Wenn Piloten ihre Passagiere in Gefahr bringen

Horror im Cockpit
Wenn Piloten ihre Passagiere in Gefahr bringen
Ein Flugzeug auf dem Weg nach Tel Aviv hatte am Mittwoch einen Notruf abgesetzt und flog nach Saudi-Arabien. Der Co-Pilot soll den Kapitän angegriffen haben und so unzählige Menschenleben riskiert haben. Wie gefährlich das sein kann, zeigt die Geschichte.
Publiziert: 30.09.2026 um 18:58 Uhr
Aktualisiert: 30.09.2026 um 22:13 Uhr
- Flydubai-Co-Pilot attackierte Piloten mit Messer, Flugzeug landete sicher in Saudi-Arabien
- 2015 steuerte Germanwings-Co-Pilot Maschine gezielt in Alpen, 150 Tote
- Bei Air-India-Absturz 2025 starben 260 Menschen, Treibstoffzufuhr abgeschaltet
Angela RosserJournalistin News
Grundsätzlich gilt Fliegen als sicher. Eine wichtige Rolle dabei spielt der Mensch. Um genauer zu sein, die Personen im Cockpit, die die Maschine sicher von A nach B bringen sollen. Denn manchmal beginnt das Drama ausgerechnet im Cockpit.
Auf einem Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv am Mittwoch soll der Co-Pilot den Piloten mit einem Messer attackiert und versucht haben, die Maschine zum Absturz zu bringen. Der Mann konnte überwältigt werden und die Maschine landete sicher in Saudi-Arabien. Die Fluggesellschaft sagte nach dem Vorfall, dass «alle Passagiere und Besatzungsmitglieder in Sicherheit und wohlauf sind». Dass alles noch viel schlimmer hätte ausgehen können, zeigen frühere Fälle.
Co-Pilot steuerte Germanwings-Maschine in den Berg
Der 24. März 2015 dürfte noch immer vielen in trauriger Erinnerung sein. Der Germanwings-Flug 9525 war von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs und stürzte über den französischen Alpen ab. Die Ermittlungen ergaben schnell, dass es sich bei der Tragödie nicht um einen Unfall handelte. Die französische Untersuchungsbehörde für Flugunfälle kam zum Schluss, dass Co-Pilot Andreas Lubitz wartete, bis der Kapitän das Cockpit verliess, die Tür verriegelte und den Autopilot gezielt auf Sinkflug stellte.
Der Kapitän versuchte noch, zurück ins Cockpit zu gelangen. Vergeblich. Die Maschine zerschellte an einer Steilwand und alle 150 Menschen an Bord starben. Lubitz war zuvor wegen psychischer Probleme behandelt worden. Sein Arbeitgeber bekam davon aber nichts mit.
Jet in Namibia abgestürzt
Auch der Absturz einer Embraer 190, eines Jets der mosambikanischen Fluggesellschaft LAM, am 29. November 2013 in Namibia, wurde laut Untersuchungsbericht vom Piloten vorsätzlich herbeigeführt. Die Auswertung des Flugdatenschreibers ergab, dass sich der Pilot im Cockpit einschloss, als der Co-Pilot dieses verliess. Über den Autopiloten verringerte der Pilot die Flughöhe und die Fluggeschwindigkeit. Er soll sämtliche Warnsignale sowie das Hämmern des ausgesperrten Kollegen ignoriert haben. Die Maschine stürzte im Bwabwata-Nationalpark im Norden Namibias ab. Alle 33 Personen an Bord starben. Die genauen Motive für diese Tat sind bislang unklar.
Aus Reiseflughöhe abgestürzt
Am 21. März 2022 stürzte eine Boeing 737 der Fluggesellschaft China Eastern nahezu senkrecht aus Reiseflughöhe ab. Alle 132 Menschen an Bord starben. Die Auswertung der Blackbox ergab, dass die Steuerflächen und Triebwerke so manipuliert wurden, dass das Flugzeug gezielt in den Sturzflug ging. Steuerorgane wurden nach vorne gedrückt und die Treibstoffzufuhr der Triebwerke unterbrochen. Technische Mängel lagen den Berichten zufolge keine vor. Das nährt den Verdacht einer absichtlichen Handlung im Cockpit. Ein abschliessender Untersuchungsbericht wurde jedoch nicht veröffentlicht.
Pilot versuchte Unglück abzuwenden
Vor der US-Küste stürzte am 31. Oktober 1999 eine Maschine der Egypt Air in den Atlantik. Bei diesem Absturz starben 271 Menschen. Laut Berichten des National Transportation Safety Board (NTSB) gingen die entscheidenden Steuereingaben vom Co-Piloten aus, als sich der Pilot ausserhalb des Cockpits befand. Als der Kapitän zurückkehrte, versuchte er, die Maschine hochzuziehen und das Unglück zu verhindern. Der Co-Pilot steuerte das Flugzeug aber weiter nach unten. Das NTSB konnte allerdings nicht feststellen, warum er dies tat. Ägyptische Stellen bestritten die Suizidtheorie.
Treibstoffzufuhr abgeschaltet
Kurz nach dem Start von Air-India-Flug 171 in Ahmedabad wurden am 12. Juni 2025 bei der Boeing 787 innerhalb einer Sekunde die Treibstoffschalter beider Triebwerke von «Run» auf «Cutoff» gestellt. Auf dem Cockpitrecorder ist zu hören, wie ein Pilot den anderen fragt, warum er die Treibstoffzufuhr abgeschaltet habe – dieser bestreitet das.
Die Schalter sind so gesichert, dass ein versehentliches Umlegen als äusserst unwahrscheinlich gilt. Experten gehen deshalb davon aus, dass sie gezielt betätigt wurden. Bislang ist nicht erwiesen, dass ein Pilot die Maschine vorsätzlich zum Absturz brachte. Beim Unglück starben 260 Menschen, darunter auch Personen am Boden.
Betrunkener Co-Pilot festgenommen
Ein mögliches Unglück hat wohl 2018 verhindert werden können. Co-Pilot Katsutoshi Jitsukawa der Japan Air Lines sollte eine Boeing 777 von London-Heathrow nach Tokio fliegen. Kurz vor Abflug fiel auf, dass er nach Alkohol roch und kaum gerade stehen konnte. Ein Atemtest ergab einen Wert, der fast zehnmal über dem Alkohollimit lag. Er wurde festgenommen und später zu zehn Monaten Haft verurteilt. Der Richter bezeichnete die möglichen Konsequenzen für die Menschen an Bord als katastrophal.
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