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Tuesday, October 27, 2026

Vor «nöd so deep» und «peak» – «Würd mi» ist das erste Schweizer Jugendwort des Jahres

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«I muess ga nachesitze.» – «Boah, würd mi.» Etwa so kann man jugendsprachlich reagieren, wenn das Gegenüber etwas Unangenehmes oder Lästiges machen muss. «Würd mi» ist die Kurzform von «das würde mich nerven». Es wurde zum allerersten Jugendwort des Jahres der Deutschschweiz gekürt.

Gewählt hat das Wort eine 10-köpfige Jury von 14- bis 19-jährigen Jugendlichen. Nach «würd mi» folgt auf Platz zwei der Ausdruck «nöd so deep», was so viel bedeutet wie «nicht so ernst». Den dritten Rang belegt der Anglizismus «peak» (super, grossartig), der auch in Deutschland in die Top drei gewählt wurde.

Grundlage für die Wahl waren Vorschläge von 13- bis 20-jährigen Jugendlichen aus der ganzen Schweiz. Der Deutschschweizer Jury stand eine Liste mit 140 Wortkandidaten zur Auswahl. Daraus kürten die Jugendlichen die Plätze eins bis drei. Die Ausdrücke, die ihrer Meinung nach die Jugendsprache der Deutschschweiz am besten reflektieren.

Forschende und Studierende des Departements für Angewandte Linguistik der ZHAW begleiteten die Jurysitzung, doch der Entscheid war den Jugendlichen überlassen.

Nicht gewählt werden konnten Eigennamen, abfällige Begriffe oder Ausdrücke, die als politische Stellungnahme aufgefasst werden können. Erwünscht war ausserdem ein Bezug zur Schweiz. Zu vermeiden waren Wörter, die bereits in anderen Ländern zum Jugendwort gewählt wurden.

Es ist das erste Mal, dass die Schweiz eigene Jugendwörter kürt. Organisiert hat die Wahl die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die seit 2017 auch die Wahl des Schweizer Wortes des Jahres verantwortet.

Bewusst schweizerdeutsch

Wer an Jugendsprache denkt, dürfte insbesondere an die zahlreichen Anglizismen denken, mit denen diese Sprache gespickt ist. Umso überraschender ist es, dass mit «würd mi» die Wahl auf einen schweizerdeutschen Ausdruck gefallen ist. Ein Bezug zur Schweiz war zwar wünschenswert, der Jury aber nicht vorgeschrieben.

Dass das Schweizer Jugendwort einen solchen Schweiz-Bezug aufweist, war den Jugendlichen ein Anliegen. «Am Siegerwort gefällt mir, dass es ein schweizerdeutscher Ausdruck ist», so ein Jury-Mitglied. «‹Würd mi› hat keine Chance, das deutsche Jugendwort des Jahres zu werden. Deshalb ist es wirklich cool, dass wir ein schweizerdeutsches Wort gewählt haben.»

«Würd mi» überzeugte die Jury ausserdem, weil es im Alltag vielfältig eingesetzt werden könne.

Platz 1: goumin (Liebeskummer)
«Goumin» verweist auf Liebeskummer oder Gefühlsschmerz. Der Begriff kommt ursprünglich aus dem Nouchi, einem ivorischen Slang. Zunächst haben westafrikanische Personen, die in Frankreich leben, den Ausdruck verbreitet. Danach geriet er über die sozialen Medien in Umlauf.

Platz 2: pain (attraktive Person)
«Pain» bedeutet eigentlich «Brot», doch in der französischen Jugendsprache ist damit eine besonders attraktive Person gemeint. Auch dieser Ausdruck kommt aus dem ivorischen Nouchi. Er spielt auf die appetitliche Seite von frischem Brot an – eine attraktive Person ist eben zum Anbeissen.

Platz 3: battle d'aura (Kampf um Aura)
«Aura» bezieht sich in den sozialen Medien auf das Charisma oder die Ausstrahlung einer Person. Bei einem «battle d'aura» (Kampf um Aura) geht es darum, zu beweisen, wer am meisten Stil hat und das Publikum am meisten von sich überzeugen kann.

Auch Anglizismen in Schweizer Jugendsprache

Anglizismen sind aber durchaus auch in der Schweizer Jugendsprache präsent, wie Platz zwei («nöd so deep») und drei («peak») widerspiegeln. Mit «nöd so deep» drücken Jugendliche aus, dass eine Situation nicht so ernst sei. Der englische Ausdruck «not that deep» wird zur Hälfte ins Schweizerdeutsche übersetzt. Dies zeigt, wie selbstverständlich Jugendliche Anglizismen in ihren Sprachgebrauch integrieren.

Auch «peak» kommt aus dem Englischen und bedeutet eigentlich «Gipfel» oder «Höhepunkt». Jugendliche nutzen den Ausdruck «peak» im Sinne von «super», «grossartig» oder «mega». Beispielsweise: «Das isch peak luschtig gsi.» Dem Ausdruck begegnet man insbesondere auch in den sozialen Medien. Dort wird «peak» auch ironisch nach einem Missgeschick verwendet.

Platz 1: aura (Charisma)
«Aura» beschreibt in der Jugendsprache das Charisma einer Person. Jugendliche verwenden den Begriff auf spielerische Weise: Für positives Verhalten gibt es Aura-Punkte zu gewinnen. Passiert einem etwas Peinliches, verliert man Aura-Punkte. «Aura» wurde 2024 zum Jugendwort des Jahres in Deutschland gewählt.

Platz 2: chill (entspann dich)
«Chill» verweist in der Jugendsprache auf Ruhe und Gelassenheit. «Stai chill» (sei chill) meint beispielsweise «entspann dich». Der englische Ausdruck «chill» bedeutet wörtlich übersetzt «kalt».

Platz 3: crazy (verrückt, krass)
«crazy» heisst auf Deutsch «verrückt» oder «wahnsinnig». Jugendliche kommentieren damit meist unerwartete Ereignisse, beeindruckende Leistungen oder auch Überraschendes. «Crazy» wird meist positiv verwendet. Jugendliche unterstreichen damit ihre Begeisterung oder ihr Staunen.

Vier Jugendwörter für die viersprachige Schweiz

Die ZHAW verantwortete nebst der Wahl für das Deutschschweizer Jugendwort des Jahres auch jene aus den weiteren Sprachregionen der Schweiz. Für jede Landessprache gab es eine eigene Jury aus Jugendlichen. In der französischsprachigen Schweiz fiel die Wahl auf «goumin» (Liebeskummer). Für die italienischsprachige Schweiz wurde «Aura» (Charisma einer Person) gewählt und im Rätoromanischen «bursa» (ironisch für Trottel).

Jugendliche nehmen die Welt anders wahr als Erwachsene, sprechen über eigene Themen und in einer eigenen Sprache. Die erste Wahl der Schweizer Jugendwörter fängt nun explizit die Perspektive und Ausdrucksweise Schweizer Jugendlicher ein.

Platz 1: bursa (ironisch für Trottel)
Wer als «bursa» bezeichnet wird, wird auf ironische Weise als ein Trottel beschimpft. Das rätoromanische Wort ist auf Deutsch bezeichnet wörtlich ein Portemonnaie. «Bursa» sei ein einzigartiges Jugendwort des Rätoromanischen. Es bedeute in keiner anderen Sprache das Gleiche.

Platz 2: lascha cuschinar el (lass ihn machen)
Das englische «let him cook» verwenden Jugendliche, um zu sagen, dass man jemanden nicht unterbrechen solle, auch wenn das, was die Person macht, etwas kurios aussieht. «Lascha cuschinar el» ist die rätoromanische Übersetzung.

Platz 3: spido (schnell)
«Spido» leitet sich vom englischen Wort «speed» ab und bedeutet «schnell». Oft romanisieren rätoromanischsprachige Jugendliche deutsche oder englische Wörter.

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