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Wednesday, September 30, 2026

Hunderte wollen Sébastien nach «brutaler Entlassung» zurück

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  • Ein Freiburger wurde nach 38 Jahren bei Swisscom entlassen, nachdem er seine Nachbarin in einen Shop in Bulle begleitet hatte.
  • Eine Online-Petition fordert seine Wiedereinstellung und zählt bereits über 530 Unterschriften.
  • Der Bundesrat hält sich aus dem Fall heraus und verweist darauf, nicht in einzelne Personalentscheide einzugreifen.

Sébastien Perriard wollte seiner 83-jährigen Nachbarin bei einem Abo-Problem helfen. Doch nach dem gemeinsamen Besuch im Swisscom-Shop erhielt er die Kündigung – nach 38 Dienstjahren, weil er sich im Ton vergriffen haben soll. Nun erlebt er eine Welle der Solidarität.

Wiedereinstellung von Perriard gefordert

«Wir, Bürgerinnen, Bürger und Kunden von Swisscom, bringen unsere tiefe Empörung über die brutale Entlassung von Herrn Sébastien Perriard zum Ausdruck», heisst es in einer Online-Petition. Sie fordert, den Freiburger wieder einzustellen und die Verkaufsmethoden in den Swisscom-Shops intern zu überprüfen, um besonders schutzbedürftige Kundinnen und Kunden besser zu schützen. Vier Tage nach dem Start haben bereits mehr als 530 Menschen unterschrieben.

Ein User kommentiert: «Als ich ebenfalls bei Swisscom angestellt war, hatte ich ein ausgezeichnetes Arbeitsverhältnis mit Sébastien. Deshalb fällt es mir sehr schwer, die Gründe für seine Kündigung nachzuvollziehen.» Aus seiner Sicht sei Perriard immer «sehr hilfsbereit und engagiert» gewesen. «Deshalb überrascht es mich nicht, dass er aus guten Gründen eine Nachbarin in den Swisscom-Shop in Bulle begleitet hat, um eine Situation zu klären, die für mich nach wie vor undurchsichtig ist.»

Der Freiburger ist von der Welle der Solidarität gerührt.

Der Freiburger ist von der Welle der Solidarität gerührt.Marie-Lou Dumauthioz/Tamedia

«Ich bedanke mich herzlich bei allen.»

Sébastien Perriard

Der Zuspruch aus der Schweiz und dem Ausland gibt Perriard Kraft. Dass sich auch Fremde für ihn einsetzen, bewegt ihn: «Dadurch fühle ich mich nicht alleine. Ich bedanke mich herzlich bei allen.» Die Unterstützung bestärkt ihn darin, sich gegen die Kündigung zu wehren: «Fremde Leute kämpfen gegen die Ungerechtigkeit, die Bevölkerung steht hinter mir.»

Besonders berührt ihn der Kommentar seines früheren Arbeitskollegen. «Dass mein alter Kollege nach Jahren ohne Kontakt heute so etwas schreibt, wärmt mir das Herz», sagt er gegenüber 20 Minuten. Es freue ihn, dass er seinen Kolleginnen und Kollegen so positiv in Erinnerung geblieben sei.

Bundesrat hält sich raus

Der Fall beschäftigt inzwischen auch die Politik: Der Waadtländer SP-Nationalrat Benoît Gaillard wandte sich in der Fragestunde an den Bundesrat. Er wollte wissen, ob eine Kündigung nach fast 40 Jahren ohne vorherige Verwarnung mit der «modernen und sozialen Personalpolitik» vereinbar sei, die der Bundesrat von Swisscom verlangt.

In seiner Antwort vom Montag hält sich der Bundesrat zurück: Der konkrete Fall sei ihm nicht bekannt. Er überprüfe jährlich, ob Swisscom die strategischen Ziele erfülle – bei der Personalpolitik sei dies 2025 der Fall gewesen. In das operative Geschäft und damit auch in einzelne Personalentscheide greife er jedoch nicht ein.

«Gibt es ein Problem bei der Swisscom?»

Gaillard erklärt sein Engagement für den Freiburger so: «Wir können es nicht zum Normalfall werden lassen, dass insbesondere Unternehmen in Staatsbesitz Mitarbeitende nach so vielen Dienstjahren wegen eines Fehlers entlassen.»

Die Antwort des Bundesrats bezeichnet er als «inhuman». «Ich hätte zumindest erwartet, dass man sagt, man fordere grundsätzlich einen respektvollen Umgang mit den Mitarbeitenden.» Damit will er sich nicht zufriedengeben: Mit einer Interpellation möchte er nachhaken und die Frage stellen: «Gibt es ein Problem bei der Swisscom?» Gaillard begründet dies so: «Es ist nicht das erste Mal, dass ich von einem unrechtmässigen Umgang beim Telekommunikationsunternehmen höre.»

Wie es zur Kündigung kam

Anfang Jahr begleitete Perriard seine 83-jährige Nachbarin in einen Swisscom-Shop in Bulle. Nach seiner Darstellung hatte sie dort Produkte gekauft, die sie nicht benötigte. Er wollte ihr helfen, diese zurückzugeben. Um das Gespräch mit dem Filialleiter zu erleichtern, stellte er sich als Swisscom-Mitarbeiter vor.

Der Besuch hatte Folgen: Der Filialleiter beschwerte sich intern über Perriards Ton – einen Vorwurf, den dieser bestreitet. Sein Vorgesetzter leitete die Beschwerde an die Personalabteilung weiter. Nach einem ersten Gespräch erhielt der 54-Jährige einige Wochen später die Kündigung. Damit endete seine 38-jährige Laufbahn bei Swisscom.

Trotzdem möchte Perriard zurück an seinen Arbeitsplatz. «Sie waren 38 Jahre lang korrekt zu mir. Aber das ist ein Vorfall, der so nicht hätte passieren dürfen», sagte er gegenüber 20 Minuten. Dass er seiner Nachbarin geholfen hat, bereut er nicht: «Ich habe keine Fehler gemacht – aber ich würde einen anderen Swisscom-Shop wählen.»

Wie beurteilst du die Kündigung von Sébastien Perriard nach 38 Jahren bei Swisscom?

Zoé Stoller

Zoé Stoller (sto) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten und ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Regionen.

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