«Man fragt sich, was sie davon haben – das ist Wahnsinn»

- Hacker haben in der Nacht auf Montag Kühltruhen in Supermärkten in sieben europäischen Ländern lahmgelegt.
- Sie schalteten die Anlagen per Fernzugriff in den Abtaumodus, die Temperaturen stiegen auf bis zu 50 Grad.
- Eine Delhaize-Filiale in Belgien musste Ware für rund 60’000 Euro wegwerfen.
- Coop in der Schweiz registrierte Angriffsversuche, die laut dem Unternehmen erfolglos blieben.
Hacker haben in der Nacht auf Montag Kühlregale und Tiefkühltruhen in Supermärkten in sieben europäischen Ländern lahmgelegt. Betroffen sind Läden in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden. Die Täter schalteten die Anlagen aus der Ferne in den Abtaumodus, die Temperaturen stiegen auf bis zu 50 Grad. Schon im Oktober traf es hunderte Läden in Frankreich. In der Schweiz registrierte Coop Angriffsversuche, die laut dem Unternehmen aber erfolglos blieben.
«Das ist Wahnsinn»
Besonders hart traf es den ICA-Laden im schwedischen Sjöbo. «Die Tiefkühlware ist kaputt. Es geht um Lebensmittel im Wert von mehreren hunderttausend Kronen», sagt Ladenchef Rickard Nilsson zur Zeitung «E24». «Es ist bitter, es ist verdammt, es ist tragisch. Man fragt sich, was sie davon haben. Das ist Wahnsinn.» Ein anderer ICA-Markt machte aus der Not eine Aktion: «Tiefkühlausfall, alles im Gefrierfach zum halben Preis.»
60’000 Euro im Müll
Auch in Belgien landete jede Menge Essen im Abfall. In der Delhaize-Filiale in Hoepertingen kletterte die Temperatur in der Nacht auf 50 Grad. «Die Absicht war, die Temperatur auf 50 Grad zu treiben, aber ich war schnell da», sagt Betreiber Gerte Bouchet zur Zeitung «Het Belang van Limburg». Trotzdem musste Ware für rund 60’000 Euro weg. In einem Delhaize in Gent wurde laut «Het Nieuwsblad» «alles aus der Kühlzone weggeworfen». Laut «HLN» gibt es Fälle mit bis zu 100’000 Euro Schaden.
In Irland räumte die Kette Supervalu in 13 Filialen sämtliche Kühl- und Tiefkühlprodukte aus den Regalen. «Unser Überwachungssystem hat uns alarmiert, und wir haben sofort reagiert», sagt ein Sprecher der Besitzerin Musgrave.
EU-Kommission «zutiefst» besorgt über Cyberattacken auf Supermärkte
Die EU-Kommission verfolgt die Hackerangriffe auf Kühlanlagen in Supermärkten in Europa mit grosser Sorge. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach am Montag von einem «bewussten Versuch, unsere Lebensmittelkette zu unterbrechen und das Vertrauen der Verbraucher in sie zu untergraben». Das wiederholte Auftreten dieser Cyberangriffe sei «zutiefst besorgniserregend». Die Angriffe würden «sehr ernst» genommen, erklärte Hansen weiter. Gleichwohl sei die Lebensmittelsicherheit in Europa derzeit nicht gefährdet. (DPA)
«Ein Massaker»
Wie schlimm es werden kann, zeigte der Angriff in Frankreich im Oktober. Auf der Branchenseite «Je bosse en grande distribution» berichteten Angestellte anonym von chaotischen Szenen. «Wir mussten alles wegwerfen», schreibt eine Mitarbeiterin von Carrefour Market. Eine Intermarché-Angestellte zählt auf: «Alle Tiefkühlprodukte im Müll, das gesamte Fleisch und auch die Bäckerei.» Bei Monoprix waren es «über 40 Grad in der Tiefkühlabteilung». Ein Angestellter der Kette U meint nur: «Ein Massaker.»
Auch Kunden staunten. «Ich fragte mich, warum der Super U in meiner Stadt das gesamte Tiefkühlgut leer geräumt hatte», schreibt einer. Der Chef von Coopérative U, Dominique Schelcher, findet klare Worte: «Das ist inakzeptabel.»
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Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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