Scheuer weist Vorwurf der Falschaussage zurück
Der Prozess gegen Ex-CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer beginnt. Ihm wird vorgeworfen, im Maut-Untersuchungsausschuss die Unwahrheit gesagt zu haben.
21.09.2026 | 1:10 minDer frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat den Vorwurf, er habe im Zusammenhang mit der gescheiterten Pkw-Maut falsch ausgesagt, zurückgewiesen. Scheuer sagte zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Berlin:
Ich habe vor dem Untersuchungsausschuss nicht die Unwahrheit gesagt. (...) Ich habe mich so geäußert, wie es meiner Erinnerung entsprach.
Andreas Scheuer, früherer Bundesverkehrsminister
Die Staatsanwaltschaft wirft Scheuer laut der am Montag verlesenen Anklage vor, 2020 und 2021 bei Befragungen des Ausschusses zu den Abläufen rund um die Mauteinführung gelogen zu haben. Scheuer war von 2018 bis 2021 Bundesverkehrsminister. In dem Untersuchungsausschuss ging es um die Frage, ob die hohen Kosten für die gescheiterte Maut vermeidbar gewesen wären.
Gab es ein Angebot für eine spätere Vertragsunterzeichnung?
Laut Anklage soll das Bieterkonsortium, das die Maut erheben sollte, in einem Gespräch im November 2018 angeboten haben, die Vertragsunterzeichnung bis zu einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu verschieben. Dort war damals eine Klage gegen die Maut anhängig.
Der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wurde im Mai wegen des Vorwurfs der Falschaussage im Zusammenhang mit der gescheiterten Pkw-Maut angeklagt.
29.05.2026 | 3:03 minIm Juni 2019 wurde die Maut tatsächlich durch den EuGH gestoppt, woraufhin der Bund die Verträge für die Pkw-Maut kündigte. Dies zog Forderungen nach Schadenersatz nach sich. Der Bund verpflichtete sich in einem Schiedsgerichtsverfahren zu einer Zahlung von 243 Millionen Euro.
Staatsanwaltschaft glaubt Scheuer nicht
Scheuer und sein damaliger Staatssekretär Gerhard Schulz, der ebenfalls angeklagt ist, wurden daraufhin zweimal im Untersuchungsausschuss befragt, im Oktober 2020 und im Januar 2021. Es ging auch damals schon um die Frage, ob die Bietergemeinschaft bei dem Gespräch 2018 eine Verschiebung angeboten habe.
Sowohl Scheuer als auch Schulz gaben an, sich an ein solches Angebot nicht erinnern zu können. Dies wertet die Staatsanwaltschaft als "falsche uneidliche Aussage".
ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Nicole Diekmann mit einer Einordnung der Vorwürfe gegen Scheuer.
29.05.2026 | 0:57 minScheuer: Kein Vermerk in den Akten
Bei ihrer Haltung blieben die Angeklagten auch zum Prozessauftakt am Montag. Er sei überzeugt, dass es ein solches Angebot nicht gegeben habe, betonte Scheuer. Über Jahre hätten sich hunderte Fachleute mit dem Projekt befasst und detaillierte Berechnungen angestellt, sagte Scheuer.
Ich hätte mir nie angemaßt, eine fachliche Detailthematik anzusprechen oder mich ins laufende Vergabeverfahren einzumischen.
Andreas Scheuer, früherer Bundesverkehrsminister
Auch in den Akten fänden sich keinerlei Hinweise auf ein Angebot, die Vertragsunterzeichnung zu verschieben, betonte Scheuer. Ein solches wäre sicherlich vermerkt und weitergegeben worden, "wenn es mehr als nur eine Bemerkung gewesen wäre".
Scheuer: "Total überrascht" über gerichtlichen Maut-Stopp
Er selbst habe keine Notwendigkeit gesehen, auf die EuGH-Entscheidung zu warten, sagte Scheuer. Er habe darin kein Risiko gesehen. Über die Entscheidung sei er "total überrascht" gewesen.
Aus dem Archiv: Scheuer stand vor dem Untersuchungsausschuss zur Pkw-Maut unter enormem Druck, erklärte damals ZDF-Korrespondentin Shakuntala Banerjee.
01.10.2020 | 22:38 minAuch Schulz wies die Vorwürfe zurück. In dem Gespräch, an dem nur er selbst, der Minister und die beiden Vertreter des Bieterkonsortiums teilgenommen hätten, sei es vor allem um ein persönliches Kennenlernen gegangen. Über die EuGH-Entscheidung sei nicht gesprochen worden, betonte Schulz. Hätte es ein Verschiebeangebot gegeben, hätte er dies sicherlich weitergegeben.
Für den Prozess gegen Scheuer und Schulz sind zunächst zwölf Verhandlungstage bis zum 25. November angesetzt. Als Zeugen sollen unter anderem die Vertreter der Bietergemeinschaft vernommen werden.
Quelle: AFP
Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 21.09.2026 ab 14:00 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.