Nach Rückführung aus Nigeria – Ist es riskant, Ebola-Patienten in Schweizer Spitälern zu haben?

Eine an Ebola erkrankte Schweizerin wird in den Genfer Universitätsspitälern behandelt. Sie wurde am Montag von Nigeria an den Flughafen Zürich in die Schweiz geflogen. Die Virologin Isabella Eckerle erklärt, wie man sich den Transport und den Empfang einer Ebola-Patientin vorstellen muss.
Isabella Eckerle
Virologin
Die deutsche Virologin und ausserordentliche Professorin leitet seit 2018 die Abteilung für Infektionskrankheiten der Medizinfachrichtung an den Universitätskliniken in Genf. Dort forscht sie zur Entwicklung von Zelllinien. In der COVID-19-Pandemie untersuchte Eckerle die Rolle der Kinder bei der Übertragung der Viren.
SRF News: Wie wird eine Ebola-Patientin in die Schweiz transportiert?
Isabella Eckerle: Eine Patientin kommt nicht in einem normalen Flugzeug an, sondern mit einem speziellen Transport. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel liegt sie in einer Art kleinem Zelt mit eigener Belüftung. So kann der Transport über die Bühne gehen, ohne dass ein Risiko für das mitreisende Personal besteht. In der Regel ist auch ein Arzt dabei. Die Patientin wird dann in diesem Zelt in ein spezielles Isolierzimmer transportiert. Dieses stellt sicher, dass keine Erreger nach aussen dringen. Dort behandeln sie Ärzte und Pflegepersonal in spezieller Schutzkleidung.
Ist es ein Risiko, Ebola-Patienten in einem Schweizer Spital zu haben? Müssen sich Patientinnen und Patienten Sorgen machen, wenn sie im Spital einen Stock tiefer liegen?
Nein, da müssen sie sich keine Sorgen machen. In der Schweiz gibt es zwei Zentren, die spezielle Zimmer und regelmässig trainierte Teams für solche Patienten haben: die Genfer Universitätskliniken und das Universitätsspital Zürich. Die Abläufe sind sehr gut geprobt. Da besteht kein Risiko für Mitarbeitende, andere Patienten und schon gar nicht für die allgemeine Bevölkerung.
Wir haben mit dem aktuellen Erreger noch nicht so viel Erfahrung.
Wie behandelt man eine Patientin mit Ebola?
Das Bundibugyo-Virus, das den aktuellen Ausbruch verursacht, ist nicht das Virus, das die meisten bisherigen Ausbrüche verursacht hat. Wir haben mit dem aktuellen Erreger noch nicht so viel Erfahrung. Es gibt keine spezifisch dafür zugelassene Therapie und auch noch keine Impfstoffe. Man zieht deshalb Parallelen zu anderen Ebolaviren, vor allem zum Zaire-Ebolavirus. Dieses hat den grossen Ausbruch in Westafrika ausgelöst. Infrage kommen beispielsweise Remdesivir, das die Virusvermehrung hemmt, oder monoklonale Antikörper. Das sind künstlich hergestellte Abwehrstoffe, die spezifisch an das Virus binden. Das ist alles noch in der Forschung, vieles ist ein experimenteller Einsatz.
Das Ebolavirus zählt zu den gefährlichsten Krankheitserregern weltweit und löst ein schweres hämorrhagisches Fieber aus, das je nach Virusstamm und Versorgung in rund 50 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Das Virus wird nicht über die Luft übertragen, sondern ausschliesslich durch den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten symptomatischer Patienten oder infizierter Tiere.
Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen beginnt die Erkrankung typischerweise abrupt mit grippeähnlichen Symptomen wie plötzlichem hohem Fieber, starken Kopf- und Muskelschmerzen sowie ausgeprägter Schwäche. Im weiteren Verlauf treten häufig schwere Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall auf, gefolgt von Gerinnungsstörungen, inneren Blutungen und Organversagen.
Was ist neben den Medikamenten gegen das Virus wichtig?
Die ganze Therapie rundherum spielt eine grosse Rolle. Es macht einen grossen Unterschied, ob jemand auf einer Intensivstation ist, wo man den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt ausgleichen oder zusätzliche Infektionen mit Antibiotika behandeln kann. Nicht nur die Medikamente gegen das Virus sind entscheidend. Sondern auch, wie man den Patienten allgemein in seiner Grundsituation mit Therapie unterstützt.
Bei der supportiven Therapie haben wir in der Schweiz wahrscheinlich mehr Möglichkeiten als etwa in der Demokratischen Republik Kongo.
Unterscheidet sich die Behandlung hier von jener in Afrika?
In Afrika werden im Rahmen klinischer Studien verschiedene Medikamente verglichen. Man möchte die Situation nutzen, um das beste Medikament oder Behandlungsschema für diese Erkrankung herauszufinden. Bei uns ist es eher eine experimentelle Therapie ausserhalb solcher Studien. Bei der supportiven Therapie haben wir in der Schweiz wahrscheinlich mehr Möglichkeiten als etwa in der Demokratischen Republik Kongo.
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