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Wednesday, October 14, 2026

Nord-Stream-Prozess: Held oder Kriegsverbrecher?

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Im Oktober 2026 findet am Oberlandesgericht Hamburg der erste Nord-Stream-Prozess in Deutschland statt. Eine ukrainische Sabotage-Crew soll die Pipelines 2022 von der Andromeda aus vermint haben.

13.10.2026 | 27:33 min

Vier Jahre nach der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines beginnt vor dem Oberlandesgericht Hamburg ein Prozess, der weit über die Frage individueller Schuld hinausreicht. Staatliche Stellen der Ukraine sollen die Sabotage beauftragt und gesteuert haben, so schreibt es der Generalbundesanwalt in seiner Anklage, die ZDF frontal einsehen konnte. Mit Serhii K. sitzt nun erstmals ein mutmaßlicher Beteiligter auf der Anklagebank - er soll die Anschläge koordiniert haben.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 50-jährigen Ukrainer unter anderem verfassungsfeindliche Sabotage und Kriegsverbrechen vor. Sein Anwalt Nicola Canestrini dementiert gegenüber ZDF frontal:

Er hat gesagt, er hätte damit nichts zu tun. Oder besser gesagt, er wäre zum Zeitpunkt der Sprengung in der Ukraine gewesen.

Nicola Canestrini, Anwalt von Serhii K.

Ehemaliger Kanzleramtschef zur Nord-Stream-Ermittlung

Serhii K. könnte der erste verurteilte Kriegsverbrecher im russischen Angriffskrieg sein. Für viele Ukraine-Unterstützer sind die Nord-Stream-Verdächtigen dagegen Patrioten, die im Abwehrkampf gegen Russland gehandelt haben.

Zur Zeit des Pipeline-Anschlags war Wolfgang Schmidt (SPD) erster Berater des damaligen Bundeskanzlers. Schmidt ließ sich als Kanzleramtschef zu den Nord Stream Ermittlungen detailliert informieren: "Für uns, also für den Kanzler, für mich, war von Anfang an klar, dass das eine strafrechtliche Sache ist", betont Schmidt im Interview mit ZDF frontal.

Das war unsere klare Prämisse: keine Beeinflussung, kein Verzögern, aber auch kein Steuern dieser Ermittlungen.

Wolfgang Schmidt, Chef des Bundeskanzleramts 2021-2025

Der Ukrainer Serhii K. ist wegen Sprengung der Nord-Stream-Pipelines angeklagt. Sein Anwalt Nicola Canestrini erklärt im ZDF-frontal-Interview, warum er an einen Freispruch für K. glaubt.

25.07.2026 | 5:22 min

Die Rekonstruktion: Eine Segelyacht und sieben Patrioten

Im Zentrum der Sabotage steht die Segelyacht "Andromeda". Die Bundesanwaltschaft ist sich sicher, dass "die Sprengsätze (...) im Zuge von Tauchgängen an den Pipelines angebracht wurden, die von Bord der Segelyacht 'Andromeda' aus durchgeführt wurden".

Die Rekonstruktion der Ermittler zeichnet das Bild einer professionell geplanten Operation - mit patriotischen Ukrainern in den Hauptrollen. Sieben Tatverdächtige sollen zur Andromeda-Crew gehört haben. Unter ihnen sollen drei Taucher, eine Taucherin, ein Segelprofi und zwei Soldaten gewesen sein.

Sie sollen sechs Sprengsätze an den Pipelines angebracht haben. Mittels Zeitzünder explodierten die Bomben am 26. September 2022 und rissen drei der vier Pipelines bis zu mehrere hundert Meter auf.

Die Sabotage an den Gas-Pipelines von Nord Stream in der Ostsee birgt immer wieder neuen politischen Sprengstoff. Jetzt schlägt eine verdächtige Segelyacht hohe Wellen.

14.03.2023 | 11:18 min

Hätte die Explosion verhindert werden können?

Brisant ist die Frage, ob der Anschlag hätte verhindert werden können. Monate vor den Explosionen erhielt der niederländische Militärgeheimdienst Hinweise auf ein geplantes Kommando ukrainischer Täter, die von einem Boot aus die Nord-Stream-Pipelines angreifen wollten. Die Warnung gelangte später über die CIA auch nach Deutschland. Doch die für Mitte Juni 2022 angekündigte Tat fand zunächst nicht statt, der Zeitpunkt verstrich.

Wolfgang Schmidt, der damals die deutschen Nachrichtendienste koordinierte, verteidigt den Umgang der Dienste mit der Meldung: Wenn ein Hinweisgeber einen konkreten Zeitpunkt nenne und das Ereignis ausbleibe, liege die Schlussfolgerung nahe, dass die Information nicht besonders glaubwürdig sei.

Ich jedenfalls habe bis zu dem Anschlag von solchen Hinweisen nichts gewusst. Die haben mich nicht erreicht.

Wolfgang Schmidt, Chef des Bundeskanzleramts 2021-2025

Im Fall der Nord-Stream-Anschläge wurde ein weiterer Verdächtiger gefasst. Der ukrainische Taucher wurde in Kroatien festgenommen und soll nach Deutschland ausgeliefert werden.

19.08.2026 | 3:14 min

Der entwischte Taucher

Neben dem Angeklagten Serhii K. gibt es einen zweiten Verdächtigen, der bald vor Gericht stehen dürfte. Der Ukrainer Wolodymyr Zhuravlev soll als Taucher die Bomben an die Pipelines angebracht haben. Er entkam deutschen Ermittlern mehrfach.

Zhuravlev wurde in Kroatien festgenommen und sitzt dort in Auslieferungshaft, dürfte aber bald nach Deutschland überstellt werden, eine Anklage dann folgen.

"frontal" berichtete immer wieder über den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines vom September 2022. Jetzt wurde ein mutmaßliche Attentäter in Kroatien festgenommen.

25.08.2026 | 1:29 min

Die Hintermänner und die Frage: Was wusste Selenskyj?

In dem Prozess gegen Serhii K. dürfte es auch um die Hintermänner gehen. Drahtzieher soll laut deutscher Ermittlungserkenntnisse Roman Tscherwinskyj sein, ein ukrainischer Geheimdienstler und Sabotage-Spezialist. In abgehörten Telefonaten erwähnt Serhii K. während seiner Haft einen "Roman".

Tscherwinskyj wiederum will eine Beteiligung nicht kommentieren. Auf Anfrage von ZDF frontal reagierte er nicht. Dem "Spiegel" sagte er aber:

Serhij stand zum damaligen Zeitpunkt unter meinem Kommando. Er hat alle Aufträge unserer Einheit ausgeführt und sich nicht unerlaubt von der Truppe entfernt.

Roman Tscherwinskyj, ukrainischer Geheimdienstler

Taucher in Kroatien verhaftet

:Was über den Nord-Stream-Verdächtigen Zhuravlev bekannt ist

Ein Verdächtiger hinter der Nord-Stream-Sabotage wurde in Kroatien verhaftet. Er steht seit Jahren im Ermittler-Fokus. Dem Taucher droht nun die Auslieferung nach Deutschland.

von Nils Metzger, Christian Rohde

mit Video3:14

Vladimir Zhuravlev

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat stets bestritten, von der Sprengung gewusst oder sie gar beauftragt zu haben. Wolfgang Schmidt hält das für glaubwürdig. Er habe "keinerlei Hinweise, dass das vom Präsidenten oder aus dem Umfeld des Präsidenten angeordnet, gesteuert, gewusst worden ist". Zur Wahrheit von Kriegen und von angegriffenen Staaten gehöre, dass einzelne Akteure der Ansicht sein könnten, selbst handeln zu müssen.

Der Prozess in Hamburg geht weit über die Schuldfrage von Serhii K. hinaus. Verhandelt wird auch die politische Aufarbeitung des Nord-Stream-Anschlags.

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