Einreiseverbot für Turnerinnen: Nicht jede darf dabei sein

Drei russische Turnerinnen erhalten kein Visum für die Niederlande und verpassen die WM. In Russland gilt das als Ausweis westlicher Russophobie.
Foto: Dita Alangkara/ap
M it gewohnt deutlichen Worten hat Marija Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums und als solche eine bewährte Giftspritze der russischen Regierung, die Europäische Union attackiert: „Das ist wahrer Neonazismus, eine Hetzjagd auf Bürger einzig wegen ihrer nationalen Zugehörigkeit.“ So kommentierte sie Ideen in der Europäischen Union, wegen des Kriegs gegen die Ukraine Sanktionen gegen russische Sportler zu verhängen.
Das Nachrichtenportal Politico hatte über ein Papier berichtet, das in Brüssel unter Außenpolitikern kursiert, die sich nicht abfinden wollen mit der schrittweisen Rückkehr Russlands auf die Weltbühne des Sports, die allerorten zu beobachten ist. Darin soll von Sanktionen gegen Sportlerinnen und Sportler ebenso die Rede sein wie von der Streichung von EU-Fördermitteln an Sportverbände, die Russlands Rückkehr befürworten.
Sacharowas Giftanschlag Richtung Westen kam zwei Tage, nachdem bekannt wurde, dass drei russischen Athletinnen Visa für die Niederlande verweigert worden waren, wo am Samstag in Rotterdam die Weltmeisterschaften im Gerätturnen beginnen. Neben Anna Kalmykowa, der Vizeeuropameisterin im Mehrkampf, und Viktoria Listunowa, der Teamolympiasiegerin von Tokio 2021, ist davon auch Angelina Melnikowa betroffen. Sie ist die wohl derzeit beste Turnerin in Europa.
In Kroatien, bei der EM im vergangenen August, hatte sie im Mehrkampf, im Sprung und mit der Mannschaft Gold gewonnen. Schon damals war der bekennenden Unterstützerin von Russlands Präsidenten Wladimir Putin das Visum zunächst verweigert worden. Nach Einsprüchen durfte sie dann doch einreisen.
Ratloser Turnverband
Weil russische Staatsinsignien nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine auch im Turnen bei internationalen Wettbewerben unerwünscht waren, startete sie im Team „World Gymnastics 2“ als neutrale Sportlerin. Als solche hatte sie der internationale Turnverband, der sich seit 2025 „World Gymnastics“ nennt, eingestuft, obwohl sie schon einmal für die Kremlpartei Einiges Russland bei einer Kommunalwahl kandidiert hatte.
Der Weltverband hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn Melnikowa und ihre beiden Turnkameradinnen bei der WM an den Start gegangen wären. „World Gymnastics bedauert zutiefst die negativen Auswirkungen auf die Vorbereitungen der russischen Delegation und die Verunsicherung, die in der gesamten Gemeinschaft der Weltmeisterschaften im Kunstturnen herrscht“, heißt es in einer Stellungnahme.
Die russische Delegation hatte sich umgehend beschwert und auch das IOC angerufen. Schließlich gehe es um etwas ganz Grundsätzliches: die Autonomie des Sports. In die dürften Staaten nicht hineinregieren, so wie es die Niederlande bei der Verweigerung der Visa getan hätten. Grundsätzlich erhalten Athletinnen und Athleten aus den Kriegstreiberländern Russland und Belarus Visa, wenn sie unter neutraler Flagge starten. Darüber hinaus behalte man sich vor, im Einzelfall auch anders zu entscheiden. So heißt es in einer Stellungnahme des Außenministeriums der Niederlande, aus der die genauen Gründe für die Visaverweigerung nicht hervorgehen.
Die kennt auch das IOC nicht. Das Internationale Olympische Komitee hat in seiner Erklärung zum Fall ohnehin abzuwiegeln versucht. Man sei für das Event nicht zuständig. Und auch wenn es bei der WM schon um die Qualifikation für die Sommerspiele 2028 in Los Angeles gehe, es gebe danach noch genug andere Möglichkeiten, ein Olympiaticket zu lösen.
In Russland kommt all das gar nicht gut an. Das Portal sportexpress.ru sieht in den Niederlanden „Russenhasser“ am Werk. Giftspritze Maria Sacharowa sieht das gewiss ebenso.
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