Doch der Preiswahn an der Tankstelle geht weiter

G7-Staaten zapfen Notvorrat an
Doch der Preiswahn an der Tankstelle geht weiter
Die G7-Staaten werfen 100 Millionen Barrel Öl aus ihren Notreserven auf den Markt. Das dürfte die Preise kurzfristig drücken. Die Energiekrise ist damit aber noch lange nicht ausgestanden.
Publiziert: 00:00 Uhr
Beat SchmidWirtschaftsredaktor
Die G7-Staaten haben entschieden, Öl-Notreserven im Umfang von 100 Millionen Barrel freizugeben. Damit haben sie den von Donald Trump angedrohten Exportstopp abgewendet – zumindest vorerst. Zugleich soll das zusätzliche Angebot die Preise für Rohöl und raffinierte Produkte wie Diesel, Benzin oder Heizöl drücken. An den Märkten hat die Ankündigung bereits für Entspannung gesorgt.
Wann und wie stark sich diese Preisentlastung an der Zapfsäule bemerkbar macht, wird sich zeigen. In der Schweiz sowieso. Sie gehört nicht zur G7 und profitiert von der Freigabe höchstens indirekt: über tiefere Preise an den internationalen Märkten. Hierzulande wurden die Pflichtlager bislang nicht angezapft. Dabei ist die Versorgungslage auch in der Schweiz, wie es im jüngsten Lagebericht des Bundes heisst, «sehr angespannt».
Die Lage bleibt schwierig. Zwar kann die Nutzung der Notvorräte Symptome lindern, die Ursachen der Misere werden dadurch jedoch nicht beseitigt. Wegen der Kriege im Nahen Osten und zwischen Russland und der Ukraine bleiben die Raffineriekapazitäten beeinträchtigt.
Die beste aller schlechten Massnahmen
Hinzu kommt ein grundsätzliches Problem: Die G7-Staaten greifen in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal auf ihre Notreserven zurück. Im Frühjahr gaben sie rund 300 Millionen Barrel frei. Nun folgen weitere 100 Millionen. Notreserven sind jedoch keine zusätzliche Ölquelle, sondern ein Puffer für den Ernstfall. Je häufiger man ihn beansprucht, desto kleiner wird der Spielraum für die nächste Krise. Angesichts des bevorstehenden Winters ist das riskant.
Trotzdem ist die Freigabe der Reserven in der gegenwärtigen Situation wohl die beste aller schlechten Massnahmen. Sie erhöht vorübergehend das Angebot. Das ist sinnvoller als etwa staatliche Steuersenkungen auf Treibstoffe, wie sie Deutschland beschlossen hat. Solche Entlastungen machen Benzin und Diesel künstlich billiger und schwächen damit ausgerechnet den Anreiz, weniger zu verbrauchen.
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