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Friday, October 2, 2026

Das musst du zum Fall um die «Cornell Seven» wissen

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  • Eine ehemalige Studentin wirft sieben Mitgliedern der Verbindung Chi Phi der Cornell-Universität vor, sie im Oktober 2024 unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben.
  • Am 16. September reichte sie eine Zivilklage gegen die Universität, die Verbindung und die Beschuldigten ein – der Fall verbreitete sich nach einer Veröffentlichung der Uni-Zeitung auf Social Media.
  • New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul hat Generalstaatsanwältin Letitia James als Sonderermittlerin eingesetzt; eine Grand Jury soll über eine Anklage entscheiden.

Was soll passiert sein?

Die damals 20-jährige Studentin, bekannt unter dem Pseudonym «Jane Doe», besuchte im Oktober 2024 das Haus der Studentenverbindung Chi Phi an der renommierten Cornell-Universität in Ithaca im US-Bundesstaat New York. Laut ihrer Aussage wurde sie dort unter dem Einfluss von Alkohol und Ketamin über Stunden von sieben Männern sexuell misshandelt. Sie sei nicht mehr in der Lage gewesen, sexuellen Handlungen zuzustimmen. Einige der Beschuldigten weisen die Vorwürfe laut US-Medien teilweise oder vollständig zurück.

Warum wird der Fall erst jetzt breit diskutiert?

Am 16. September reichte die Frau eine Zivilklage gegen die Universität, die Studentenverbindung und die beschuldigten Männer ein, unter anderem wegen sexueller Nötigung, Körperverletzung, Fahrlässigkeit, Vertragsbruch und Verstössen gegen das New Yorker Menschenrechtsgesetz. Sie wirft Cornell vor, sie nicht ausreichend geschützt und die Beteiligten nicht angemessen bestraft zu haben.

Wenige Tage später veröffentlichte die Redaktion der Uni-Zeitung die Namen der Beschuldigten unter dem Titel «Cornell Won’t, We Will» – sinngemäss: «Cornell tut es nicht, wir schon». Der Fall verbreitete sich daraufhin auf Social Media.

Welche Rolle spielt der Gruppenchat?

Die Klage enthält einen Screenshot aus einem Snapchat-Chat der Verbindung mit insgesamt 57 Mitgliedern. Darin soll ein Teilnehmer den anderen in derben Worten mitgeteilt haben, dass eine Frau im Haus für Sex zur Verfügung stehe. Die Klägerin sieht darin einen Hinweis, dass weitere Männer gezielt dazugeholt wurden.

Cornell zufolge übergab die Universitätspolizei den Screenshot bereits im November 2024 der Staatsanwaltschaft. Die Nachrichten befeuern nun auch eine Debatte darüber, welche Verantwortung Männer tragen, die übergriffiges Verhalten von Freunden oder Bekannten mitbekommen.

Warum gab es damals keine Anklage?

Der zuständige Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten erklärte, die ihm vorliegende Aussage der Frau von 2024 habe keine ausreichende Grundlage für eine Anklage geboten. Darin habe sie den Drogenkonsum und sexuelle Handlungen als freiwillig beschrieben.

US-Medien veröffentlichten inzwischen jedoch Auszüge aus Polizeibefragungen, in denen die Frau zwischen anfänglich einvernehmlichen Handlungen und späteren Übergriffen unterscheidet. Dabei soll sie ausdrücklich gesagt haben, sie sei vergewaltigt worden. Van Houten sagte gegenüber CBS, das betreffende Befragungsprotokoll habe er nie gesehen. Der Anwalt der Frau erklärt ihre anfänglichen Äusserungen mit Scham als Reaktion auf das Trauma.

Mussten die Männer wirklich nur Aufsätze schreiben?

Diese Darstellung weist Cornell zurück. In der Klage heisst es, die Beschuldigten hätten durch das Einreichen von Aufsätzen mildere Konsequenzen erreichen können. Die Universität erklärt dagegen, Aufsätze seien bei keinem der Beschuldigten die einzige Konsequenz gewesen. Es habe auch Suspendierungen und Ausschlüsse von der Universität gegeben. Laut dem Anwalt der Klägerin wurden zwei der Beteiligten ausgeschlossen.

Die Studentenverbindung «Chi Phi» wurde 2024 geschlossen und bleibt vom Campus ausgeschlossen. Der Dachverband erklärte zudem, die beschuldigten Mitglieder ausgeschlossen zu haben.

Wie geht es jetzt weiter?

Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden wieder aufgenommen. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul setzte Generalstaatsanwältin Letitia James als Sonderermittlerin ein. Sie begründete den Schritt mit fehlendem Vertrauen in die bisherige Strafverfolgung. Eine Grand Jury soll anhand der Beweise entscheiden, ob Anklage erhoben werden kann.

Cornell habe ausserdem einer unabhängigen externen Untersuchung zugestimmt. Die Universität bestreitet, die Vorwürfe unzureichend untersucht oder die Beteiligten nicht sanktioniert zu haben.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Carolin Teufelberger

Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

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