The Jerusalem PostIDF to equip combat engineering vehicles with Iron Fist active protection against anti-tank threatsRTP DesportoJato privado de Cristiano Ronaldo viaja este domingo para RiadeESPNThe only MLB playoff preview you need: World Series odds, likely MVPs and how far all 8 remaining teams will goCNN TürkInstagram, Facebook, Whatsapp... Meta uygulamaları ile toplu operasyona mı maruz kalıyoruz?Daily MaverickTHE LOWLY NEWSPAPERMAN: Zoo Lake a microcosm of the grating littering scourge across SA’s public parksPunchChelsea made me better player, leader — Azpilicueta한겨레외솔 최현배 선생 고향 울산, ‘한글도시’ 말만 10여년째InquirerNorthern Mindanao cops net P5.1-M shabu in consecutive bustsZDF heuteAktuelle Pressemitteilungen des ZDFVanguardImo police locate abducted NYSC members’ camp, IED threat delays rescuePremium TimesHow Tinubu ran Nigeria during four-week trip abroad – ShettimaThe Sydney Morning Herald‘It’s my job, but I am nervous’: Andrew Johns’ grand final dilemma
The Daily Newsstand · Free, Always
Sunday, October 4, 2026

«Boomerang Kids» – Mit Mitte 30 zurück im Kinderzimmer – geht das gut?

Translate

Als Vanessa vom Einzug bei ihren Eltern erzählt, ist sie kaum zu bremsen: «Achtung, Achtung, da ist eine Scheibe. Und Achtung, das geht kaputt! Ah, du lässt es fallen!» Bei jedem Handgriff haben Vanessas Eltern einen Rat oder Kommentar parat. Auch beim Einräumen des Kleiderschranks weiss die Mutter, was wie aufgehängt, gebügelt und gewaschen werden muss.

Ihre Eltern seien direkt wieder in alte Muster gefallen. «Ich habe mir schon gedacht, dass man wieder in alte Rollen rutschen kann. Aber dass es so schnell passiert, hätte ich nicht erwartet», sagt Vanessa.

Lächelnde Person in einem pinken Kleid steht in einem gut beleuchteten Raum mit Regalen im Hintergrund.
Legende: Vanessa arbeitete lange im Detailhandel, heute macht sie als Quereinsteigerin eine Ausbildung zur Pflegefachfrau in der Psychiatrie. SRF/Mauro Flühler

16 Jahre lang hat Vanessa nicht mehr bei ihren Eltern gewohnt. Sie hat einen eigenen Haushalt geführt, war verheiratet und Stiefmutter von zwei Teenagern. Mit Mitte 30 krempelt sie ihr Leben um, trennt sich von ihrem Mann und beginnt eine Ausbildung zur Pflegefachfrau. Ein Jahr lang lebt Vanessa während der Ausbildung allein.

Doch finanziell geht das nicht auf: Ende Monat ist sie regelmässig im Minus. Selbst ein Restaurantbesuch mit Freundinnen liegt kaum noch drin. Ohne den finanziellen Druck wäre sie «ziemlich sicher» nicht zu ihren Eltern zurückgezogen, sagt Vanessa heute.

Ich habe mir schon gedacht, dass man wieder in alte Rollen rutschen kann. Aber dass es so schnell passiert, hätte ich nicht erwartet.

Auf die Idee, zu den Eltern zurückzugehen, bringt Vanessa eine Kollegin. Zuerst winkt sie ab. «Das geht doch nicht. Ich kann nicht einfach wieder ins Kinderzimmer.» Doch der Gedanke lässt Vanessa nicht mehr los. Schliesslich sucht sie mit ihren Eltern das Gespräch.

Das Ganze ist schnell entschieden: Die Katze bleibt beim Ex-Mann, Partys darf sie bei den Eltern keine machen und hin und wieder wird gemeinsam gegessen. Vier Wochen später zieht Vanessa in ihr altes Zimmer, aus dem sie mit 19 ausgezogen ist.

Anders läuft es bei Marut.

Maruts Weg zurück zu den Eltern beginnt mit seinem Traum, Rettungssanitäter zu werden. Erst für diese Ausbildung zieht er von zu Hause aus und bezieht in Zürich ein WG‑Zimmer. Doch am Ende des zweiten Ausbildungsjahrs fällt der heute 33-Jährige durch die alles entscheidende Wiederholungsprüfung: «Als ich aus dem Prüfungsraum kam, war mir klar: Ich will nur noch nach Hause gehen, weinen und alles sacken lassen.»

Der geplatzte Traum belastet Marut. Und auch sonst macht er eine schwierige Zeit durch. Seine Eltern sehen das – und ermutigen ihn, häufiger nach Hause zu kommen. Schliesslich zieht er wieder ganz bei seinen Eltern ein. Es sei für seine psychische Gesundheit «unglaublich hilfreich» gewesen, jederzeit zurückkehren zu können, sagt Marut heute.

Vanessa und Marut gehören zu den sogenannten Boomerang Kids: Erwachsene, die nach einem Auszug wieder zu ihren Eltern zurückkehren. Eine Auswertung des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2018 zeigt: Rund jede fünfte bereits ausgezogene Person zwischen 15 und 39 Jahren hat später nochmals mindestens sechs Monate bei den Eltern gewohnt.

Warum die Befragten zurückkehrten, wurde nicht erhoben. Die Geschichten von Vanessa und Marut zeigen, dass finanzielle Engpässe, Trennungen oder persönliche Krisen eine Rolle spielen können. In die BFS-Zahl kann aber auch eine Rückkehr nach einem Sprachaufenthalt fallen.

Wenn alte Rollen zurückkehren

In der WG war Marut fürs Einkaufen, Kochen und Waschen selbst verantwortlich. Doch nun erledigen viele dieser Dinge wieder Mutter und Vater. Es sei «schon ein bisschen wie im ‹Hotel Mama›», sagt Marut. Und auch wenn er sein Zimmer und Bad selbst putzen muss – manchmal braucht es doch den Hinweis seiner Mutter, dass es wieder einmal nötig wäre.

Die Familie habe sich zu Beginn schon wieder «zusammenraufen» müssen, sagt Maruts Mutter. Anfangs habe er noch eher selbst gekocht und gewaschen. Mit der Zeit habe er diese Aufgaben wieder ihr überlassen.

Eltern bleiben die Eltern, die Kinder bleiben die Kinder der Eltern.

«In diese klassische Rolle rutscht man automatisch wieder hinein», meint Marut. Der Familientherapeut Jürgen Feigel sagt dazu: «Eltern bleiben die Eltern, die Kinder bleiben die Kinder der Eltern.» Es sei schwierig, nicht wieder in alte Rollen zu fallen.

Eltern wollten helfen und unterstützen – das sei eingeprägt. Schon ein «Wann kommst du nach Hause?» könne aber Konflikte auslösen. Und anders als in einer WG hätten im Elternhaus die Eltern das Sagen. Eine Einliegerwohnung könne helfen, sich räumlich ein Stück zu trennen. Sonst sei es «eine grosse Herausforderung».

Während Marut bei seinen Eltern Kraft tanken kann, hat Vanessa mehr mit dem Zusammenleben zu kämpfen. Kommt sie nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause, zieht sie sich oft gleich ins Badezimmer zurück. Dieses befinde sich gleich neben dem Hauseingang und sei ein guter Zufluchtsort, um den Fragen der Eltern aus dem Weg zu gehen.

Zum ersten grösseren Konflikt kommt es in der Weihnachtszeit, als es Vanessa zum Backen in die Küche zieht. Ihre Mutter habe ihr ständig hereingeredet und Tipps gegeben, wie sie den Teig noch besser machen könne. Für Vanessa sind die Ratschläge nur schwer zu ertragen. «Ihr müsst mich einfach machen lassen», habe sie ihren Eltern gesagt. Heute gehe sie dem Kochen aus dem Weg.

Einem Kind sagst du ja auch, wenn du etwas nicht richtig findest.

Vanessas Stiefvater Bernard kann ihren Ärger über solche Ratschläge nicht ganz nachvollziehen. Vanessa habe ihm einmal gesagt: «Ich habe schliesslich einen Haushalt geführt, ich weiss, wie das geht.» Da frage er sich schon, ob er denn gar nichts mehr sagen dürfe.

Ganz darauf verzichten will Bernard trotzdem nicht. Für ihn steckt dahinter auch eine alte Gewohnheit: «Einem Kind sagst du ja auch, wenn du etwas nicht richtig findest.» Es seien eigentlich gut gemeinte Ratschläge.

Auch bei der Wäsche schleichen sich rasch wieder alte Rollen ein. Anfangs wäscht Vanessa ihre Kleider noch selbst. Inzwischen übernimmt das wieder ihre Mutter und stellt ihr den Wäschekorb vor das Zimmer. «Genau wie damals, als ich ein Teenager war», sagt Vanessa.

Klare Absprachen und eigene Pläne

Das Zusammenleben ist auch für die Eltern ein Balanceakt. Vanessas Stiefvater betont etwa, dass auch seine Frau und er auf gewisse Dinge verzichten müssten. So wohnt Vanessa nun in dem Zimmer, das ihre Eltern vorher als Gästezimmer genutzt haben. Sie können jetzt also nicht mehr so spontan jemanden zum Übernachten einladen wie vorher.

Vanessa geniesse viele Freiheiten, es gebe aber auch Regeln – diese habe man vor dem Einzug miteinander abgemacht. «Es kommt jemand retour, der sein eigenes Leben geführt hat – das kann man hier nicht einfach vollziehen. Darum gibt es gewisse Regeln», so Vanessas Stiefvater Bernard.

Jürgen Feigel empfiehlt Eltern, ihre Kinder zu fragen, in welchen Bereichen sie Unterstützung benötigen. Gleichzeitig sollten sie ihnen auch etwas zutrauen. Damit das Zusammenleben funktioniere, brauche es klare Absprachen, verbindliche Regeln und Respekt vor der Autonomie beider Seiten.

Kritisch werde es, wenn Zukunftsziele fehlten oder ein Leben ohne die Hilfe der Eltern kaum noch möglich sei. Dann könne professionelle Unterstützung sinnvoll sein. Wichtig sei auch, so Feigel, dass man möglichst vor dem Einzug abmache, wie lange das Zusammenleben dauern soll.

Früher oder später werde ich hier wieder ausziehen und selbstständig sein.

Marut hat mit seinen Eltern keinen fixen Auszugstermin abgemacht. Derzeit arbeitet er als Disponent. Und er plant einen Auslandseinsatz im Schweizer Militär. Wie genau es weitergeht, ist bislang nicht klar. Doch er will ausdrücklich nicht für immer zu Hause bleiben. «Früher oder später werde ich hier wieder ausziehen und selbstständig sein», sagt er.

Für Marut bedeutet das Leben bei den Eltern nicht nur Halt, sondern auch Freiheit. Es nimmt ihm finanziellen Druck und erlaubt ihm, sein Leben so zu leben, wie er möchte.

Vanessa will spätestens nach der Ausbildung eine eigene Wohnung suchen. Denn als ihr eigenes Zuhause empfindet Vanessa das Haus ihrer Eltern nicht mehr.

Früher sagte ich: ‹Mama und Papa haben keine Ahnung.› Mittlerweile weiss ich: Sie wissen schon, wie es läuft.

Trotzdem sei sie froh, zu ihren Eltern gezogen zu sein. Das Zusammenleben habe ihr Verhältnis zu ihnen verbessert. So habe sie gemerkt, dass sie mit ihnen heute auch über ernste Themen sprechen könne: «Früher sagte ich: ‹Mama und Papa haben keine Ahnung.› Mittlerweile weiss ich: Sie wissen schon, wie es läuft.»

Und heute weiss sie schon: Wenn sie einst wieder ausgezogen sei, werde sie den Alltag ihrer Eltern wieder weniger mitbekommen. Daran werde sie sich auch wieder gewöhnen müssen.

Zwei Personen im Garten mit Pflanzen, eine lächelt, die andere arbeitet.
Legende: SRF

Bei Vanessa und Marut war der Einzug bei den Eltern nicht vorgesehen. Es gibt jedoch auch Erwachsene, die sich bewusst und langfristig für das Zusammenleben mit ihren Eltern entscheiden. Mehr dazu gibts in der rec.-Reportage «Mit 34 wieder bei Mama einziehen – Drama vorprogrammiert?» zu sehen.

View the original on SRF News →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.