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Saturday, October 17, 2026

«Francesca überlebte nur, weil sie zu Boden gerissen wurde»

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  • Francesca (18) überlebte die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit schweren Verbrennungen.
  • Ihre Schwester Elisabetta (16) leidet bis heute unter Schuldgefühlen und posttraumatischem Stress.
  • Ihre Mutter Federica Invernizzi kritisiert schwere Versäumnisse in der Schweiz.

«Du hast keine Ahnung, was passiert ist – Szenen wie aus der Apokalypse.» Diese Worte ihres Ex-Mannes rissen Federica Invernizzi in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 2026 aus dem Schlaf. Er hatte sie angerufen, weil die gemeinsamen Töchter – Elisabetta und Francesca, damals 15 und 17 Jahre alt – das verheerende Feuer in der Bar Le Constellation hautnah miterlebt hatten. Sie selbst sei damals in Mailand gewesen, erzählt sie im Interview mit «Corriere della Sera». Die Katastrophe brachte 41 Menschen den Tod, 115 wurden zum Teil schwer verletzt. Darunter Francesca. Doch auch Elisabetta kämpft bis heute mit den Folgen der Nacht, so die Mutter.

Die eine Tochter war mittendrin

Während Elisabetta nur deshalb ausserhalb des Lokals blieb, weil der Türsteher sie nicht erkannte, befand sich Francesca im Untergeschoss und damit dort, wo Sprühfontänen an Champagnerflaschen um kurz vor 1.30 Uhr die Decke in Brand setzten. Beim Versuch, über die Treppe zu entkommen, wurde die heute 18-Jährige von anderen Jugendlichen zu Boden gestossen. Dabei rissen Bänder in ihrem Knie, so Federica, die als Hepatologin und Chefärztin am Spital San Raffaele in Mailand arbeitet, wo Francesca behandelt wurde.

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Die Knieverletzung habe ihr das Leben gerettet. Denn so «entging sie offenbar der unmittelbar folgenden Feuerwalze.» Sie überlebte schwer verletzt. «Sie hatte Verbrennungen zweiten Grades an 25 Prozent ihres Körpers, mit einem Bereich dritten Grades», erzählt Federica. Zudem habe sie eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitten. Wie viel Glück das Mädchen hatte, zeigt folgende Schilderung: «Ihre sehr langen Haare waren zur Hälfte verbrannt.» Zudem habe sie nur noch einen BH getragen, weil ihre Kleidung geschmolzen war. Nur die Jeans sei ihr geblieben. «Aber sie lebte. Dafür fühlen wir uns jeden Tag glücklich», so Federica. Sie nennt die Rettung ihrer Töchter ein Wunder.

Auch die kleine Tochter leidet unter PTBS

«Francesca erinnert sich nur an das, was ihr selbst widerfahren ist, aber überhaupt nicht an das, was sie umgab – die entstellten Freunde, die Körper, das Blut, die Verwüstung», berichtet die Mutter. Laut Spezialisten ist das ein Schutzmechanismus, der ihr helfe, mit dem Erlebten umzugehen. Die kleine Schwester plagten dagegen Schuldgefühle. «Während Francesca versteht, dass sie Glück gehabt hat, fühlt Elisabetta sich schuldig: Sie war draussen, während Freunde starben oder erst nach Monaten entstellt nach Hause zurückkehrten.» Die damals 15-Jährige erinnert sich an alles. «Sie leidet an posttraumatischem Stress (PTBS)», so die Mutter. «Paradoxerweise mache ich mir um sie mehr Sorgen.»

Enttäuscht von der Schweiz

Im Interview zeigt sich Federica enttäuscht von der Schweiz. «Sie war für mich das Land der Präzision, und dann kamen all diese Lücken bei Genehmigungen und Materialien ans Licht.» Sie verstehe die bürokratische Langsamkeit, «aber soweit ich es beurteilen kann, sehe ich schwerwiegende Versäumnisse.»

Trotzdem seien ihre Töchter bereits schon wieder in Crans-Montana gewesen, zusammen mit ihrem Vater, der dort ein Ferienhaus habe. «Sie wollten zurück, weil sie nicht zulassen möchten, dass das Geschehene ihre schönen Erinnerungen bestimmt.» Kalt gelassen habe die beiden die Rückkehr nicht: «Francesca war bewegt, nahm an einer Veranstaltung mit anderen Überlebenden teil und feierte ihren 18. Geburtstag mit Freunden. Elisabetta war sehr aufgewühlt und begann wieder, nachts nicht zu schlafen.»

Tragödie soll Gutes bewirken

Sie hofft aber, «dass diese Tragödie etwas Konstruktives bewirkt.» Auch im medizinischen Bereich: So würden etwa «Verbrennungen nicht angemessen als chronische Erkrankungen behandelt, obwohl sie es sind, weil sie langfristige Schäden verursachen», erklärt die Ärztin. «Die Wege der Betreuung müssten viel genauer ausgestaltet werden.»

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Fee Anabelle Riebeling

Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.

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