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Wednesday, October 28, 2026

Femizid von Arlinda: «Wir fordern Gerechtigkeit vom Kosovo»

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  • Arlinda Zekaj (49) ist bei Peja im Kosovo tot aufgefunden worden, nachdem sie mehrfach Hilfe bei Behörden gesucht hatte.
  • Verdächtigt wird ihr Schwager A.S.*, der festgenommen wurde; für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
  • Unter #JusticeForArlinda fordern Schweizerinnen mit kosovarischen Wurzeln Aufklärung und Konsequenzen.

«Muss J.* mich erst töten, damit ihr ihn festnehmt?», sind laut Protokoll der Polizeiwache im kosovarischen Peja einer der letzten Worte von Arlinda Zekaj (49). Wenige Stunden später wurde sie tot aufgefunden.

Mutmasslich umgebracht von ihrem Schwager A.S. Zekaj hatte dessen Bruder, ihren von ihr getrennt lebenden Ehemann J.S., an diesem Abend wegen Drohungen und Gewalt angezeigt.

«Hoffe nicht, dass der Tag kommt, an dem ihr Rechenschaft ablegen müsst»

Laut weiteren lokalen Berichten und Protokollen ersuchte Zekaj seit Juli die Polizei mehrfach um Hilfe. Neun Tage vor ihrem Tod sprach ihr ein Gericht eine sechsmonatige Schutzanordnung zu: J. durfte sich ihr nicht mehr als zwei Meter nähern. Arlinda durfte das gemeinsame Haus in Peja wieder nutzen und erhielt vorläufig die Obhut für ihren Sohn.

Drei Tage vor der Tat begleitete die Polizei Zekaj erstmals zum gemeinsamen Haus. Der Zutritt gelang wegen verschlossenen Türen nicht. Nach Arlindas Darstellung hielten sich dort Angehörige ihres Ehemanns auf, darunter ihr Schwager A.S.* Die Behörden schätzten die Rückkehr deshalb als Gefahr für ihr Leben ein. Noch am selben Tag schrieb Zekaj der Staatsanwaltschaft: «Ich hoffe, dass der Tag nicht kommt, an dem Sie und die verantwortlichen Institutionen erst nach meinem Tod Rechenschaft ablegen müssen.»

Nach der Rückkehr war sie tot

Am Tag ihres Todes ging sie nach einer Auseinandersetzung erneut zur Polizei. Ihr getrennter Ehemann wurde für 48 Stunden festgenommen. Zekaj lehnte laut Staatsanwaltschaft einen Platz im Frauenhaus ab und kehrte zu ihrem Sohn und ihrem gemeinsamen Haus zurück. «Der Staat hat die Pflicht, die Besetzer aus meinem Haus zu entfernen», sagte Zekaj laut Polizeiprotokoll. Wenige Stunden später wurde sie dort tot aufgefunden.

Am Montag wurde ihr Schwager A. festgenommen. Die Polizeiinspektion und die Staatsanwaltschaft prüfen mögliche individuelle und institutionelle Versäumnisse.

Protokoll von Arlindas Femizid

Der Fall bewegt auch die Schweiz

Der Tod von Arlinda Zekaj beschäftigt den Kosovo – und löst auf Social Media auch in der Schweiz eine Welle aus. Unter #JusticeForArlinda fordern Schweizerinnen mit kosovarischen Wurzeln Aufklärung und Konsequenzen.

Rinesa (23) aus Luzern sieht im Fall mehr als ein mögliches Behördenversagen. Als Seconda vergleiche sie den Kosovo oft mit der Schweiz und frage sich, wie viele Tragödien verhindert werden könnten, wenn Gesetze konsequent umgesetzt würden. Gewalt in Partnerschaften werde noch immer zu oft verharmlost oder als Privatsache behandelt. «Es darf niemals als normal gelten, dass eine Frau von ihrem Partner geschlagen, kontrolliert oder herumkommandiert wird», sagt sie. Neben wirksamen Gesetzen brauche es ein gesellschaftliches Umdenken – und Erziehung zu Respekt, Gleichberechtigung und Gewaltfreiheit.

Tina (26) aus dem Aargau fordert sichere Rückzugsorte und Unterstützung für bedrohte Frauen. «Wir müssen im Kosovo über solche Themen sprechen, statt sie einfach totzuschweigen.» Sie erwartet eine unabhängige Untersuchung und Konsequenzen bei festgestellten Versäumnissen.

Auch Arbijona (20) aus Solothurn will keine parteipolitische Debatte. «Egal, wer regiert: Die Frauen, die zu Hause Gewalt erleben, leiden darunter.» Frauen in Spitzenämtern seien wichtige Vorbilder, sagt sie. Doch: «Sichtbarkeit an der Spitze ersetzt keinen Schutz zu Hause.» Ihr Fazit: Gesetze und Schutzmechanismen müssten endlich greifen. «Wenn jeder sagt: Dafür bin ich nicht zuständig, ist am Ende niemand verantwortlich.»

Arbijona (20) aus Solothurn fordert, dass Schutzgesetze im Kosovo konsequent umgesetzt werden.

Arbijona (20) aus Solothurn fordert, dass Schutzgesetze im Kosovo konsequent umgesetzt werden.Privat

*Name der Redaktion bekannt

Thomas Sennhauser

Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.

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