«Xhaka ist ein Spieler mit Charisma» – Knäbel nach der Impf-Lüge

Darum gehts
- Nati-Captain Granit Xhaka fehlt beim Zusammenzug in Belek, nachdem er zugegeben hat, während der Pandemie eine gefälschte Impfbestätigung erworben zu haben.
- SFV-Präsident Peter Knäbel und Xhaka entschieden gemeinsam, dass der Captain dem aktuellen Lehrgang im Interesse der Mannschaft fernbleibt.
- Nach dem Länderspielfenster wollen Verband und Xhaka die Situation neu beurteilen und das weitere Vorgehen besprechen.
«Gefälschtes Impfzertifikat! Nati-Captain Granit Xhaka verpasst Zusammenzug» – so lautete die Schocknachricht am Montagmorgen.
Der Fall um Granit Xhaka sorgt für ein Beben beim Schweizerischen Fussballverband. Der Nati-Captain hat öffentlich eingeräumt, während der Corona-Pandemie eine Impfbestätigung erworben zu haben. Gleichzeitig kündigte er an, sich der Aufarbeitung zu stellen und mit den Behörden zu kooperieren.
Für den SFV war deshalb schnell klar: Xhaka wird nicht mit der Mannschaft nach Belek reisen.
«Granit Xhaka hat uns gestern Abend über den Sachverhalt informiert und uns gleichzeitig gesagt, dass er sich öffentlich dazu äussern und Verantwortung übernehmen wird», erklärt SFV-Präsident Peter Knäbel.
Peter Knäbel: «Im Interesse der Mannschaft»
Knäbel und Xhaka entschieden gemeinsam, dass der Rekordnationalspieler dem aktuellen Zusammenzug fernbleibt. Für den SFV-Präsidenten steht dabei vor allem die Mannschaft im Zentrum.
«Wir begrüssen, dass Granit diesen Schritt macht und sich der Aufarbeitung stellt», sagt Knäbel. Gleichzeitig sei man «gemeinsam zum Schluss gekommen, dass es im Interesse der Mannschaft ist, diesen Zusammenzug ohne ihn zu bestreiten».
Die Nati bereitet sich derzeit in Belek auf die kommenden Aufgaben in der Nations League vor. Der Verband will verhindern, dass die Affäre die sportliche Vorbereitung überschattet.
«Für uns geht es jetzt darum, Ruhe in die Situation zu bringen und den Fokus voll und ganz auf die Mannschaft und die bevorstehenden Aufgaben in der Nations League zu richten», sagt Knäbel.
Kein sofortiger Schlussstrich
Was bedeutet das nun für Xhakas Zukunft in der Nationalmannschaft? Einen Rücktritt des Captains hat der SFV nicht angekündigt. Gleichzeitig ist aber auch noch nicht abschliessend geklärt, wann und unter welchen Umständen Xhaka zur Nati zurückkehrt.
Knäbel kündigt eine erneute Beurteilung an: «Nach Abschluss dieses Länderspielfensters werden wir die Situation gemeinsam mit Granit neu beurteilen und das weitere Vorgehen besprechen.»
Damit ist klar: Der aktuelle Verzicht auf den Zusammenzug ist zunächst eine Massnahme für die laufende Länderspielphase. Über die weiteren Konsequenzen will der Verband später entscheiden.
Xhaka übernimmt Verantwortung
Xhaka selbst hatte am Montag öffentlich erklärt, dass er damals stark verunsichert gewesen sei und grosses Misstrauen gegenüber dem Impfstoff empfunden habe. Er bezeichnete den Erwerb der Impfbestätigung als Fehler und kündigte an, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Was das konkret bedeutet, ist noch unklar.
Auch für Knäbel ist dieser Schritt zentral. Der SFV-Präsident betont ausdrücklich, dass Xhaka sich der Aufarbeitung stellt. Nun soll zunächst die Nationalmannschaft zur Ruhe kommen. Danach wollen Verband und Captain gemeinsam besprechen, wie es weitergeht.
Der Ball liegt damit vorerst bei den Behörden – und beim SFV. Xhaka selbst wird der Nati in den kommenden zwei Spielen fehlen. «Der Fall berührt ihn sehr», sagt Knäbel, «das ist ganz klar, das wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre. Und von dem her habe ich einen Granit Xhaka erlebt, so wie wir ihn alle kennen.»
Vergleich mit Eishockey-Fall zurückgewiesen
Einen Vergleich mit dem Fall von Patrick Fischer im Eishockeyverband weist Knäbel klar zurück. Im Fall von Xhaka liege kein Urteil vor, und die Impfbestätigung habe nicht zum Zutritt zu einem wichtigen Turnier berechtigt.
Ethisch gesehen, sei der Fall jedoch vergleichbar. «Es ist eine moralische Frage. Es geht auch um Aussagen, die er gemacht, aber es am Ende niemand zu schaden gekommen», sagt Knäbel nach dem Interview mit 20 Minuten zu SRF – stärkt ihm den Rücken: «Granit ist ein Spieler mit Charisma.»
Wie stehst du dazu, dass Granit Xhaka nach seiner Beichte vorerst nicht mit der Nati nach Belek gereist ist?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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