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Saturday, October 3, 2026

Wird unser Sprit jetzt endlich günstiger?

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Marktschwemme mit Diesel-Notreserven

Wird unser Sprit jetzt endlich günstiger?

Die G7 zapfen ihre Notreserven an – und werfen Milliarden Liter Diesel und Rohöl auf den Markt. Die Börsen reagieren sofort. Doch wann merken Schweizer Autofahrer etwas davon?

Publiziert: 12:29 Uhr

Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Europa beugt sich dem Druck der Amis: Am Freitag einigten sich die G7-Staaten darauf, über einen Zeitraum von vier Monaten 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven freizugeben. Umgerechnet entspricht das 15,9 Milliarden Liter. Zur Gruppe der Industriestaaten gehören Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA.

Zuvor hatte Washington auf diesen Schritt gedrängt: US-Präsident Donald Trump (80) hatte sogar mit einem Stopp der amerikanischen Diesel-Exporte gedroht, sollte Europa seine Reserven nicht anzapfen. Davon ist nun vorerst keine Rede mehr: Die G7 verpflichteten sich gleichzeitig dazu, untereinander keine Exportbeschränkungen für Energie und Energieprodukte zu verhängen.

Börsen reagieren sofort

Die Aussicht auf mehr Diesel versetzte die Märkte prompt in Bewegung: Bereits am Freitagabend gaben die Ölpreise deutlich nach. Der US-Ölpreis fiel zeitweise um rund fünf Prozent und schloss bei gut 91 Dollar pro Fass (159 Liter). Auch die Nordseesorte Brent rutschte wieder unter die Marke von 100 Dollar. Noch deutlicher reagierte der Dieselmarkt: Die Futures auf Gasoil, die zentrale europäische Referenz für Diesel, verloren zeitweise mehr als vier Prozent.

Aber was bedeuten die G7-Pläne konkret für Schweizer Autofahrer und Autofahrerinnen? Hat die Rekordjagd des Dieselpreises an den Zapfsäulen jetzt endlich ein Ende? Die erfreuliche Antwort: Die Chancen dafür sind nun deutlich gestiegen. Die weniger erfreuliche Antwort: Bis davon an Tankstellen etwas zu spüren ist, kann es dauern – und wie stark und wie lange die Entlastung ausfällt, ist völlig offen.

Jetzt beginnt das Warten an der Zapfsäule

Sowohl Trump als auch die G7 erklärten, die Freigabe solle unverzüglich anlaufen. Ein erheblicher Teil des Diesels soll bereits innerhalb der ersten 20 Tage auf den Markt kommen. Steigt das Angebot, sollte das zunächst die Grosshandelspreise drücken. Davon könnte mit Verzögerung auch die Schweiz profitieren, obwohl sie als Nicht-EU-Mitglied ihre eigenen Pflichtlager nicht anzapfen muss.

Sarah Raffoul, Analystin beim Informationsdienst für Energie- und Rohstoffmärkte Argus Media, erwartet deshalb kurzfristig niedrigere Dieselpreise. Allerdings ist noch nicht klar, wie genau sich die 100 Millionen Barrel auf Diesel und Rohöl verteilen. Das ist entscheidend: Je mehr Diesel auf den Markt kommt, desto grösser der Effekt. In ihrem Marktkommentar rechnet Raffoul damit, dass sich die Entspannung «vor allem im Oktober und November bemerkbar macht», wenn ein grosser Teil der freigegebenen Mengen auf den Markt gelangt.

Pessimistischer beurteilt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Lage. IW-Ökonomin Samina Sultan vergleicht die Reservenfreigabe mit «einem Tropfen auf dem heissen Stein». Sie könne die hohen Preise eine Zeit lang abfedern, löse das grundlegende Problem aber nicht: Wegen der Lage rund um die Strasse von Hormus fehlen dem Weltmarkt auch Raffineriekapazitäten. Für eine dauerhafte Normalisierung der Energiepreise müsste sich deshalb vor allem die Situation an der wichtigen Meerenge entspannen. Auch Sultan verweist auf den noch unbekannten Dieselanteil der Freigabe.

Im Frühjahr verpuffte der Effekt

Wie begrenzt selbst riesige Reservenfreigaben wirken können, zeigte sich bereits im Frühjahr. Am 11. März beschlossen die 32 Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA), insgesamt 400 Millionen Barrel aus ihren Notreserven verfügbar zu machen – die grösste koordinierte Freigabe in der Geschichte der Organisation. Doch die Ankündigung konnte den Preisanstieg zunächst nicht stoppen. Im Gegenteil: Der Ölpreis kletterte weiter.

Allerdings betraf die Freigabe im März primär Rohöl und nur punktuell fertige Ölprodukte wie Diesel. Diesmal nehmen die G7 gezielt den Treibstoff ins Visier. Die unmittelbare Reaktion der Börse zeigt, dass Händler dieser Massnahme zumindest kurzfristig Wirkung zutrauen. Ob daraus auch eine nachhaltige Entlastung an den Schweizer Zapfsäulen wird, wird sich zeigen.

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