Vom Politstar zur Reizfigur – Valérie Dittli: «Fehler wische ich nicht unter den Teppich»

2022 wurde Valérie Dittli überraschend in den Waadtländer Staatsrat gewählt. Doch mittlerweile steht sie massiv in der Kritik und ist aus ihrer Partei zurückgetreten.
Valérie Dittli
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Valérie Dittli (Die Mitte) ist seit 2022 Waadtländer Staatsrätin. Die 33-jährige Politikerin steht massiv unter Druck, seit im März 2025 Vorwürfe wegen Amtsmissbrauchs und Berichte über mangelndes Management öffentlich wurden. Gegen Dittli wurden mehrere Strafanzeigen eingereicht.
SRF: Sie wurden «einsamste Politikerin der Schweiz» genannt. Einverstanden?
Valérie Dittli: Nicht wirklich. Ich habe sehr viele Leute hinter mir.
Gegen Sie laufen Strafverfahren. Da kommt viel zusammen.
Ja. Aber mein Alltag ist nicht geprägt von diesen heftigen Schlagzeilen.
Aber das kann nicht einfach so an einem vorbeigehen.
Nein. Die Situation ist sehr belastend. Ich erkenne als roten Faden, dass ich Dinge anstossen wollte, mir aber jeweils andere Absichten unterstellt wurden.
Im ersten Fall geht es um Steuervorteile für Gutverdiener, von denen Sie sagen, das sei auf dem Mist Ihres Vorgängers Pascal Broulis gewachsen.
Es war nicht einfach, das aufzuarbeiten. Ich sah aber schnell, dass Fehler passiert waren. Das macht mich aus: Wenn Fehler passieren, wische ich nicht alles unter den Teppich. Ich will schauen, was passiert ist.
Amtsmissbrauch, fehlende Kollegialität, mangelhaftes Management, mangelhaft begründete Entscheidungen – kann man bei so vielen Vorwürfen überhaupt noch arbeiten in einer Regierung?
Wie gesagt, aus meiner Sicht ist das die öffentliche Meinung, die Sie wiedergeben. Und mich stört, dass alles so öffentlich ausgetragen wurde. Ich finde, in einer Regierung hat man auch eine gewisse Fürsorgepflicht, die man wahrnehmen muss gegenüber allen Mitgliedern.
Hat man Sie fast vorgeführt?
Ich war da halt einfach nicht immer ganz einverstanden. Im Nachhinein konnte uns aber die ganze Institution auch tragen. Das System, das da ist, funktioniert. Und das hat uns geholfen, wieder aus dieser Krise rauszukommen. Heute arbeiten wir wieder relativ gut zusammen.
Sprechen Sie noch miteinander?
Ja, sicher. Wir sehen uns jede Woche einmal.
Sie liessen auch schon Selbstkritik durchblicken.
Ich wurde mit 29 in ein Amt gewählt, für das es keine Ausbildung gibt. Ich hatte auch keine Hausmacht. Diese Situation hat mich etwas überfordert. Ich habe es mal besser, mal schlechter gemacht. Aber ich habe auch immer versucht, eine Linie beizubehalten. Ich vertraue Leuten, von Grund auf. Aber in Machtpositionen muss man sich das Vertrauen erarbeiten. Das habe ich unterschätzt.
Gibt es auch eine sachpolitische Selbstkritik?
Was mir wirklich nicht gelungen ist, ist, die Menschen mitzunehmen.
Aber fachliche Mängel sehen Sie keine?
Sachliche Mängel – logisch: Ich hatte wenig Erfahrung. Unter dem ganzen Druck war ich wohl nicht immer die beste Version meiner selbst. Wichtig ist, dass man zu Fehlern steht, daraus lernt und schaut, dass sie nicht mehr passieren.
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Ihre Schwester Laura Dittli tritt an den Zuger Regierungsratswahlen für die Mitte an, aus der Sie ausgetreten sind. Gibt es da keinen Parteiknatsch in der Familie?
Nein, so etwas gibt es überhaupt nicht. Was ich an der Mitte schätze, ist die Art, wie man Politik macht.
Keine Angst, dass die Schlagzeilen rund um Sie die Wahlchancen Ihrer Schwester mindern?
Nein. Sie ist sehr gut etabliert in Zug.
Und warum treten Sie nochmals an?
Aus Überzeugung. Und ich mag meine Arbeit einfach sehr.
Treibt Sie auch ein Art von Ehrgeiz an?
Ich habe viel Vertrauen und glaube, jeder findet im Leben seinen Weg. Ich vertraue darauf, dass ich meinen finden werde.
Sehen Sie sich auch in 20 Jahren noch in der Politik?
Das kann ich nicht sagen. Gerade in der Schweiz haben wir den Luxus, zu tun, was uns gefällt. Solange mir die Politik gefällt, investiere ich gerne in der Politik.
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