touristen in der S-Bahn nichts gedacht hatte. Aber auch als Frau in den Vierzigern werde ich im Gedränge begrapscht.

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Ob am Tag oder nachts im Dunkeln, ob im kurzen Rock oder im Daunenmantel, ob auf der Wiesn oder in der eigenen Beziehung – es macht keinen Unterschied, wo und wie: Männer belästigen, beleidigen, missbrauchen und vergewaltigen Frauen.

Missbrauch als Geschäftsmodell

Deshalb ist die aktuelle Recherche von ARD und BR über den massenhaften Verkauf pornografisch manipulierter Videos von Frauen auf dem Teufelsrad keine Überraschung. Unabhängig davon übrigens, was sie trugen. Erstens sowieso und zweitens, weil die Frauen mittels künstlicher Intelligenz einfach nackt gemacht wurden und in pornografischen Kontexten dargestellt wurden.

Nicht überraschend, aber doch eine neue Qualität, wenn sexualisierter Missbrauch 2.0 immer mehr zum lohnenden Geschäftsmodell wird. Und dennoch winken noch immer viele Leute ab: Man wisse doch, dass das auf solchen Veranstaltungen passiere. Das sei ja – leider, leider – nichts Neues. Und letztlich müssten die Frauen, die sich ja freiwillig im Rock auf so ein Rad begäben, ja auch in die Verantwortung genommen werden, nicht alle seien Opfer.

In welcher Welt, frage ich mich, werden FLINTA* selbst dafür verantwortlich gemacht, dass ohne ihr Wissen und Zutun manipulierte Bilder von ihnen verbreitet werden? In welcher Welt meint man, die Kombination von Dirndl und Karussell, von enger Jogginghose und Park, von Minirock und U-Bahn spräche für sich? In welcher Montur dürfen wir uns denn wo und wann noch bewegen, um uns nicht mitschuldig zu machen an der Ausbeutung und dem massenhaften Missbrauch unserer Körper? Und wo endet diese „Eigenverantwortung“?

Vor ein paar Jahren fuhr ich mit meiner kleinen Tochter Bahn. Drei mitreisende Männer am Nebentisch scherzten mit dem Zugführer. Seinen Job wolle er nicht haben, sagte der eine Fahrgast zum Schaffner. Was er denn selbst mache, fragte dieser leutselig-kumpelhaft. Er zeigte zu uns rüber: „Ich bin Zuhälter und die beiden da drüben sind meine.“

Kein Kleidungsstück angemessen, kein Ort sicher

Mein Protest kam schnell und laut, aber nicht zu laut, weil ich meine Tochter nicht beunruhigen wollte. Trotzdem blickte der Schaffner nur müde rüber – und an uns vorbei. Wahrscheinlich war er nicht überrascht. Die anderen Männer lachten.

Ich will nicht in einer Welt leben, in der ich meiner Tochter schon im Kleinkindalter erklären muss, dass Männer ihre Körper missbrauchen wollen. Es gibt keinen sicheren Ort und keine sichere Kleidung vor den kranken Hirnen und der grenzenlosen Hybris von Vergewaltigern. Für kein Kind, keine alte Frau, keine behinderte oder eingeschränkte Person, keine FLINTA*.

Ich möchte, dass meine Tochter in einer Welt aufwächst, in der sie Bahn fahren, im Park joggen, im Minirock tanzen und im Dirndl Karussell fahren kann, ohne sich Gedanken machen zu müssen, ob irgendein triebhafter und respektloser Dude sie theoretisch fotografieren könnte.

Nicht nur die Scham muss die Seite wechseln, wie es Gisèle Pelicot und vor ihr noch die Schriftstellerin Virginie Despentes gefordert haben – sondern auch die Verantwortung.

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