«Bin 100 Meter reingelaufen»: Bodensee-Pegel so tief wie noch nie

- Der Untersee am Bodensee erreicht bei Berlingen mit 394,21 Metern über Meer einen historischen Tiefststand – tiefer als je zuvor seit Messbeginn.
- Ursache ist die anhaltende Trockenheit: Auf der Alpennordseite fielen in den vergangenen 90 Tagen nur 35 bis 50 % der üblichen Regenmenge.
- Für eine Erholung braucht es laut BAFU-Fachmann Ulrich Schneider länger anhaltenden Regen – einzelne Gewitter reichen nicht aus.
Die Trockenheit ist noch nicht vorbei. Auf der Alpennordseite fielen laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) in den vergangenen 90 Tagen nur 35 bis 50 Prozent der üblichen Regenmenge. In Teilen der Nordwestschweiz waren es sogar nur 15 bis 35 Prozent.
Wie deutlich die Folgen sichtbar sind, beobachtet News-Scout Steffi (35) auf ihrer Velotour rund um den Bodensee. Am Sonntag konnte sie bei Altenrhein SG wegen des ausgetrockneten Seebeckens rund 100 Meter weit in den See hineinspazieren: «Es fühlte sich an wie bei Ebbe an der Küste irgendwo in Schottland.»
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Untersee so tief wie noch nie
Bei Berlingen liegt der Pegel am Montag bei 394,23 Metern über Meer. Damit steht der See tiefer als je zuvor seit Messbeginn. Der bisherige Rekord von 394,25 Metern statt von vor 135 Jahren. Ungewöhnlich ist auch der Zeitpunkt: Solche Tiefstände werden normalerweise im Winter gemessen – nicht Ende September.
An heissen Tagen verdunsteten am Untersee rund 0,5 Zentimeter Wasser. Ohne Regen sank der Pegel zuletzt um zwei bis drei Zentimeter pro Tag, erklärt Hydrologe Lawrence Och gegenüber «Vaterland». BAFU-Fachmann Ulrich Schneider sieht aber nicht nur die Hitze und Trockenheit dieses Sommers als Ursache für den Rekordtieflstand.
Weil dieses Jahr der Schnee in den Alpen spärlich ausfiel, fehlte im Frühling ein wichtiger Wasserlieferant für den Bodensee. Gletscherschmelzwasser könne diesen Ausfall kaum kompensieren, denn im Einzugsgebiet des Bodensees gibt es nur wenige Gletscher.
Einen generellen Trend zu immer tieferen Pegeln sieht Schneider trotzdem nicht: Das zeigt laut ihm ein Blick auf das Jahr 2024: Damals führten beide Teile des Bodensees in den Monaten Januar und Juli ausserordentlich viel Wasser.
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Schiffe fallen aus
Am Rhein und am Bodensee können mehrere kleinere Stationen mit Kursschiffen auf Weiteres nicht angefahren werden. Am Rhein kommen stattdessen Ersatzbusse zum Einsatz. Auf dem Zürichsee fallen wegen des Niedrigwassers bis Mitte Oktober mehrere Rundfahrten aus, darunter die Limmatboot-Rundfahrt und der Ufenau-Shuttle. Die Stationen Küsnacht und Erlenbach werden nicht mehr angefahren.
Es braucht mehr Regen
Ohne weiteren Regen bleibt der Pegel tief oder sinkt noch weiter, sagt Schneider. Damit sich der Bodensee erholen kann, brauche es über längere Zeit ergiebigen Regen. Einzelne Gewitter reichten dafür nicht aus: Das Wasser fliesse rasch wieder ab.
Die Klimaerwärmung verschärfe die Extreme, sagt der Och weiter. Im Winter dürfte der Pegel künftig häufiger höher sein, weil mehr Niederschlag als Regen statt Schnee fällt. Im Sommer drohten dagegen tiefere Wasserstände.
Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.
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