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Friday, October 30, 2026

"Polizeiruf 110" im Schnellcheck: Waxen. Koksen. F***en.

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imageVon Ingo Scheel

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Eine Tote im See bringt alles ins Rollen, in Rostock ermitteln König und Böwe zwischen Privatpuff, Prostituierten und gnadenlosen Strippenziehern. "Sie haben Namen" ist schwere Kost - Wegsehen unmöglich.

Was passiert?

Petri Unheil - den Ausflug an den See vor den Toren Rostocks hatte sich die Anglerin sicher anders vorgestellt: Am Haken hängt eine weibliche Leiche. Die Frau wurde ermordet, die Wunden an ihrem Körper lassen darauf schließen, dass sie vor ihrem Tod gefoltert wurde. Für Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Melly Böwe (Lina Beckmann) ist das der Auftakt zu einer Ermittlung, bei der das gesamte Rostocker Team an die Grenzen der psychischen Belastbarkeit geht und das aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Die Spur führt ins "Golden Cherries", ein Etablissement, in dem genervte Ehemänner, Hobby-Freier und Business-Machos Dampf - einiges andere - ablassen können. Der Kopf des Unternehmens ist Heiko Mischke (Sönke Möhring), ein ehemaliger Kampfsportler, Zuhälter und Unternehmer, der sich hier auf dem Rücken vornehmlich osteuropäischer Frauen, unter ihnen auch die junge Natasha (Anastasiia Mazhara), die Koksnase vergoldet. Ihm zur Seite steht mit Bastian Hoyer (Christian Erdmann) ein ebenso skrupelloser Rechtsanwalt, als Mann fürs Grobe ist Petko (Liliom Lewald) im Einsatz. Die Vermutung, dass die Tote zu Lebzeiten im Nachtclub mit der Kirsche angeschafft hat, erhärtet sich schnell, wie aber können es König und Co. beweisen, zumal Mischke über Verbindungen bis in höchste Beamtenkreise verfügt?

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Das Ermittlerinnen-Team am Tatort: KTU-Chefin Maria (Dela Dabulamanzi, l.) und Kommissarinnen Katrin König (Anneke Kim Sarnau, M.) und Melly Böwe (Lina Beckmann, r.). (Foto: NDR/Boris Laewen)

Worum geht's wirklich?

Zunächst einmal geht es um Prostitution in Deutschland, um die Ausbeutung junger Frauen, gefangen in einem straff organisierten System, das ihnen keinerlei Rechte zukommen lässt. Prof. Dr. Julia Wege stand der Produktion mit fachlicher Beratung zur Seite. "Die wichtigste Essenz, die ich mitnehme, wenn ich ans Rotlichtmilieu denke, ist für mich die Verstrickung dieses Milieus mit Gesellschaft und Politik. Ich fand es immer interessant, wie die Verflechtungen in Bezug auf Personen des öffentlichen Lebens aussehen, die einen relativ großen Einfluss haben. Man fragt sich schon häufig, warum nicht ermittelt wird, warum es nicht mehr Kontrollen gibt, warum der Staat zu wenig macht", erklärt die langjährige Leiterin einer Beratungsstelle für Frauen in Prostitution und Professorin an der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege der RWU Ravensburg-Weingarten. "Welche Dimensionen das annehmen kann, wird in diesem Film sehr gut sichtbar, gerade in der Figur des Staatsanwalts. Aber es werden auch die Verbindungen in die vermeintlich besseren Teile der Gesellschaft deutlich. Jemand, der ein Bordell hat, besitzt häufig auch noch andere Unternehmenszweige und lässt sich in der High Society feiern."

Darüberhinaus geht es natürlich auch um die privaten Sorgen und Nöte buchstäblich aller Beteiligten. Für Böwe wird die Begegnung mit dem Staatsanwalt zur existentiellen Herausforderung, auch Katja König arbeitet sich weiterhin an ihrer Vergangenheit ab. Für Volker Thiesler (Josef Heynert) erweist sich die Rückkehr in den Dienst als äußerst belastend, Anton Pöschel (Andreas Guenther) bringt eine Herzensangelegenheit völlig durcheinander.

Wegzapp-Moment?

Nicht vorhanden. Unter der Regie von Franziska Schlotterer, nach einer Vorlage von Florian Oeller, reiht sich "Sie haben Namen" nahtlos in die Historie der so komplexen wie spannenden Rostocker "Polizeiruf 110"-Fälle ein.

Wow-Faktor?

Dass es in Rostock stimmungstechnisch bewölkt zugeht, ist nichts Neues. Die Art und Weise jedoch, wie konsequent es diesmal zur Sache geht, dürfte auch die toughesten "Polizeiruf 110"-Gucker aus der Fassung bringen. "Sie haben Namen" ist einer jener Fälle, bei deren Abspann man sich schüttelt und überlegt, ob es nicht vielleicht eine etwas entspanntere Möglichkeit gegeben hätte, um das Wochenende vor der Röhre ausklingen zu lassen. Die Fans des Rostocker Teams wissen natürlich, dass genau dieses Ausloten des Aushaltbaren die Qualität und den Unterhaltungswert der Fälle ausmacht.

Wie war's?

10 von 10 Punkten - schwere Kost nach Rostocker Art, drastisch erzählt und mit nur homöopathischer Dosis Hoffnung abgeschmeckt.

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