Datenschutz – Cybersicherheitsexpertin: «Jeder sollte ein Hacker sein»

Datenschutz Cybersicherheitsexpertin: «Jeder sollte ein Hacker sein»
Immer mehr vernetzte Geräte machen Cybersicherheit zur Aufgabe jedes Einzelnen, sagt Expertin Keren Elazari.
12.09.2026, 19:19
2014 sorgte Keren Elazari mit einem TED-Vortrag für Aufmerksamkeit. Darin bezeichnete die israelische Cybersicherheitsexpertin Hacker als das Immunsystem des Internets: Menschen, die Schwachstellen aufdecken und so dazu beitragen, sie zu beheben.
«Ich sprach von ethischen Hackern wie mir», erklärt die Forscherin, die seit mehr als zwanzig Jahren im Bereich Cybersicherheit tätig ist und online unter dem Namen «k3r3n3» bekannt ist.
Hackerin über Datenschutz und Gefahren zuhause:
«Heute kann jeder von der Denkweise der Hacker profitieren», sagt Elazari gegenüber dem Radio und Fernsehen für die italienische Schweiz.
KI verändert die Spielregeln
Der Grund dafür sei einfach: «Künstliche Intelligenz hat alles verändert. Sie ist zu einer transformativen Kraft geworden.»
Cyberkriminelle hätten die Technologie früh genutzt. «Bereits vor drei Jahren setzten sie KI für Angriffe ein. Regierungen und Unternehmen beginnen erst jetzt, sie systematisch für die Verteidigung zu nutzen.»
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Auch weniger technisch versierte Angreifer hätten mittlerweile Zugang zu leistungsfähigen Werkzeugen. Das senke die Einstiegshürden für Cyberangriffe und verschaffe Kriminellen einen Vorsprung.
Gleichzeitig könne KI aber auch dabei helfen, die Kontrolle über das eigene digitale Umfeld zurückzugewinnen.
Das Zuhause als kleines Rechenzentrum
«Im Jahr 2026 ist jede Wohnung ein kleines Rechenzentrum», sagt Elazari.
Smartphones, Computer, Fernseher, smarte Klimaanlagen oder vernetzte Haushaltsgeräte seien heute über dieselbe Internetverbindung miteinander verbunden. In vielen Haushalten gebe es inzwischen mehr vernetzte Geräte als Menschen oder Haustiere.
Damit wachsen jedoch auch die möglichen Einfallstore für Cyberangriffe.
Drei Tipps von der Expertin für mehr Sicherheit
Box aufklappen Box zuklappen
- Alle internetfähigen Geräte schriftlich erfassen. So lässt sich besser nachvollziehen, welche Geräte Zugang zum Heimnetzwerk haben.
- KI-Assistenten wie ChatGPT oder Google AI zu nutzen, um sich die Funktionsweise des eigenen Heimnetzwerks erklären zu lassen.
- Nutzerinnen und Nutzer sollten überprüfen, ob ihr Router noch mit den werkseitig voreingestellten Zugangsdaten betrieben wird. «Wenn Standard-Benutzername und Standard-Passwort noch aktiv sind, kann sich praktisch jeder Zugriff verschaffen», warnt Elazari.
«Datenschutz ist heute ein Privileg»
Für die Expertin steht viel auf dem Spiel: der Zugang zu persönlichen Daten. «Datenschutz ist heute ein Privileg und nicht mehr selbstverständlich», sagt sie.
Als Beispiel nennt sie ihr eigenes Heimnetzwerk. Bei einer Analyse habe sie festgestellt, dass selbst beim Besuch gewöhnlicher Websites wie eBay, Google oder ihrer Bank Tracking-Daten an TikTok übermittelt wurden.
«Dabei bin ich nicht einmal TikTok-Nutzerin und hatte die App nie installiert», sagt Elazari. Hinter solchen Datentransfers stünden oft Unternehmen, die Informationen über das Onlineverhalten sammeln und weiterverkaufen.
Eine Entscheidung für die Zukunft
Viele Menschen beruhigten sich mit dem Argument, sie hätten nichts zu verbergen. Für Elazari greift diese Sichtweise zu kurz.
Daten würden dauerhaft gespeichert, zusammengeführt und kommerziell genutzt. Deshalb müsse jeder selbst entscheiden, welche Informationen er oder sie preisgeben wolle.
«Vielleicht glauben Sie heute, nichts zu verbergen zu haben», sagt sie. «Aber wird Ihr zukünftiges Ich das genauso sehen? Und Ihre Kinder in 15 oder 25 Jahren? Die Entscheidungen, die wir heute treffen, wirken weit in die Zukunft hinein.»
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