Huthi-Blitzoffensive: Wer ist schuld?

- Die Huthi-Rebellen haben in einer Blitzoffensive die gesamte jemenitische Küste unter ihre Kontrolle gebracht.
- Damit kontrolliert die Miliz nun auch die Meerenge Bab al-Mandab – ein zentrales Nadelöhr für den Welthandel zwischen Europa und Asien.
- USA und Saudi-Arabien schieben sich gegenseitig die Schuld zu: Trump lehnte Luftschläge ab, saudische Kräfte waren laut Quellen nicht in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden.
Vier bis fünf Wochen: Mit diesem Zeitrahmen rechnete US-Präsident Trump Anfang März 2025 noch für den Krieg mit dem iranischen Regime. Jetzt, 27 Wochen später, ist der Nahe Osten weiterhin weit entfernt von Frieden. Zuletzt hat sich im Konflikt nochmals eine neue Front aufgetan: Innert weniger Tage gelang es den im Jemen ansässigen Huthi-Rebellen, die gesamte Küste unter ihre Kontrolle zu bringen – mit weitreichenden Folgen.
Das ist passiert
Die Huthi-Rebellen beherrschen bereits seit über zehn Jahren weite Teile des Nordjemens. Die Miliz, die von diversen Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA und auch der international anerkannten jemenitischen Regierung als Terrorgruppe eingestuft wird, hat zuletzt aber in einer Blitzoffensive die gesamte Küste des Landes unter ihre Kontrolle gebracht.
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Das sind die Auswirkungen
Damit kontrollieren die Huthi-Rebellen faktisch auch die Meerenge Bab al-Mandab. Sie gilt als eine Art kleiner Bruder der im Zuge des Konflikts oft thematisierten Meerenge von Hormus. Bab al-Mandab liegt auf dem kürzesten Schifffahrtsweg zwischen Europa und Asien und ist deshalb für den Waren- und Rohstoffverkehr von grosser Bedeutung. Passierten vor der Offensive im Schnitt noch 47 Schiffe täglich das Nadelöhr, sind es derzeit nur noch 37. An einzelnen Tagen sind die Engpässe noch deutlich grösser.
Wer hätte die Huthis stoppen sollen?
Theoretisch ist es Aufgabe des jemenitischen Militärs, gegen die seit Jahrzehnten rebellierende Miliz vorzugehen. «Die» jemenitische Armee gibt es aber nicht wirklich – die Streitkräfte sind im Gegensatz zu den Huthi-Rebellen viel weniger zentral organisiert und bestehen aus diversen staatlichen und lokalen Gruppierungen, die sich auch immer wieder selbst bekämpfen.

Faktisch sind es seit Jahren vor allem die Streitkräfte von Saudi-Arabien, die gegen die Huthi-Kämpfer vorgehen. Dabei zählt der Golfstaat auch auf die Unterstützung seines mächtigen Verbündeten am anderen Ende der Welt – wurde zuletzt aber enttäuscht.
Das sagen Quellen im Jemen
Gegenüber CNN berichtet eine Quelle mit Verbindungen zu den jemenitischen Streitkräften, dass die USA lange Zeit Unterstützung versprochen haben, diese aber nie gekommen sei. Als man angesichts der Huthi-Grossoffensive beim US-Centcom, der Kommandostelle des US-Militärs für den Nahen Osten, Alarm geschlagen habe, habe Washington saudische Luftunterstützung angekündigt. «Aber diese kam nie, und Mokka ist jetzt gefallen», so die Quelle mit Verweis auf die Einnahme der wichtigen Hafenstadt durch die Huthi-Kämpfer.
Das sagt Saudi-Arabien
Die saudi-arabische Regierung hat sich bislang nicht offiziell zum Ausbleiben der Luftschläge geäussert. Laut einer Quelle seien einige Streitkräfte des Landes aber schon vor drei Wochen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden – nicht aber etwa das Personal des Luftwaffenkommandos. Dadurch hätten die nötigen Ressourcen gefehlt, um im Falle eines Grossangriffs reagieren zu können. «Die Saudis haben die Jemeniten im Stich gelassen», fasst es die Quelle gegenüber CNN zusammen.
Das sagt die US-Regierung
Wie eine weitere Quelle gegenüber dem US-Sender berichtet, habe der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman am Donnerstag, als die Offensive bereits lief, zwei Mal mit dem US-Präsidenten telefoniert und ihn dazu gedrängt, Luftschläge auf die Huthi-Vorstösse zu fliegen. Trump habe diesen Bitten aber eine Absage erteilt, so die Quelle. Später liess das Weisse Haus verlauten, dass man weiterhin «im Dialog mit Saudi-Arabien und der Regierung der Republik Jemen» stehe, um die regionale Stabilität zu sichern. Hinter den Kulissen sind die Spannungen laut der Quelle aber deutlich grösser – es handle sich um einen «saudi-amerikanischen Reinfall epischen Ausmasses».
So feiert der Iran die Offensive
Ein Berater von Modschtaba Chamenei, dem obersten Führer des Iran, beschrieb die Huthi-Offensive am Freitag als einen «klaren Sieg». Die US-amerikanische Bevölkerung und Washingtons Verbündete würden nun den Preis für die wirtschaftliche Krise und Trumps Ziele zahlen. Ein Analyst geht derweil davon aus, dass die Kämpfer der Miliz weiter in Richtung Osten vorstossen werden. «Wir sehen auf Satellitenbildern, dass die Huthis weiter mobilisieren», sagt er zu CNN.
Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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