UNO-Jahresversammlung New York – Parmelin, Trump und Co. auf der grossen Bühne der Weltpolitik

Die UNO ist tot – es lebe die UNO! Trotz massiver Finanzprobleme und schwindendem Einfluss: Wenn die UNO jeweils im September zur Jahresversammlung in New York ruft, kommt, wer in der Weltpolitik Rang und Namen hat. Im grossen UNO-Saal dürfen die Staats- und Regierungsoberhäupter eine 15-minütige Rede halten – die meisten überziehen. In Sachen Politpromi-Dichte lässt der wichtigste UNO-Event auch das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos weit hinter sich.
Vier Redner, die ab morgen für Schlagzeilen sorgen werden (in der Reihenfolge ihres Auftritts):
Donald Trump, 80
Wenn der US-Präsident einen aussenpolitischen Erfolg erzielt, nutzt er die UNO gern als Bühne. Diese Woche will er in New York seinen Deal mit Dänemark und Grönland besiegeln. Auch mit Golf-Monarchen will er sich treffen, Selenski und Netanjahu haben um einen Termin ersucht.
Von Grönland abgesehen, läuft für Trump gerade alles schief: Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise hoch, der versprochene Frieden in der Ukraine bleibt aus, ebenso die Entwaffnung der Hamas. Wird Trump in seiner Rede morgen die UNO als Ort der Diplomatie loben, über ihr Unvermögen lästern – oder beides? Vor einem Jahr machte er bekanntlich mit seiner Kritik an der Ausstattung des UNO-Hauptsitzes (Rolltreppe, Teleprompter) Schlagzeilen.
Guy Parmelin, 66
An der Fussball-WM machte der Schweizer Bundespräsident mit der Mütze «Switzerland great since 1291» Schlagzeilen. Ans UNO-Rednerpult wird er ohne Kopfbedeckung schreiten, die Jahresversammlung ist kein Ort für Spässchen. In seiner Rede will Parmelin dafür werben, den Multilateralismus und den Freihandel «great again» zu machen.
Parmelins oberstes Ziel müsste sein, am Rande der UNO-Versammlung jenes Handelsabkommen mit den USA unter Dach und Fach zu bringen, das er eigentlich bereits für vergangenen März in Aussicht gestellt hatte. Erfolgsaussicht: gering. Trump lästert bekanntlich nicht nur gerne gegen die UNO – sondern auch gegen die Schweiz.
Massud Peseschkian, 71
Der iranische Präsident reist für die UNO-Versammlung ins Land des – laut eigener Propaganda – «Grossen Satans». Die US-Regierung hat ihm ein Einreisevisum mit strengen Auflagen erteilt und seiner Entourage Luxus-Shoppingtouren verboten.
2025 behauptete Peseschkian vor der UNO, sein Land werde niemals eine Atombombe bauen. Nun fordert er ein Ende des Zustands «weder Krieg noch Frieden».
Nutzt Peseschkian die Weltbühne für eine Friedensbotschaft – oder für eine Kampfansage an Trump und Netanjahu?
Wolodimir Selenski, 48
Anders als sein russischer Amtskollege Putin reist Selenski persönlich an den UNO-Sitz. Wie jedes Jahr wird er die weltpolitische Bühne nutzen, um für Unterstützung im Krieg gegen Russland zu werben. Militärisch verteidigt sich die Ukraine heldenhaft, geopolitisch läuft es weniger gut.
In Deutschland, dem wichtigsten Unterstützerland, hat die russlandfreundliche AfD eine weitere Landtagswahl gewonnen, in vielen europäischen Ländern droht der Unterstützungswille zu schwinden.
Benjamin Netanjahu, 76
In der Disziplin «Wettern gegen die UNO» spielt der israelische Ministerpräsident weit vorne mit. 2024 bezeichnet er sie als «Sumpf antisemitischer Galle» und «Flacherdler-Gesellschaft».
Wird er seine Rede am Donnerstag für den Wahlkampf zu Hause nutzen und noch lauter wettern? Oder im Gegenteil leiser treten, um nicht auch noch die letzten Sympathien auf der Welt zu verspielen? Denn auch in traditionell pro-israelischen Staaten geniesst das Land Umfragen zufolge immer weniger Sympathien.
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