US-Techunternehmen – 5 Anfragen, 5 Absagen: Palantir blitzt in der Schweiz ab

- In den vergangenen Jahren hat die Schweizer Armee fünfmal eine Zusammenarbeit mit Palantir in Betracht gezogen und sie jeweils abgelehnt.
- Das zeigt eine Recherche des Online-Magazins «Republik» und des Recherchekollektivs WAV.
- Ein Grund war gemäss der Recherche die Sorge um die Sicherheit vertraulicher Daten.
Palantir gehört zu den Unternehmen, die als die mächtigsten und gleichzeitig umstrittensten der Welt gelten. Dank seines Modells der künstlichen Intelligenz, das in der Lage ist, rasch viele Daten zu verarbeiten, verspricht es Lösungen in Echtzeit für die komplexesten und heikelsten Probleme, einschliesslich jener auf dem Schlachtfeld.
Im Sortiment des US-Tech-Unternehmens befindet sich etwa Software zur Verhinderung von Terrorakten oder zur Identifizierung militärischer Ziele. Zur Kundschaft von Palantir gehören Regierungen, Armeen und Geheimdienste verschiedener Staaten. Aber nicht in der Schweiz. Gemäss der Recherche von «Republik» und WAV hat die Schweizer Armee eine Zusammenarbeit mit Palantir fünfmal abgelehnt.
Sorge um Datensicherheit
«Wir haben nicht nur diese fünf Kontakte zwischen Experten der Schweizer Armee entdeckt, sondern auch die Gründe, aus denen die Zusammenarbeit abgelehnt wurde», sagt Balz Oertli, einer der Journalisten, die an der Recherche über Palantir beteiligt waren, gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI). «In drei der fünf Fälle war es die mangelnde Kontrolle über die Daten, die zu einer Ablehnung führte.»
Der Bericht von RSI zum Thema:
Es sei für die Experten der Armee eine Frage der Souveränität im Umgang mit vertraulichen Informationen gewesen. Oertli zieht daraus den Schluss: «Man hat offensichtlich Palantir nicht genügend vertraut.»
Die journalistische Recherche über Palantir wurde auf europäischer Ebene in einer Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Medien durchgeführt. Sie brachte ein Vertragsvolumen für Palantir in Europa von 1,44 Milliarden Euro ans Licht. Den Grossteil seines Gesamtumsatzes von rund 4 Milliarden Euro macht der Techkonzern in den USA.
Vorstoss im Parlament hängig
«Trotzdem ist die fehlende Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee relevant», fügt Oertli hinzu. «Die Schweiz wäre sicher eine sehr gute Kundin gewesen.» Sie sei neutral und ausserhalb der NATO. Ihre Armee sei zudem von der Grösse her mit anderen potenziellen Kunden vergleichbar. Die verschiedenen Absagen seien darum «ein Problem für Palantir».
Der US-Konzern kann allerdings seine Dienste auch in Zukunft in der Schweiz anbieten. Beim Departement für Verteidigung von Bundesrat Martin Pfister gab es bisher keinen Grundsatzentscheid, der eine Zusammenarbeit ausschlösse.
Im Parlament könnte das jedoch zum Thema werden. Aus den Reihen der Grünen wurde eine parlamentarische Initiative eingereicht, die ein Verbot von Verträgen mit ausländischen Anbietern solcher Dienstleistungen fordert – aus Sorge um die Transparenz und die Sicherheit vertraulicher Daten, wie sie von den Spezialisten der Armee geäussert wurden.
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