Landwirtschaft in der Zukunft – Mehr Soja, mehr Bewässerung – so wirkt der Hitzesommer nach

Die 60 Kühe auf dem Wallierhof wirken zufrieden. Im Milchviehstall kauen sie gemütlich, sie können zum Melkroboter, wenn ihnen danach ist, einige können auch selbstständig auf die Weide.
Die Konstruktion ist offen, die Tiere sind vor Regen geschützt, doch der Stall heizt sich auch bei heissem Wetter nicht zusätzlich auf. Es gibt sogar eine Sprinkleranlage. «Eine ganz einfache Klimaanlage für unsere Kühe», scherzt Jonas Zürcher, Direktor des Wallierhofs.
Der Wallierhof in Riedholz SO ist das Bildungszentrum des Kantons Solothurn für Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung. Hier werden seit 1932 angehende Landwirte und Landwirtinnen, Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen ausgebildet. Aktuell machen etwa 100 Lernende die Ausbildung zum Landwirt oder zur Landwirtin EFZ, etwa 100 weitere absolvieren eine höhere Ausbildung, zum Beispiel diejenige zum Meisterlandwirt oder zur Meisterlandwirtin. Ausserdem berät der Wallierhof Landwirtschaftsbetriebe und bietet Fachkurse und Tagungen an. Auf dem Ausbildungs- und Demonstrationsbetrieb des Wallierhofes werden rund 60 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet und etwa 60 Kühe für die Milchproduktion gehalten.
Dennoch sei es auch für die Kühe auf dem Wallierhof ein anstrengender Sommer gewesen, sagt Zürcher. «Unsere Kühe haben weniger Milch gegeben.» Ausserdem wuchs das Gras auf der Weide, auf der ein Teil der Kühe frisst, gar nicht. «Wir mussten die Tiere mit Heu füttern, welches eigentlich für den nächsten Winter vorgesehen gewesen wäre.»
Anpassung als Dauerauftrag für Landwirtschaft
Dass der Klimawandel die Schweizer Landwirtschaft beeinflusst, steht für Jonas Zürcher ausser Frage. Allerdings sei es die Landwirtschaft gewohnt, sich der Witterung anzupassen und auf Wetterextreme zu reagieren.
Das Ziel in der Ausbildung auf dem Wallierhof sei es nicht, die eine richtige Lösung zu lehren. Seine Aufgabe sieht er darin, den Bäuerinnen und Bauern der Zukunft das nötige Rüstzeug mitzugeben, damit sie den Wandel selbst meistern können.
«Wir wollen breite Grundkenntnisse vermitteln, damit die jungen Landwirtinnen und Landwirte die Zusammenhänge verstehen, vorausdenken, und auf dem Feld oder im Stall richtig reagieren können.»
Dabei könnten die Schweizer Bauern auch Lehren aus anderen Ländern übernehmen, welche sich schon an trockene Sommer gewöhnen mussten. Zürcher: «Wir können sicher nicht alles übernehmen, aber wir können einiges auf die Schweizer Verhältnisse übertragen.»
Sei es etwa der Einsatz von Bewässerungsanlagen, oder dass man beim Anbau vermehrt auf Soja oder Sorghum setze – Kulturen, die mehr Trockenheit oder Hitze ertragen.
Mögliche Anpassungen bei der Genetik
Bei den Lernenden und den Studierenden am Wallierhof ist der heisse Sommer noch gut in Erinnerung. «Unsere Milchkühe wurden krank, sie gaben weniger Milch, sie fanden kaum noch etwas zu fressen auf unseren Weiden», sagt Joel Flury (21) aus Oekingen. Er ist Landwirt EFZ und macht am Wallierhof gerade eine Weiterbildung zum Betriebsleiter.
Der Blick in die Zukunft gebe ihm zu denken. «Gerade für die Milchproduktion ist ein so heisser Sommer sehr schwierig.» Die Tiere liessen sich mittelfristig mit Genetik etwas anpassen, sagt Flury. Etwa indem man hitzeresistentere Kühe aus südlicheren Ländern mit einheimischen kreuzt. «Aber die Genetik ist langsam, das dauert eher 20 als 2 Jahre.»
Anpassen und bestehen
Auch Rebekka Stich (20), Landwirtin EFZ aus Wahlen, macht aktuell im Wallierhof eine Weiterbildung. Die Arbeit auf dem Gemüsebetrieb, für den sie während des heissen Sommers gearbeitet hatte, sei sehr anstrengend gewesen. «Wir haben wegen der Hitze jeweils um 4 Uhr morgens angefangen», sagt sie.
Die Hitze sei zwar schwierig für die Landwirtschaft, aber: «Wir müssen damit leben, es ist so, wie es ist, wir können es nicht ändern.» Deshalb müsse sich die Landwirtschaft anpassen. «Wir müssen uns darauf vorbereiten, mehr zu bewässern und Kulturen anzubauen, die hitzeresistenter sind.» So werde die Landwirtschaft in Zukunft bestehen.
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Regionaljournal Aargau Solothurn, 2.10.2026, 17:30 Uhr ; heir;stes;noes
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