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Sunday, September 13, 2026

Banken, Behörden, Bewerbungen: KI-Apps eröffnen Chancen - doch nicht alle können sie nutzen

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Banken, Behörden, BewerbungenKI-Apps eröffnen Chancen - doch nicht alle können sie nutzen

12.09.2026, 16:20 Uhr

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Mithilfe von KI lassen sich nicht nur Schreiben erstellen, sondern auch besser verstehen. (Foto: dpa-tmn/Nico Tapia)

Fast alle reden von KI. ChatGPT, Claude, Copilot und Co können praktische Helfer im Alltag sein. Gerade Menschen, denen die Apps eine Erleichterung brächten, drohen allerdings abgehängt zu werden.

Ein Behördenbrief, eine Bewerbung oder ein Online-Formular können für Millionen Erwachsene in Deutschland zur Hürde werden. Digitale Technologien und KI versprechen ihnen neue Unterstützung - vorausgesetzt, sie können sich die nötigen Geräte leisten und mit ihnen umgehen.

Fast jeder fünfte Erwachsene in Deutschland kann nicht gut lesen und schreiben. Rund 10,6 Millionen Menschen zwischen 16 und 65 Jahren sind trotz langjährigen Schulbesuchs nicht in der Lage, einfache Texte zu erfassen oder zu formulieren. Das ergab die Auswertung einer OECD-Studie an der Universität Hamburg. Für die internationale Vergleichsstudie PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) wurde 2022/23 in 31 Ländern unter anderem untersucht, wie gut Erwachsene Texte verstehen und Informationen daraus nutzen. In Deutschland nahmen rund 4800 Menschen teil.

Das Ergebnis: Hochgerechnet Millionen Erwachsene hierzulande haben große Schwierigkeiten mit komplexeren Texten, wie sie in Behördenbriefen, Arbeitsverträgen oder digitalen Formularen üblich sind. Sie leben in einer Gesellschaft, die sich zunehmend digitalisiert: Behörden stellen auf Onlineportale um, Banken schließen Filialen, Arbeitgeber verlangen digitale Bewerbungen. Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen drohen verstärkt abgehängt zu werden.

Künstliche Intelligenz und digitale Technologien eröffnen in diesem Umfeld aber auch neue Möglichkeiten. Smartphones lassen sich per Sprachbefehl bedienen. Vorlesefunktionen bringen E-Mails, Nachrichten oder Behördenbescheide direkt ins Ohr. Apps erkennen mithilfe der Kamera Texte auf Bildern, beschreiben Objekte oder identifizieren sie.

Für Menschen mit geringer Lesekompetenz wird die digitale Welt dadurch leichter zugänglich. Ein Brief vom Finanzamt muss nicht mehr allein entziffert werden - eine Vorlese-App liest ihn vor. Auch fremdsprachige Texte lassen sich direkt übersetzen und vorlesen. Und wer auf eine Mail antworten will, kann sich von KI-Assistenten unterstützen lassen.

Neben Chancen auch Risiken

KI und Smartphones helfen allerdings vor allem denjenigen, die sie besitzen und nutzen können. Einer OECD-Erhebung von 2023 zufolge können sich gerade Menschen mit geringen Lese- und Schreibfähigkeiten seltener Smartphones oder Datentarife leisten. Zudem erhalten sie weniger Unterstützung beim Erlernen digitaler Fähigkeiten.

Der OECD-Bericht zu digitalen Kompetenzen deutet auf einen sich selbst verstärkenden Zusammenhang zwischen Bildungs- und digitaler Benachteiligung hin: Wenn Geräte, Internetzugang und Unterstützung fehlen, werden Lernchancen ungleich verteilt.

Die Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Anke Grotlüschen sagt: "Gering literalisierte Erwachsene sind von Computernutzung stärker ausgeschlossen als höher literalisierte Menschen. Zugleich verwenden sie Smartphones und zum Beispiel Sprachnachrichten genauso oft oder sogar etwas häufiger als höher literalisierte Menschen." Zusammen mit Kollegen in Hamburg und Mannheim hat Grotlüschen die PIAAC-Daten mit Blick darauf ausgewertet, wie digitale Geräte im Arbeits- und Privatleben genutzt werden.

Daten- und Verbraucherschützer kritisieren einige der digitalen Alltagshelfer: So speichern etwa Assistenten wie Siri, Alexa oder der Google Assistant Sprachschnipsel, werten das Nutzungsverhalten aus und übermitteln Daten an Unternehmensserver. Nicht nur Menschen mit Leseschwäche stimmen den komplizierten und langatmigen Einverständniserklärungen für solche Apps und Anwendungen vielfach unbedacht zu, ohne den vollen Umfang der Datenerfassung zu verstehen.

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