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Monday, October 19, 2026

Schwere Wirtschaftskrise – «Fleisch zu kaufen, ist ein Traum»: Syriens neue Armut

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Eine Taxifahrt durch den dichten Verkehr von Damaskus ist immer eine gute Gelegenheit, um die Stimmung im Land zu spüren. Das alles beherrschende Thema ist der massiv gestiegene Benzinpreis. «Das wirkt sich auf mein Geschäft aus», erzählt Taxifahrer Mohammed, während er sein Fahrzeug durch den Abendverkehr lenkt. Er müsse nun deutlich mehr für eine Tankfüllung ausgeben, könne die Mehrkosten aber kaum auf seine Fahrgäste abwälzen.

«Ich verlange nach wie vor denselben Preis, denn meine Kunden haben das Geld für eine Preiserhöhung auch nicht», erklärt er. Würde er mehr verlangen, so fürchtet er, hätte er keine Kunden mehr. Also nimmt er die geringeren Einnahmen in Kauf. Er zuckt mit den Schultern: «Es ist halt, was Gott mir gibt. Manchmal verdiene ich gerade genug für das Nötigste: Brot, Zigaretten und vielleicht noch ein paar Kleinigkeiten.»

Wachsende Wut an den Zapfsäulen

Wie Mohammed geht es zurzeit vielen Syrern. Schon vor dem aktuellen Preisschub kamen die Menschen nur knapp über die Runden. Die erneute Belastung hat bereits im September zu grösseren Demonstrationen in mehreren Städten geführt. Auch heute kommt es immer wieder zu hitzigen Diskussionen an den Zapfsäulen. Ein pensionierter Autofahrer rechnet vor: Eine Tankfüllung koste heute 20 Dollar mehr als noch vor einigen Wochen.

Tankstelle mit einem Auto, das betankt wird, und einem Mann in der Nähe.
Legende: Weltweit sind die Benzinpreise in diesem Jahr massiv angestiegen. Im krisengeplagten Syrien sind die Folgen besonders drastisch. Reuters/Firas Makdesi

«Bei einer Rente von 50 Dollar ist das nicht mehr zu verkraften», sagt er aufgebracht und fordert, dass die Preise an die Einkommen angepasst werden. Der Tenor ist überall derselbe: Alles habe sich verteuert, nicht nur das Benzin, doch die Gehälter und Renten hätten sich kaum verbessert. Unter dem Strich, so klagen die Menschen, hätten sie heute weniger in der Tasche als vor zwei Jahren, als die neue Regierung die Macht übernahm.

Ernüchterung statt Aufbruchstimmung

Auf einem Markt in Damaskus, zwischen den Ständen mit Gemüse und Gewürzen, schildert eine Lehrerin, wie ihr Einkommen nicht mehr ausreicht. «Am Ende des Monats bleibt nichts übrig», sagt sie, nicht einmal mit dem Privatunterricht, den sie abends zusätzlich gebe.

Die neue Regierung hatte kurz nach der Machtübernahme die staatlich festgelegten Preise für Brot abgeschafft, was bereits zu einem ersten Preisanstieg führte. Nun kommen die hohen Transportkosten durch die teuren Benzinpreise noch dazu. «Das Gemüse hier auf dem Markt ist noch bezahlbar, aber alles andere ist teuer. Kleidung oder Olivenöl zum Beispiel», erklärt sie und fügt hinzu: «Fleisch zu kaufen, ist mittlerweile ein Traum.»

Es fühlt sich an, als sei alles beim Alten geblieben.

Die Beobachtung der Lehrerin bestätigt ein Metzger, der seine Hühner jeden Tag frisch auf den Markt bringt. «Das Benzin ist die Ursache für die hohen Preise», ist er überzeugt. Die gestiegenen Transportkosten müsse er weitergeben. Gleichzeitig spüre er, dass sich die Menschen immer weniger Fleisch leisten könnten.

«Statt eines ganzen Huhns wie früher kaufen die Leute nur noch Schenkel oder Bruststücke.» Damit komme auch er als Verkäufer kaum noch über die Runden. Sein Fazit nach zwei Jahren Übergangsregierung fällt bitter aus: «Es fühlt sich an, als sei alles beim Alten geblieben.» Was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, ist Syrien bisher keinen Schritt weitergekommen.

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