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Monday, November 2, 2026

Die Wahrheit: „Friedhofsrave mit anschließender Blutorgie“

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Wie kommerzialisiert man Reisen in den Tod? Das Wahrheit-Interview mit den Dark-Event-Forschern Unkel und Ark bringt Licht ins jenseitige Dunkel.

Wer zu den Koryphäen der deutschen Dark-Event-Forschung will, muss vorbei an künstlichen Spinnweben und echten Plastikskeletten. Finanziert durch einen großen Reiseveranstalter arbeiten im Hannoveraner Untergrund Professor Dieter Unkel und Doktor Detlef Ark an Erforschung und Entwicklung von Dark Events. Die Wahrheit hat exklusiv mit dem Duo gesprochen.

Prof. Unkel: Hereinspaziert – wenn Sie sich trauen! Ist Ihnen schon das flackernde Licht aufgefallen? Habe ich selbst programmiert.

taz: Ja, schön unangenehm.

Prof. Unkel: Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten? Kaffee, Cola, Schwarztee, Blutorangensaft?

taz: Nein, danke. Lassen Sie uns lieber anfangen. Herr Prof. Unkel, Herr Dr. Ark, was sind Dark Events?

Dr. Ark: Kurz gesagt sind das alle organisierten Formen des Umgangs mit Sterben und Leid wie der Dia de los Muertos in Mexiko oder das alljährliche Hotdog-Wettessen in Rotenburg. Also eigentlich alles, was Mordsspaß macht.

taz: Und wie erforschen Sie diese Dark Events?

Dr. Ark: Zunächst mal identifizieren wir sie. Wo immer auch der Tod oder seine Ausschlachtung festlich ausgeschlachtet wird, untersuchen wir das als kulturelles und soziales Phänomen.

Prof. Unkel: Und kategorisieren es nach der Präsenz des Todes oder dem Ausmaß vorhandener Tabubrüche und zugelassener Öffentlichkeit. Aktuell konzentrieren wir uns vor allem auf den Aspekt der Kommerzialisierung.

taz: Das bedeutet?

Dr. Ark: Mit den Methoden der Tourismusforschung bringen wir dahingehend Licht ins Dunkel, wie man bestehende Dark Events besser erschließen oder neue Dark Events zum Leben erwecken kann.

taz: Wie sieht das in der Praxis aus?

Prof. Unkel: Den Dia de los Muertos zum Beispiel, bei dem sehr bunt, laut und fröhlich der Verstorbenen gedacht wird, gibt es schon seit altmexikanischen Zeiten. Aufbauend auf unsere Arbeit wird auf der Anreise nun eine Bloody Mary serviert und im Deluxe Paket gibt es eine Friedhofsparty.

Dr. Ark: Zudem gibt es nur dank unserer Potenzialanalysen jetzt Glamping auf Black-Metal-Festivals oder Kaffeefahrten zum Volkstrauertag. Bestehende Dark Events sind weiterhin das Tod- und Buttergeschäft.

taz: Anders als das Event Building, das Sie im Vorgespräch erwähnt haben?

Prof. Unkel: Das ist New Business, sozusagen. Unser Team sucht zum Beispiel weltweit alte Herrenhäuser. Dann schauen wir: Wen könnte man hier auf mysteriöse Weise umbringen? In welchem Zimmer sieht der Schimmelbefall schon besonders gruselig aus? Daraus stricken wir dann passende Horrorgeschichten und setzen ein Vermarktungskonzept auf.

taz: Also eher kleine, dunkle Eventualitäten?

Dr. Ark: I wo! Unsere letzten wirklich großen Coups waren Wal Timmy – da haben wir empfohlen, ihn besonders langsam sterben zu lassen, um in der Nebensaison die Hotels an der Küste zu füllen – und natürlich die Sonnenfinsternis! Wie kriegt man eine riesige Scheibe unauffällig in die Erdumlaufbahn, welche Forscher müssen bestochen werden? Da saßen wir seit 1999 dran.

taz: Was ist Ihr liebstes Dark Event?

Prof. Unkel: Die Beerdigung meiner Schwiegermutter. Nein, Spaß. Die Begehung der Via Dolorosa. Die haben die Franziskaner vor Jahrhunderten schon bewusst touristisch ausgebaut, sie ist praktisch ein Ur-Dark-Event.

Dr. Ark: So ein richtig schöner Friedhofsrave mit anschließender Blutorgie ist für mich immer noch ein feiner Spaß.

taz: Arbeiten Sie auch an weniger friedlichen Dark Events?

Prof. Unkel: Um Satans Willen. Das überlassen wir schön der Abteilung für Forschung und Entwicklung der Illuminaten. Die sitzen übrigens unter dem „Tor zur Hölle“, diesem Dauerbrenner in Turkmenistan. Hat die Regierung extra für Touris gesperrt. Ein bisschen zu sehr on Brand, aber das haben Sie nicht von mir.

taz: Juckt es Sie nicht in den Fingern, doch mal am bösen Rad zu drehen?

Dr. Ark: Doch, schon. Kriege müssen es ja nicht gleich sein, aber an einer Menschenjagd wie bei den „Sarajevo-Safaris“ sind wir schon dran.

Prof. Unkel: Und suchen Teilnehmer.

taz: Prof. Unkel, Dr. Ark, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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