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Monday, November 2, 2026

Milliarden-Sanierungsstau: Immobilien-Puff bei der Armee

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  • Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kritisiert in einem neuen Bericht das Immobilien-Portfolio der Armee.
  • Es besteht ein Sanierungsstau von zwei bis drei Milliarden Franken, der bis 2030 um eine weitere Milliarde wachsen dürfte.
  • Zudem ist unklar, welche Bauten die Armee künftig braucht, obwohl das Portfolio auf bis zu 30 Milliarden Franken wachsen soll.

Die Armee ist die grösste Grundbesitzerin der Schweiz. Um ihren Auftrag zu erfüllen, braucht sie Kasernen, Waffenplätze und Co. Eigentlich wollte sie ihr Portfolio verkleinern, das 21'600 Objekte umfasst, darunter 6070 Gebäude. Der Kernbestand der langfristig benötigten Infrastrukturen (aktuell 24 Milliarden Franken) sollte auf 20 Milliarden gesenkt werden.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine änderte die Armee 2022 ihren Kurs. Nun ist ein Ausbau des Bestands auf bis zu 30 Milliarden Franken geplant. In einem neuen Bericht kritisiert die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK), dass die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche und wirksame Steuerung des Portfolios teils fehlen.

Unklarer Bedarf birgt Risiko für Fehlinvestitionen

Unklar ist etwa, was der geplante Ausbau des Portfolios kosten wird. Wegen der neuen Ausrichtung der Armee sind gewisse strategische Grundlagen nicht mehr aktuell. So konnte etwa der konkrete Gesamtbedarf noch nicht festgelegt werden.

Die EFK kritisiert, dass es aufgrund mangelnder Planung zu möglichen Fehlinvestitionen kommen könne. (Symbolbild)

Die EFK kritisiert, dass es aufgrund mangelnder Planung zu möglichen Fehlinvestitionen kommen könne. (Symbolbild)Dres Hubacher

Den Bedarf an baulichen Anpassungen legen die Kommandanten der Waffenplätze fest. Weil diese in der Regel nur zwei bis vier Jahre an einem Standort tätig seien, bestehe das Risiko von fehlender langfristiger Planung. Dadurch entstehen laut der EFK «finanzielle Risiken durch mögliche Fehlinvestitionen oder wenig wirksame Investitionen». Sie empfiehlt den verstärkten Einbezug übergeordneter Stellen.

Abstriche bei Gebäude-Standards für Aufrüstung?

Viel Geld wird auch die Instandsetzung der bestehenden Immobilien kosten. Bei den bestehenden Immobilien hat sich laut Bericht ein erheblicher Sanierungsbedarf angestaut – die Zielwerte werden «seit Jahren nicht erreicht». Aktuell liegt der Bedarf bei rund 7,3 Milliarden Franken. Gemessen am Zielwert entspricht das einem Investitionsstau von zwei bis drei Milliarden Franken. Bis 2030 dürfte diese «Bugwelle» um eine weitere Milliarde anwachsen. Dazu kommen nochmals bis zu sechs Milliarden Franken für den Ausbau.

Laut der EFK führt der gestiegene Bedarf bei Immobilien und Aufrüstung dazu, dass sich der «Verteilkampf über die verfügbaren Mittel» des VBS intensiviert. Demnach fordert die Gruppe Verteidigung vermehrt, dass von gesetzlichen und internen Vorgaben abgewichen wird – etwa beim Brandschutz oder bei Energiestandards. Dies, um die eingesparten Mittel für andere Aufgaben der Armee auszugeben.

Abgesagte Sitzungen, sinnlose Kennzahlen

Dieser Zielkonflikt zwischen Aufrüstung und Immobilien dauerte während der Prüfung der Finanzkontrolleure an. Ein beantragter Grundsatzentscheid wurde nicht gefällt, die geplanten Sitzungen des Immobilienrats fielen ins Wasser. Die EFK forderte, dass das Generalsekretariat als übergeordnete Instanz einen Grundsatzentscheid fällt.

Das VBS erklärt in seiner Stellungnahme im Bericht, dass die grundsätzlichen Fragen zur Organisation zwischen dem Armeechef und dem Rüstungschef inzwischen verbindlich geklärt wurden. Die Details würden bis Ende Jahr definiert.

Kritik übt die EFK auch am Portfoliocontrolling. Bemängelt werden etwa falsche Zahlen und sinnlose Kennzahlen, aber auch handwerkliche Fehler. Wegen eines Excel-Fehlers wurden etwa rund 250 Millionen Franken an aufgelaufenem Unterhalt nicht erfasst. Diese Probleme stellen den Nutzen des Controllings als Steuerungsinstrument infrage.

Das sagen die betroffenen Behörden

Das VBS, armasuisse Immobilien und die Armee nehmen die Kritik grundsätzlich auf. Einige Probleme seien inzwischen angegangen worden. So hätten sich die Armee und armasuisse bei wichtigen Zuständigkeitsfragen geeinigt. Auch die festgestellten Fehler bei den Zahlen seien korrigiert worden. Bei grösseren Bauprojekten würden bereits jetzt Erkenntnisse im Sinne des Wissenstransfers festgehalten.

Ein verschleppter Effizienz-Auftrag

Bereits 2017 erhielt das VBS vom Bundesrat den Auftrag, mit einheitlichen Baustandards Kosten zu sparen. Ab 2020 sollten so Einsparungen von fünf Prozent im Hoch- und Tiefbau möglich sein. Doch laut EFK gab es in den vergangenen Jahren keine messbaren Fortschritte bei der Festlegung verbindlicher Standards. Erst im März 2026 wurde die Erarbeitung von Standards für zwölf Objektarten beschlossen.

Die EFK sieht darin ungenutztes Sparpotenzial. Mit einheitlichen Bauweisen könnten Kosten gesenkt und Projekte schneller umgesetzt werden. Zudem kritisieren die Kontrolleure, dass Erfahrungen aus abgeschlossenen Bauprojekten nicht systematisch für neue Vorhaben genutzt würden.

Delia Bachmann

Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.

Christina Pirskanen

Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

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