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Wednesday, September 16, 2026

Ist der Verkehr durch Hormus wirklich wieder normal?

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Hört man auf Donald Trump, herrscht auf der umkämpftesten Wasserstrasse der Welt wieder Normalität. Amerika und Iran mögen zwar erneut aufeinander schiessen, doch die «Ölmengen durch Hormus sind wieder da», erklärte der Präsident am 3. September. Seiner Aussage zufolge passieren inzwischen 18 Millionen Barrel pro Tag die Meerenge – nur knapp unter dem Vorkriegsdurchschnitt von 20 Millionen. Vizepräsident J. D. Vance sagt, Irans Kontrolle über Hormus sei «faktisch verschwunden».

«Eine grosse Lüge», entgegnet Mohsen Rezaei, Irans ranghöchster Sicherheitsbeamter. Er beziffert die täglichen Durchfahrten auf sieben oder acht Schiffe – weit weniger als die 30 bis 40, die Trumps Lager behauptet. Auch Schiffsdatenanbieter sind skeptisch: Kpler, ein Datenunternehmen, verzeichnete in der Woche bis zum 30. August ein Verkehrsvolumen von weniger als 5 Millionen Barrel pro Tag. Selbst das Joint Maritime Information Centre, das mit der amerikanischen Marine verbunden ist, kann seine Zählung von fast 30 täglichen Durchfahrten nicht mit den einstelligen Zahlen in Einklang bringen, die unabhängige Beobachter üblicherweise melden.

Keine der beiden Seiten habe einen grossen Anreiz, ihre Berechnungsgrundlagen offenzulegen, erklärt Shahin Iraninejad von GSSI, einem Beratungsunternehmen für Länderrisiken. Amerika wolle die Wähler davon überzeugen, dass sich die Millionen von Dollar, die es täglich für die Eskorte von Tankern im Golf ausgibt, auszahlen; Iran wolle den Eindruck erwecken, die Meerenge unter Kontrolle zu haben, auch wenn zunehmend mehr Öl hindurchgelangt. Doch die Realität zählt. Je stärker die Exporte aus dem Golf gedrosselt werden, desto mehr müssen Importeure auf ihre Reserven zurückgreifen oder andernorts höhere Preise für Öl bieten; Brent-Rohöl liegt erstmals seit Juli wieder über 100 Dollar je Barrel. Wer also liegt näher an der Wahrheit?

Keine klaren Antworten

Die Wahrheit ist schwer zu erkennen, weil die meisten Tanker die Meerenge inzwischen mit ausgeschalteten Transpondern durchqueren, um nicht zur Zielscheibe zu werden. Einige senden zwar Signale, doch weitverbreitete Funkstörungen trüben das Bild. Andere manipulieren ihre eigenen Funkgeräte, um einen falschen Standort vorzutäuschen. Die meisten Durchfahrten finden zudem nachts statt, ausserhalb der Sicht von Satelliten. Erschwerend kommt hinzu, dass Öl aus dem Golf oft den Besitzer wechselt, bevor es die Hohe See erreicht: Eine Handvoll Unternehmen – staatseigene Reedereien aus den Golfstaaten, das südkoreanische Unternehmen Sinokor und griechische Eigner wie Dynacom – wickeln den Grossteil des Verkehrs ab. Sie transportieren Öl durch die Meerenge und übergeben die Ladung anschliessend ausserhalb davon heimlich an andere Schiffe.

Daher erschliessen Tankerzähler die Durchfahrten rückwirkend: Sie verfolgen Beladungen und Entladungen und achten auf Schiffe, die aus dem Golf verschwinden, nur um ausserhalb davon wieder aufzutauchen, erklärt Pamela Munger von Vortexa, einem weiteren Anbieter von Schiffsdaten. Durchfahrten werden oft erst mit Verzögerung bestätigt. Die ersten Zahlen sind daher am besten als Untergrenze zu verstehen und werden nach oben korrigiert, sobald weitere Durchfahrten sichtbar werden. Kpler erhöhte kürzlich seine Schätzung für die Woche bis zum 10. August auf 7,2 Millionen. Barrel pro Tag, gegenüber einer ursprünglichen Berechnung von 4,7 Millionen.

Screenshot vom 10. September von einer Seite, auf der die Position von Schiffen nachverfolgt werden kann. Noch immer sind Ansammlungen von Tankschiffen (in rot) vor und nach der Strasse von Hormus sichtbar, was auf eine eingeschränkte Passierbarkeit hindeutet.

Screenshot vom 10. September von einer Seite, auf der die Position von Schiffen nachverfolgt werden kann. Noch immer sind Ansammlungen von Tankschiffen (in rot) vor und nach der Strasse von Hormus sichtbar, was auf eine eingeschränkte Passierbarkeit hindeutet.Screenshot/Marinetraffic.com

Geht man für den gesamten August von einer ähnlich starken Untererfassung aus, könnte Kplers endgültige Schätzung zum Monatswechsel dem Sieben-Tage-Durchschnitt von 9 Millionen Barrel pro Tag nahekommen, den Chris Wright, Amerikas Energieminister, am 6. September nannte. Ein Teil der Differenz liegt in den Definitionen: Was gilt als Öl – nur Rohöl oder auch Ölprodukte? Wo verläuft die Zähllinie – an der Meerenge oder im Golf von Oman? Und wann wird ein Barrel zeitlich erfasst – bei der Beladung, bei der Durchfahrt oder beim Wiederauftauchen? Kommerzielle Datenanbieter wie Kpler und Vortexa legen ihre Methodik offen; Regierungsvertreter tun das nicht und bevorzugen vermutlich weit gefasste Definitionen.

Neue Wege und neue Gefahren

Das erklärt Trumps 18 Millionen Barrel pro Tag jedoch noch immer nicht. Vielleicht hat er sich einen aussergewöhnlichen Tag herausgepickt: Seit März hat Vortexa, selbst wenn alle denkbaren Ölprodukte mitgezählt werden, nur zwei Tage mit mehr als 16 Millionen Barrel erfasst. Oder vielleicht hat er Exporte einbezogen, die die Meerenge inzwischen vollständig umgehen. Seit Februar leitet Saudi-Arabien mehr Rohöl durch seine Ost-West-Pipeline und steigert damit die Exporte von seinen Häfen am Roten Meer um eins bis drei Millionen Barrel pro Tag; die Vereinigten Arabischen Emirate haben rund eine Million Barrel pro Tag über eine Pipeline nach Fudschaira umgeleitet. Rechnet man in einem günstigen Zeitfenster noch Lieferungen aus dem Oman hinzu, könnten die Umgehungsrouten auf fünf Millionen Barrel pro Tag kommen.

So oder so ist die Zahl wenig aussagekräftig. Die Schiffsbewegungen schwanken stark, daher sind Wochendurchschnitte aussagekräftiger als tägliche Zählungen. Die jüngsten wechselseitigen Angriffe sowie iranische Drohungen gegen Tanker, die Rohöl durch die Meerenge transportieren, hätten die Durchfahrten in den vergangenen Tagen drastisch eingeschränkt, stellt John Ollett von Argus Media, einer Preisberichtsagentur, fest. Am 8. September zählte Kpler nur acht Durchfahrten, gegenüber 23 eine Woche zuvor. Auch Angriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen auf Schiffe und saudische Ziele haben die Lieferungen durch das Rote Meer verlangsamt.

Die Houthis haben angekündigt den Schiffsverkehr in der Bab-el-Mandab-Strasse einschränken zu wollen.

Die Houthis haben angekündigt den Schiffsverkehr in der Bab-el-Mandab-Strasse einschränken zu wollen.AFP

Das deutet auf eine ernüchternde Realität für Trump: Der bisherige Verkehr durch Hormus lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu, weil Fortschritte rasch wieder zunichtegemacht werden können. Keine noch so grosse amerikanische PR-Offensive hat die Versicherungsprämien für die Durchquerung von Hormus unter zehn Prozent des Schiffswerts gedrückt – vor dem Krieg lagen sie im Schnitt bei 0,25 Prozent. Selbst wenn Minen aus Teilen der Meerenge geräumt worden sind, wie Trump behauptet, können sie von anderswo hineintreiben, und Iran kann neue legen. Irans Streitkräfte verfügen zudem weiterhin über erhebliche Kapazitäten, Tanker anzugreifen.

Die Ölmärkte zeigen bereits Anzeichen von Anspannung. North Sea Dated, ein kurzfristiger Referenzpreis für Rohöl, nähert sich 110 Dollar pro Barrel, nachdem er im Juni noch bei 70 Dollar lag. Diesel hat in Amerika und Europa die Marke von 190 Dollar pro Barrel überschritten – nahezu doppelt so viel wie im Februar. Trump kann noch so sehr einen Datenkrieg führen. Entscheidend ist, wie viele Importeure die von ihnen bestellten Barrel erhalten.

The Economist

Von Economist.com, übersetzt von 20 Minuten, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist auf www.economist.com verfügbar.

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