Was unterscheidet den Fall Xhaka von der Fischer-Affäre?

Darum gehts
- Sowohl Granit Xhaka als auch Ex-Nati-Headcoach Patrick Fischer kauften sich gefälschte Covid-Zertifikate.
- Die Fälle unterscheiden sich in Motiv, Zeitpunkt und Vorgeschichte: Fischer war bereits vorbestraft, Xhaka nicht.
- Xhaka gestand sein Fehlverhalten vor einer Verurteilung und kooperiert mit den Behörden – das dürfte das Strafmass mildern.
Unterschiedliche Gründe für Schwindel
Patrick Fischer kaufte sich Ende 2021 ein gefälschtes Covid-Zertifikat. Damit konnte er nach China zu den Olympischen Spielen Anfang 2022 reisen. Wäre er ohne Impfnachweis in China eingereist, hätte er sich drei Wochen in Quarantäne begeben müssen. Da er das jedoch nicht wollte, beschaffte er sich ein Zertifikat auf illegalem Weg.
Xhaka gab auf seinem gefälschten Zertifikat an, sich zweimal den Piks geholt zu haben. Einmal im Januar 2022 und einmal im November desselben Jahres. Beim Nati-Captain dürfte der Grund für die Impf-Lüge der öffentliche Druck gewesen sein. Denn Xhaka hätte sich mit einem Verzicht auf eine Impfung, beziehungsweise einen Nachweis, keine Steine auf seinen sportlichen Weg gelegt. Bei der Weltmeisterschaft 2022 war für die Einreise nach Katar keine Impfung notwendig.
Fischer war vorbestraft
Als Fischers Fälschungs-Aktion aufflog, wurde kurze Zeit später auch bekannt, dass der ehemalige Trainer der Hockey-Nati zu diesem Zeitpunkt schon vorbestraft war. In seinem Geständnis-Video sagte er, dass er das Recht immer respektiert habe. Das stimmte so nicht ganz. Im März 2020 wurde er zu einer bedingten Geldstrafe von 25 Tagessätzen à 440 Franken verurteilt. Der Grund dafür war eine Geschwindigkeitsüberschreitung. Granit Xhaka ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorbestraft.
Zeitpunkt des Bekanntwerdens
Fischers Covid-Schwindel flog zur Unzeit auf. Wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft zu Hause in Zürich und Fribourg verplapperte er sich bei Dreharbeiten mit dem SRF. Dieses stellte danach Recherchen an und machte Fischers Betrug öffentlich. Die WM hätte sein letztes Turnier als Nati-Headcoach werden sollen, sein Abschied nach dem Grossanlass war bereits beschlossene Sache. Dazu kam es nicht mehr, der Schweizer Eishockeyverband entliess Fischer, der Weltverband sperrte ihn später für vier Jahre von allen Tätigkeiten bei Nationalmannschaften.
Auch Xhakas Fall wurde nun kurz vor einem Zusammenzug bekannt. Jedoch handelt es sich dabei «nur» um Nations-League-Spiele und nicht um eine Weltmeisterschaft. Der Zeitpunkt bei Fischer war darum von deutlich grösserer Brisanz.
Xhaka gibt Vergehen vor Verurteilung zu
Das Vergehen des Nati-Captains wurde bekannt, bevor es zu einer Verurteilung kam, das Verfahren läuft noch. Er hat sein Fehlverhalten zugegeben und den Behörden seine volle Kooperation zugesichert. Dies dürfte ihm beim Strafmass zugutekommen.
Fischers Fall kam erst Jahre später ans Licht, praktisch durch Zufall. Unbekannt ist, wie sich Fischer bei der Zusammenarbeit mit den Behörden verhalten hat, als gegen ihn ermittelt wurde. Er behielt seinen Gesetzesbruch für sich und kam lange damit durch.
Beide haben gelogen
Eine Gemeinsamkeit gilt es aber dennoch zu betonen. Sowohl Patrick Fischer als auch Granit Xhaka haben in Interviews gesagt, dass sie sich impfen liessen. Der ehemalige Nati-Headcoach sagte in einem Interview mit dem «Tagesanzeiger» 2021, dass er im Dezember vollständig geimpft sein werde.
Xhaka wollte sich zunächst nicht impfen lassen, was hohe Wellen schlug. Von verschiedensten Personen wurde an seine Vorbildfunktion appelliert. Im Interview mit 20 Minuten sagte er während des Nati-Zusammenzugs im März 2022: «Ist man kein Vorbild, wenn man sich nicht impfen lässt?» Schob dann aber nach: «Ja, ich bin geimpft, damit ihr nichts mehr zum Schreiben habt.»
Nino Vinzens (nvi) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Seine Expertise verteilt sich hauptsächlich auf die Sportarten Fussball, Ski Alpin und Eishockey.
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