«Hände verbrannten in Crans-Montana»: Jetzt rappt Barber Daris

- Daris Gegic (22) überlebte die Brandkatastrophe von Crans-Montana und lag danach 16 Tage im Koma.
- Da er als gelernter Barber aufgrund seiner Verletzung seine Finger nicht mehr präzise genug bewegen kann, richtet er den Fokus nun ganz auf seine Rap-Karriere.
- Daris produziert, mixt und promotet seine Musik selbst.
Dass Daris heute wieder in seinem Musikstudio sitzt, ist alles andere als selbstverständlich. Der 22-Jährige gehört zu den Überlebenden der Brandkatastrophe von Crans-Montana.
In der Nacht auf den 1. Januar 2026 brach in der Bar Le Constellation ein Feuer aus; 41 Menschen starben. 115 wurden verletzt, viele davon schwer. Auch Daris erlitt schwere Verletzungen und musste zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden, wo er 16 Tage lang in ein künstliches Koma versetzt wurde. Heute sitzt Daris wieder in seinem Musikstudio und macht das, was er schon lange vor der Brandnacht gemacht hat: Rap.
Was von der Tragödie bleibt, zeigt sich bis heute an Daris’ Körper. Seine linke Hand hat weitgehend ihre Beweglichkeit verloren, nur Daumen und Mittelfinger kann er noch bewegen. Auch sein linker Arm, sein Nacken und sein Rücken wurden schwer verletzt. Durch die Hitze und den Rauch wurden rund 80 Prozent seiner Lunge schwer geschädigt. Zudem musste Asche aus seinen Atemwegen entfernt werden. Auch ein Luftröhrenschnitt war nötig. Sein Hörvermögen ist bis heute beeinträchtigt, die Narben an seinem Hals bleiben.
Jetzt ist ein neuer Song draussen
Mit 20 Minuten mag er aber nicht vertieft über seine Erlebnisse in der Brandnacht reden, viel lieber präsentiert er seinen neuen Song. Er rappt im Lied «Terminal – das Ende», das am Samstag releast wurde, über den tödlichen Rauch im Nachtclub.
«Möglichkeit, Dinge zu sagen, ohne sie direkt auszusprechen»
Daris Gegic aka Daka96 ist ein Selfmade-Musiker. In seinem Studio hat er eine Aufnahmekabine, ein Mikrofon, einen Computer und Kopfhörer – mehr braucht er nicht. Als er 20 Minuten in seinem Studio empfängt, sitzt Daka96 vor seinem Bildschirm und hört seinen Song immer wieder an – dann stoppt er das Lied wieder und spult zurück. Dann noch einmal: «Hier muss die Stimme lauter sein, dort stimmt ein Effekt noch nicht.» Daris ist genau – sehr genau. «Jedes Detail zählt», sagt er.
Seit ungefähr zehn Jahren macht Daris Musik. Er rappe nicht nur, er singe auch – aber vor allem sei er Lyriker und schreibe viel. «Musik ist für mich eine Möglichkeit, Dinge zu sagen, ohne sie direkt auszusprechen. Ich mag es, wenn Aussagen mehrere Bedeutungen haben.»
Statt zu reden, schreibt er Songs. Lange war Musik für Daris aber nur ein Hobby – der Beruf als gelernter Barber hatte Priorität. Seit Crans-Montana kann Daris jedoch seine Finger nicht mehr so präzise bewegen wie früher, daher will er sich nun stärker auf die Musik fokussieren, erzählt er. Heute besucht Daris jeden zweiten Tag Physio- und Ergotherapien. Sein Plan ist eine Umschulung zum Tontechniker.
Daris will alles selbst machen
Nur zu rappen, reicht ihm nicht. Daris will Songs schreiben, produzieren, mixen und mastern. Er möchte Musikvideos drehen und sich auch um die Promotion kümmern. «Ich möchte mich wirklich darin spezialisieren», sagt er. Arbeit aus der Hand zu geben, fällt ihm schwer. Nach eigenen Angaben war Daris bereits in mehreren Studios – doch oft gefiel ihm nicht, wie dort gearbeitet wurde. Also dachte er sich: «Dann mach ich es eben selbst.»
Daris will genau wissen, was mit seiner Musik passiert. Vom ersten Ton bis zum fertigen Song. Das braucht Zeit. Das weiss er. «Vielleicht brauche ich ein, zwei, drei Jahre. Vielleicht zehn Jahre, bis ich wirklich ein guter Produzent bin», sagt er. «Aber am Ende muss ein Song so sein, wie ich ihn haben will.»
Text handelt von Schmerzen nach der Brandnacht
Fast alle Ideen beginnen auf seinem Handy. Kein grosses Notizbuch, kein Stapel voller Papiere – nur sein Smartphone. «Sobald ich eine Idee habe, schreibe ich», sagt Daris. Seine Texte handeln vom Leben, von ihm selbst, von Gefühlen und Schmerzen. Doch Daris will nicht immer alles direkt aussprechen:
«Viele Dinge können auch doppeldeutig verstanden werden, etwa der tödliche Rauch. Der ist ja auch tödlich, wenn man Zigaretten raucht. Man muss das nicht zwingend aufs Le Constellation beziehen.»
Die Musik helfe ihm auch, mit dem Erlebten umzugehen. «Ob ich ein Trauma zu verarbeiten habe, weiss ich nicht, es gibt keine einfachen Antworten», meint er. Aber Musik sei immer etwas Gewinnbringendes. Er könne kreativ sein. Er lerne neue Dinge. Und er könne sich ausdrücken. Eine Zeile aus einem seiner Songs lautet etwa: «Mein Gott, es tut weh, aber ich verliere nicht den Glauben.»
Daniela Bertuzzi (dbe) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten im Ressort Regionen-Netzwerk
Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
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