«Die Schweiz ist das beste Land der Welt, ganz ehrlich»

- Die Aargauer Brüder Estevan (44) und Alejandro (36) Gutiérrez feiern als Hermanos Gutiérrez weltweit Erfolge mit instrumentaler Gitarrenmusik.
- Fans wie Brad Pitt und Ryan Gosling gehören zu ihren Bewunderern – Konzerte in Genf und Zürich sind bereits ausverkauft.
- Trotz Weltruhm schätzen die beiden den Schweizer Familienalltag: «Die Schweiz ist das beste Land, ganz ehrlich», sagt Estevan.
Ohne den Familienalltag in der Schweiz wäre der Welterfolg der Aargauer Brüder Estevan (44) und Alejandro (36) Gutiérrez unmöglich. «Ich kann mich nirgends so erholen wie hier, bei meiner Familie. In der Migros einkaufen oder die Kinder von der Schule abholen. Das ganz normale Leben, das liebe ich, da tanke ich auf. Ohne diese Phasen könnte ich das Tourleben nicht aushalten», erklärt der einstige Primarlehrer Estevan im Interview mit dem «Tages-Anzeiger».
Die Konzerte von Hermanos Gutiérrez sind international mittlerweile so schnell ausverkauft, dass selbst Hollywood-Stars mehrere Anläufe brauchen, um Tickets zu ergattern. Estevan und sein jüngster Bruder begeistern mit ihrer Gitarrenmusik Millionen Menschen wie etwa Brad Pitt (62) oder Ryan Gosling (45) – doch sie hadern mit ihrem Ruhm.
«Es ist schön, wenn wir mit unserer Musik den Menschen so Freude machen. Aber ich mag es generell ruhiger», sagt der ehemalige Barista Alejandro, der in einer Kaffeebar am Zürcher Paradeplatz arbeitete, bevor seine Musikkarriere Fahrt aufnahm.
Ihre Schweizer Tugenden helfen ihnen im grossen Musikgeschäft
Aufgewachsen sind die Brüder mehrheitlich bei ihrer ecuadorianischen Mutter in Zofingen AG, nachdem ihr Schweizer Vater ausgezogen war. «Wir sind Schweizer, aber wir waren immer ein bisschen zwischen den Welten. Zum Teil haben wir uns hier nicht wirklich als Schweizer gefühlt. Und dann das Gleiche in Ecuador», sagt Alejandro dem «Tages-Anzeiger».
Nun leben sie beide Seiten: Auf der Bühne spielen sie Musik mit grossem südamerikanischem Einfluss, daneben führen sie ihr Unternehmen ganz schweizerisch. Es gehe ja nicht nur ums Musikmachen, die Brüder seien auch eine Firma. Sie seien immer pünktlich beim Soundcheck und gingen nie betrunken auf die Bühne. «Das ist der Schweizer in uns, wir sind gern zuverlässig und pflichtbewusst. Ich liebe es, dass ich ein Bünzli bin. Die Schweiz ist das beste Land, ganz ehrlich», sagt Estevan. Das schätzten alle, die mit ihnen zusammenarbeiten. Beigebracht habe ihnen das ihr Vater.
Ihr Erfolgsrezept? «Wir hatten einfach Glück»
Welche Energie seine Familie und die Schweiz in ihm entfacht, zeigte er zuletzt beim Auftritt an den Winterthurer Musikfestwochen im August, als Estevans Kinder im Publikum waren. «Sorry, dass ich so viel rede, normalerweise mach ich das nie. Aber irgendwie sprudelt es heute aus mir raus», entschuldigte sich der Musiker beim Publikum.
Für ihn und Alejandro schloss sich an diesem Abend ein Kreis. Es war ihr dritter Auftritt an den Musikfestwochen. Jedes Mal zogen sie mehr Menschen an, bis sie nun als Headliner auf der grössten Bühne spielen konnten.
Zwar haben die Brüder jeweils zwei Mikrofone bei sich auf der Bühne, die brauchen sie jedoch nur in Ausnahmefällen, um etwas zu sagen und nicht etwa, um zu singen. Hermanos Gutiérrez sind berühmt geworden, weil sie ohne Text Geschichten erzählen und ihr Publikum mit zwei Gitarren auf Weltreise mitnehmen: durch die Wüste, den Weltraum und nun mit ihrem neuen Album durch die Anden. Ihre Platte haben sie dem ecuadorianischen Wappentier zu Ehren «Los Ojos del Cóndor (dt.: Die Augen des Kondors)» getauft.
Das Album soll vermitteln, was der südamerikanische Riesenvogel beim Überflug sieht. Die gleichnamige Single zählt allein bei Spotify bereits wieder 3,6 Millionen Aufrufe. Wieso kommt die Instrumentalmusik von Hermanos Gutiérrez so gut an?
«Wir hatten einfach Glück», sagt Alejandro dem «Tages-Anzeiger». «In der Coronazeit sind unsere Streamingzahlen stark gestiegen, ganz ohne unser Zutun. Die Menschen haben mehr Musik gehört, die nach innen resoniert. Heute sehen wir mehr Bands, die instrumentale Musik machen, es braucht nicht zwingend Text und Gesang.»
Was bedeutet dir Musik ohne Gesang wie bei Hermanos Gutiérrez?
Im Dezember spielen die Brüder zwei Konzerte in Genf und drei in Zürich, doch Plätze gibt es nur noch auf der Warteliste.
Dario Aeberli (dae), Jahrgang 1995, arbeitet seit Oktober 2023 als People-Redaktor bei 20 Minuten. Zuvor war er Lokaljournalist und beim «Migros-Magazin».
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
