Wälder am Limit – «Man kann aus einer Buche keinen Kaktus machen»

Ausgetrocknete Blätter, etliche abgestorbene Buchen oder Kiefern prägen das Bild des Waldes. «Es hat mich überrascht, mit welcher Geschwindigkeit diese Schäden dieses Jahr aufgetreten sind», sagt Ansgar Kahmen, Professor für Biologie an der Universität Basel.
Experiment liefert eindeutige Erkenntnisse
Seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen sei der Wald in Mitteleuropa noch nie so gestresst gewesen. «Wir sehen überall im Wald abgestorbene Bäume. Das ist ein starkes Zeichen, dass im Wald eine massive Veränderung im Gang ist.»
Seit fast zehn Jahren erforscht die Universität Basel auf einem Testgelände, wie sich der Klimawandel auf die wichtigsten mitteleuropäischen Baumarten auswirkt.
Flache Wurzeln werden zum Verhängnis
Die neuesten Ergebnisse sind unmissverständlich: Viele Baumarten können sich nicht schnell genug an die veränderten Bedingungen anpassen. «Wir sind bis jetzt davon ausgegangen, dass die Bäume eine gewisse Resistenz haben. Das Jahr 2026 war aber so extrem, dass viele einheimische Baumarten tatsächlich an ihre Grenzen gekommen sind.»
Seit fast zehn Jahren erforscht die Universität Basel auf einem Testgelände im Kanton Baselland, wie sich der Klimawandel auf die wichtigsten mitteleuropäischen Baumarten auswirkt. Das Experiment ist europaweit einzigartig.
Denn in diesem Waldstück in der Nähe der Gemeinde Hölstein (BL) wachsen alle wichtigen Baumarten aus Mitteleuropa. Damit können die Forscherinnen und Forscher untersuchen, wie die verschiedenen Baumarten auf die Klimaveränderung reagieren.
Besonders betroffen sind Baumarten mit flachen Wurzeln. In anhaltenden Trockenphasen kommen sie nicht mehr an das tiefer im Boden liegende Wasser heran. Allen voran die Buche, die heute noch das Bild vieler Schweizer und mitteleuropäischer Wälder prägt. Die Art leidet massiv unter den veränderten Bedingungen.
Wenn gewisse Grenzen überschritten sind, verschwinden Baumarten aus den Waldgebieten.
«Natürlich können sich Bäume bis zu einem gewissen Grad an den Klimawandel anpassen. Aber es gibt Grenzen. Man kann aus einer Buche keinen Kaktus machen», sagt Kahmen und ergänzt: «Wenn diese Grenzen überschritten sind, verschwinden diese Arten aus den meisten Waldgebieten Zentraleuropas.»
Besser aufgestellt seien hingegen Baumarten mit tieferen Wurzelsystemen wie etwa die Eiche oder die seltenere Elsbeere. Sie könnten auch in Trockenphasen noch Wasser aus tieferen Bodenschichten aufnehmen.
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Bild 1 von 2. Gerade die Buche hat Probleme mit der Trockenheit. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Die Vogelperspektive verdeutlicht: Gewisse Arten könnten besser mit der Trockenheit umgehen als andere. Bildquelle: SRF.
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Im extremen Fall, so Kahmen, gehe die Entwicklung langfristig in Richtung offenerer Bestände mit deutlich weniger Bäumen pro Fläche. Dadurch würde auch der Wasserverbrauch des Ökosystems sinken. «Wenn man es sehr pointiert ausdrücken möchte, geht die Entwicklung in Richtung Savanne. Aber das ist wirklich das Ende einer langen Entwicklung», sagt der Pflanzenforscher.
Orientalische Buche statt Rotbuche?
Wahrscheinlicher sei ein Szenario mit einem aktiven Eingreifen des Menschen. «Die Diskussion wird geführt, dass man gezielt Baumarten anpflanzt, die aus trockeneren Klimazonen kommen, aber auch mit unseren immer noch kalten Wintern umgehen können.» Damit würden künftig auch neue Arten das Bild der mitteleuropäischen Wälder prägen. Denkbar seien viele Arten, wie etwa die Orientalische Buche oder die Douglasie aus Nordamerika.
Eines scheint nach den Erkenntnissen aus Basel jedenfalls klar: Der Wald, wie wir ihn kennen, wird sich verändern – und dieser Wandel ist bereits im Gange.
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