Sieben New Yorker schildern, wie sie 9/11 bis heute prägt
Am 11. September 2001 wurde das Fernsehprogramm im ZDF für eine Spezial-Sendung mit Live-Bildern aus New York unterbrochen. Sehen Sie hier den Beitrag aus dem ZDF-Archiv.
09.09.2026 | 4:46 minFür Millionen Menschen auf der ganzen Welt ist der 11. September 2001 ein historisches Datum. Für viele New Yorkerinnen und New Yorker bleibt er ein persönlicher Einschnitt. 25 Jahre nach den Terroranschlägen berichten Überlebende, Angehörige und Augenzeugen, wie sie den Tag erlebt haben und warum die Folgen bis heute nachwirken.
Der Überlebende: Brian Branco
Brian Branco arbeitete am Morgen des 11. September 2001 im 78. Stock des Südturms des World Trade Centers. Als das erste Flugzeug den Nordturm traf, hielt er den Vorfall zunächst für einen Unfall.
Jemand sagte, in Turm eins sei ein Flugzeug gekracht. Ich dachte an ein kleines Flugzeug, vielleicht eine Cessna.
Brian Branco
Brian Branco hat den Anschlag am 11. September 2001 überlebt.
Quelle: ZDFGemeinsam mit einem Kollegen machte er sich auf den Weg nach draußen. Sein Kollege kehrte noch einmal an den Arbeitsplatz zurück. Brian Branco sah ihn nie wieder. Als das zweite Flugzeug den Südturm traf, hatte Branco das Gebäude bereits verlassen. Heute erinnert er sich nur lückenhaft an die Flucht. Vieles sei möglicherweise verdrängt worden, sagt er.
25 Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center leiden viele Überlebende noch immer unter den Folgen.
01.09.2026 | 24:31 minDie Spätfolgen: Dana Nelson
Dana Nelson war 14 Jahre alt, als sie die brennenden Türme aus ihrer Schule beobachtete. Jahrzehnte später wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Sie zählt zu den Tausenden Menschen, deren Erkrankungen mit den Schadstoffen rund um Ground Zero in Verbindung gebracht werden.
Kinder, Zivilisten und Rettungskräfte wurden wissentlich in ein vergiftetes Umfeld zurückgeschickt.
Dana Nelson
Dana Nelsons' Krebserkrankung wird mit den Schadstoffen rund um Ground Zero in Verbindung gebracht.
Quelle: ZDFDie gesundheitlichen Folgen der Anschläge wurden lange unterschätzt. Erst nach jahrelangem politischen Druck entstanden Hilfs- und Entschädigungsprogramme für Betroffene. Dieses Jahr hat Bürgermeister Zohran Mamdani Dokumente veröffentlicht, die Zahlen und Daten über die verseuchte Luft um Ground Zero zeigen.
Die Muslimin: Linda Sarsour
Linda Sarsour war damals Studentin in Brooklyn. Während in Manhattan die Türme brannten, ahnte sie zunächst nicht, welche politischen und gesellschaftlichen Folgen die Anschläge für Muslime in den USA haben würden.
Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich streckte meine Hände aus, weil verbrannte Papierfetzen vom Himmel fielen. Es war wie in einem Horrorfilm.
Linda Sarsour
"Wie in einem Horrorfilm" habe sie sich während des Anschlags in New York gefühlt, erinnert sich Linda Sarsour.
Quelle: ZDFAuf dem Heimweg erlebt sie verunsicherte Nachbarschaften und geschlossene muslimische Geschäfte, eine verschlossene Moschee. Zu Hause sieht sie ihre Mutter ohne Kopftuch das Haus verlassen. "Wir können es im Moment nicht tragen", erinnert sie sich an deren Worte.
Erst die Fernsehbilder machen ihr das Ausmaß der Anschläge bewusst. Mit ihnen beginnt für viele muslimische Amerikaner eine Zeit des Misstrauens und der Anfeindungen.
Nach 9/11 standen Muslime in New York unter Generalverdacht. 25 Jahre später ist mit Zohran Mamdani ein Muslim Bürgermeister. Das weckt vor dem 9/11-Gedenken sehr unterschiedliche Emotionen.
09.09.2026 | 8:58 minDie Schülerin: Lila Nordstrom
Nur wenige Blocks vom World Trade Center entfernt besucht Lila Nordstrom die renommierte Stuyvesant High School. Aus den Klassenräumen beobachten die Schülerinnen und Schüler die Katastrophe.
Das ganze Gebäude bebte. Als wir nach draußen schauten, sahen wir einen riesigen Feuerball über dem World Trade Center.
Lila Nordstrom
Lila Nordstrom gehört zu den Aktivistinnen, die für die Anerkennung der Spätfolgen kämpfen.
Quelle: ZDFDie Anschläge enden für Nordstrom nicht mit dem Einsturz der Türme. Bereits wenige Wochen später kehrt sie in ihre Schule zurück, obwohl die Aufräumarbeiten an Ground Zero noch laufen. Viele ehemalige Schüler entwickeln später gesundheitliche Beschwerden. Nordstrom gehört zu den bekanntesten Aktivistinnen, die für die Anerkennung der Spätfolgen kämpfen. "Wir müssen die Gesundheitskrise als Teil der Katastrophe begreifen."
Das Kind: Brooke Peters
Brooke Peters ist vier Jahre alt, als die Anschläge New York erschüttern. Während Feuerwehrleute, Opfer und Rettungskräfte früh Teil der öffentlichen Erinnerung werden, schien die Perspektive der Kinder lange übersehen worden zu sein.
Niemand sprach darüber, was wir Kinder an diesem entsetzlichen Tag durchgemacht haben.
Brooke Peters
Brooke Peters hat seine Kindheitserlebnisse in einem Dokumentarfilm über 9/11 verarbeitet.
Quelle: ZDFSpäter verarbeitet Peters seine Erlebnisse in einem Dokumentarfilm. Heute studiert er Lehramt. Die Erfahrungen des 11. September hätten seinen Wunsch geprägt, Kindern Halt und Orientierung zu geben.
Der Hinterbliebene: Giovanni Galante
Giovanni Galante verlor seine Frau Grace Catherine Galante. Die 29-Jährige arbeitete im 105. Stock des Nordturms für die Investmentfirma Cantor Fitzgerald.
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Welt verändert. 25 Jahre später beschäftigen sich Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen mit den Folgen.
09.09.2026 | 27:28 minWie viele Angehörige hoffte er zunächst auf ein Missverständnis. Stundenlang versuchte er Informationen über den Verbleib seiner Frau zu erhalten. Versuchte sie zu finden. Besonders eingebrannt hat sich ihm der Moment, als Polizisten von einem zweiten Flugzeug sprachen, das in die Türme rast.
Da wurde einem plötzlich klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. Damals hatten wir nie gedacht, dass irgendjemand die USA angreifen würde oder dass so etwas überhaupt möglich wäre. Niemand hatte mit so etwas gerechnet.
Giovanni Galante
Giovanni Galante verlor seine Ehefrau beim Angriff auf die Twin Towers.
Quelle: ZDFSeither kehrt Galante jedes Jahr zur Gedenkfeier nach New York zurück.
- Kritik an Trumps Anti-Terrorstrategie: Die Lehren vom 11. September
- Joschka Fischer zu 9/11 und den Folgen: "Terroranschlag. Gebt mir den Bundeskanzler"
Die Wiederständige: Marta Hernandez
Marta Hernandez, in Spanien geboren, lebt seit 1987 in New York. Sie erinnert sich vor allem an die Stunden nach den Anschlägen. Als sie von einem Flugzeug hörte, das ins World Trade Center geflogen war, war sie mit ihrem Fahrrad unterwegs zur Arbeit. Sie ging zunächst von einem Unglück aus. Erst die einstürzenden Türme machten ihr die Dimension der Katastrophe deutlich. Bis heute meidet sie Ground Zero.
Ich kann diesen Geruch nicht vergessen, nie vergessen, dass ich das eingeatmet habe. Deshalb habe ich in gewisser Weise die Tragödie in meinem Körper.
Marta Hernandez
Marta Hernandez sieht New York als Symbol für Widerstandskraft.
Quelle: ZDFTrotzdem sieht sie ihre Stadt als Symbol für Widerstandskraft. "Man sagt, New York ist die Stadt, die niemals schläft. Ich sage: Es ist die Stadt, die niemals stirbt."
25 Jahre nach den Anschlägen steht Ground Zero für Erinnerung und Trauer. Die Geschichten der Menschen zeigen aber auch: Für viele New Yorker endete der 11. September nicht 2001. Seine Folgen reichen bis in die Gegenwart.
Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem im gemeinsamen Mittagsmagazin von ZDF und ARD am 11.09.2026 ab 12:00 Uhr.
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