Saint-Sulpice (VD) – Missbrauchsfall in Kita: Eltern werfen Versäumnisse vor

In Saint-Sulpice wächst die Kritik am Umgang von Gemeinde und Kita mit einem Missbrauchsfall. Eltern fordern Aufklärung und Unterstützung.
17.09.2026, 16:19
Auch nach Erklärungen der Gemeinde und einer Informationsveranstaltung vom Dienstagabend sind viele Eltern in Saint-Sulpice (VD) wütend und verunsichert. Für die Familien bleibt eine zentrale Frage offen: Wurde auch mein Kind Opfer?
Anlass ist ein Fall sexuellen Missbrauchs, in den ein Betreuer verwickelt ist, der in einer Kita sowie in den kommunalen Betreuungseinrichtungen gearbeitet hatte. Die Vorfälle reichen bis Oktober 2025 zurück. Ein zweijähriges Kind erzählte damals seinen Eltern, dass ein Betreuer ihm Küsse auf den Mund gegeben habe.
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Die Kindertagesstätte richtete darauf Überwachungsmassnahmen ein. Der betroffene Betreuer wurde jedoch nicht sofort von seiner Tätigkeit ausgeschlossen.
Erst acht Monate später, nach einer zweiten Meldung des Kindes und der Einreichung einer Strafanzeige, wird er aus den Betreuungseinrichtungen entfernt und daraufhin festgenommen. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.
Beunruhigend an dem Fall: Die US-Behörden hatten den Betreuer der Schweizer Bundespolizei wegen verdächtiger Aktivitäten im Internet gemeldet. Das war auch schon der Fall gewesen bei einem übergriffigen Kita-Mitarbeiter aus der Region Bern.
Diese Information aus den USA hatte bei der Staatsanwaltschaft Nordwaadt Anfang 2025 zu einer Nichteintretensverfügung geführt: Die Meldung wurde nicht weiter überprüft.
Bestürzung bei den Familien
Die Familien kritisieren eine Vielzahl von Fehlfunktionen im System. Zunächst werfen sie der Kita vor, den Kanton nicht bereits bei den ersten Verdachtsmomenten direkt informiert zu haben. Aber auch die Gemeinde steht in der Kritik. Nach Ansicht der Eltern habe sie nach der Festnahme des Betreuers im Juli zu lange mit der Kommunikation zugewartet.
Die Familien hätten den ganzen Sommer über in Ungewissheit gelebt. Gemeindepräsident Marc Nathusius erklärte gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS, er könne sich «nicht zu Tatsachen äussern, die Gegenstand der laufenden Ermittlungen sind, da die Gemeinde keinen Zugang zu den Strafakten hat». Er versichert allerdings, dass «die Meldung vom Oktober 2025 bereits am folgenden Tag bearbeitet wurde».
Und: «Die betroffene Familie wurde empfangen, der Mitarbeiter wurde von dem Kind ferngehalten und verstärkte Überwachungsmassnahmen wurden eingeführt. Bis Juni 2026 ging keine weitere Meldung ein.»
Auf Grundlage der damals verfügbaren Informationen sei die Leitung nicht der Ansicht gewesen, dass eine Information sämtlicher Familien gerechtfertigt gewesen wäre, so Nathusius. Ebenso habe die kantonale Fachstelle für die Tagesbetreuung von Kindern (SCAJE) «die internen Massnahmen angesichts der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen als angemessen und verhältnismässig beurteilt», fügt er hinzu.
Motion im Grossen Rat eingereicht
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Als Reaktion auf den Fall haben mehrere Parteien am Montag eine Motion im Waadtländer Kantonsparlament eingereicht. Der Vorstoss fordert die Einrichtung eines kantonalen Registers für Personen, denen eine Tätigkeit in der Betreuung von Kleinkindern untersagt ist.
Die parlamentarische Initiative soll eine Lücke im derzeitigen System zur Überprüfung des beruflichen und strafrechtlichen Hintergrunds von Personen schliessen, die mit Kleinkindern arbeiten.
Mehrere Eltern fordern, dass rasch psychologische Unterstützung bereitgestellt wird. Sie wünschen sich ausserdem Hilfe dabei, mögliche Anzeichen für Verdachtsfälle bei ihren Kindern erkennen zu können.
Die Gemeinde hat daraufhin eine Reihe von Massnahmen angekündigt, mit denen die Betreuung und Aufsicht in ihren Einrichtungen verstärkt werden sollen. Erklärtes Ziel ist es, zu verhindern, dass sich eine solche Situation wiederholt.
Ein externes Audit soll zudem die seit Oktober 2025 getroffenen Entscheidungen überprüfen, erklärt Gemeindepräsident Marc Nathusius.
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