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Wednesday, October 28, 2026

«Habe ich dich rausgemobbt, Mario? Jetzt kannst es ja sagen!»

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Es war ein Bild für die Geschichtsbücher: Zehn Migros-Regionalfürsten, in ihrer Mitte Präsidentin Ursula Nold (57) und CEO Mario Irminger (61), kamen nach Bern. Gemeinsam läuteten sie den Riesen-Umbau der Migros zur Einheitsgenossenschaft ein. Im Nachgang zu diesem «historischen Tag» trifft Blick die Migros-Spitze zum Doppelinterview.

Blick: Haben Sie schon angestossen auf das Ende der zehn regionalen Genossenschaften?

Ursula Nold: Anstossen tun wir dann, wenn wir die Urabstimmung gewonnen haben. Es ist ein historischer Meilenstein, dass jetzt diese Geschlossenheit von allen Verwaltungen und Geschäftsleitungen vorhanden ist.

Wie haben Sie geschlafen?

Mario Irminger: Ganz ehrlich? Sehr gut. Alle Genossenschaften tragen unseren Plan voll mit. Das gibt Schwung für die nächste Phase.

Sie kommen mit der Reform 25 Jahre nach Coop. Warum so spät?

Irminger: Die wirtschaftliche Situation der Migros ist heute eine völlig andere als jene des Mitbewerbers vor 25 Jahren. Er handelte aus wirtschaftlicher Not, wir heute aus einer Position der Stärke.

Nold: Wir verlieren viel Zeit für interne Absprachen. Das ist alles Zeit, in der wir uns nicht mit der Kundschaft befassen können.

Die Reform klingt ja vernünftig. Aber was ausser weniger Kosten wird besser?

Irminger: Ein Beispiel: Heute haben wir faktisch elf Grillmeister an einem Grill. Morgen, wenn wir die Urabstimmung gewinnen und die Fusion durchführen, gibt es nur noch einen Grillmeister, der am Grill steht. Das bedeutet: Künftig können wir schneller und effektiver arbeiten, wir kommen auch zu qualitativ besseren Lösungen.

Merkt die Kundin die Reform auch im Portemonnaie?

Irminger: Wir haben bereits 500 Millionen Franken pro Jahr investiert, um wichtige Migros- Produkte auf Discounter-Preisniveau zu bringen. Jetzt geht es um mehr Qualität, Regionalität und moderne Supermärkte. Das lässt sich zentral einfacher organisieren.

Nold: Wenn wir Parallelstrukturen abbauen, können langfristig auch die Preise sinken. Das soll vollumfänglich der Kundschaft zugutekommen.

Wer ist der gefährlichste Konkurrent der Migros?

Irminger: Im Kerngeschäft Supermarkt sind Coop und Lidl sicher die beiden ernstzunehmendsten Mitbewerber.

Coop und Lidl wachsen stark. Geht das auf Kosten der Migros?

Irminger: Der Markt wächst insgesamt, davon profitieren alle. Coop und Lidl gelingt es offensichtlich gut, einen Teil dieses Marktwachstums für sich zu nutzen.

Ist es Ihr Ziel, dass die Migros wieder die Nummer eins im Schweizer Detailhandel wird?

Irminger: Wir wollen für unsere Kundinnen und Kunden in der Schweiz über alle Geschäftsfelder hinweg wieder die erste Wahl sein. In gewissen Bereichen sind wir das bereits. Nehmen wir Digitec Galaxus: Im Online-Non-Food-Geschäft sind wir mit Abstand die erste Wahl. Genau das wollen wir auch im Kerngeschäft wieder erreichen.

Können Sie versprechen, dass es in der Ostschweiz und im Wallis auch in zehn Jahren noch regionale Produkte gibt?

Nold: Ja, das versprechen wir! Unsere Kunden lieben Regionalität. Es wäre fatal, wenn wir diese Produkte aus dem Sortiment nehmen würden.

Persönlich: Ursula Nold

Als erste Frau überhaupt hat Ursula Nold (57) im Juli 2019 das Präsidium des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) übernommen. Davor hat die Bernerin zehn Jahre lang die MGB-Delegiertenversammlung präsidiert. Nold sitzt heute in verschiedenen Stiftungs- und Verwaltungsräten. Sie ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und wohnt in Köniz bei Bern.

Als erste Frau überhaupt hat Ursula Nold (57) im Juli 2019 das Präsidium des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) übernommen. Davor hat die Bernerin zehn Jahre lang die MGB-Delegiertenversammlung präsidiert. Nold sitzt heute in verschiedenen Stiftungs- und Verwaltungsräten. Sie ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und wohnt in Köniz bei Bern.

Dafür müssen Ihre Angestellten vor einem Stellenabbau zittern!

Nold: Die Reform ist keine Sparübung, und für die meisten Mitarbeitenden ändert sich nichts. Im Management und in der Verwaltung werden gewisse Stellen wegfallen. Wie viel, wissen wir noch nicht. Gleichzeitig brauchen wir künftig mehr Personal.

Irminger: Wir wollen 140 neue Filialen eröffnen und Marktanteile zurückgewinnen. Dafür brauchen wir mehr Personal.

Nold: Wir stellen jedes Jahr 10'000 Menschen an. Bis 2031 werden 11'000 Mitarbeitende pensioniert. Wir müssen vielmehr dafür sorgen, dass wir genügend Personal finden.

Was sagen Sie einer Mitarbeiterin, die heute Angst um ihren Job hat?

Nold: Wir nehmen unsere soziale Verantwortung wahr. Wir schauen, dass wir Betroffenen möglichst schnell wieder einen neuen Job innerhalb der Migros-Gruppe anbieten können.

Persönlich: Mario Irminger

Mario Irminger (61) führt seit Mai 2023 den Migros-Genossenschafts-Bund als Generaldirektor. Was ihn für den Migros-Chefposten empfahl, waren seine Erfolge bei der Discounttochter Denner, die er zwölf Jahre lang leitete. Zuvor arbeitete er 15 Jahre lang für Heineken Switzerland. Irminger lebt am linken Zürichsee-Ufer und hat einen erwachsenen Sohn.

Mario Irminger (61) führt seit Mai 2023 den Migros-Genossenschafts-Bund als Generaldirektor. Was ihn für den Migros-Chefposten empfahl, waren seine Erfolge bei der Discounttochter Denner, die er zwölf Jahre lang leitete. Zuvor arbeitete er 15 Jahre lang für Heineken Switzerland. Irminger lebt am linken Zürichsee-Ufer und hat einen erwachsenen Sohn.

Wie haben Sie alle zehn Genossenschaftspräsidenten rumgekriegt für diese radikale Reform?

Nold: Von ihnen allen kam der Wunsch zur engeren Zusammenarbeit, weil wir seit 25 Jahren Marktanteile verlieren. Das belastet auch die Mitarbeitenden, wir müssen etwas dagegen unternehmen.

Sie beide wirken wie ein eingespieltes Team. In einem Onlineportal hat man nun lesen können, dass Ursula Nold ihren Migros-Chef Irminger zum Rücktritt gezwungen hätte.

Nold: Habe ich dich rausgemobbt, Mario? Jetzt kannst du es ja sagen! (lacht)

Irminger: Gewisse Medien schlagen sogar Trudi Gerster beim Märchenerzählen. (lacht)

Sie haben also Mario Irminger nicht rausgeekelt, um neue Super-Chefin zu werden?

Nold: Wilde Gerüchte, da ist nichts dran! Wir haben immer vertrauensvoll zusammengearbeitet und Mario hat die Transformation vorangetrieben. Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen.

Was ist der wahre Grund für Ihren Rücktritt?

Irminger: Ich unterstütze mit aller Kraft die Reform, bis die Urabstimmung erfolgt ist. Ich bin dann 62 Jahre alt, wenn ein mehrjähriger Transformationsprozess beginnt. Das ist der richtige Zeitpunkt, den Chefposten in neue Hände zu geben.

Wer abstimmt, bekommt 500 Cumulus-Punkte. Ist das nicht Stimmenkauf?

Nold: (lacht) Sicher nicht. Wenn schon, dann wäre es die Schokolade, die es bei jeder Urabstimmung gibt. Wir haben die Genossenschafterinnen und Genossenschafter gefragt: «Was ist euch wichtig?» Die Antwort: «Die Urabstimmungs-Schokolade!» Aber im Ernst: Wir werden die Abstimmung absolut fair, ordentlich und integer durchführen.

Mindestens 25 Prozent aller Genossenschafter müssen abstimmen, damit das Resultat gültig ist. Reichen dazu Schokolade und Cumulus-Punkte?

Nold: Bei der Abstimmung über die Zulassung von Alkohol lag die Beteiligung bei 27 Prozent. Die erforderlichen 25 Prozent sind also realistisch.

Was macht Sie zuversichtlich, dass die Basis Ihnen auch inhaltlich folgt?

Nold: Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter identifizieren sich mit unseren Werten und wollen eine starke Migros. Wir sind eine faire Arbeitgeberin und engagieren uns für die Gesellschaft. Dafür brauchen wir wirtschaftlichen Erfolg. Der Gewinn bleibt im Unternehmen und wird nicht als Dividende ausgeschüttet. Allein für das Kulturprozent zahlen wir jährlich rund 140 Millionen Franken.

Irminger: Wir haben gute Argumente für die Reform. Heute sind die Genossenschafter Mitglieder einer Regionalgenossenschaft. Künftig sind sie Teilhaber des ganzen Migros-Universums, also auch der Migros Bank, von Galaxus und Medbase. Zudem wollen wir sie stärker am wirtschaftlichen Erfolg der Migros teilhaben lassen.

Nold: Es haben auch bereits Genossenschaften innerhalb der Migros-Gruppe einen Fusionsprozess durchlaufen, beispielsweise die Migros Aare. Wir haben deshalb keine Angst vor der Urabstimmung.

Alle zehn Genossenschaften müssen der Reform zustimmen. Was passiert, wenn eine einzige Region Nein sagt?

Nold: Dann werden wir die Abstimmung dort noch einmal wiederholen.

Und wenn mehrere Regionen dagegen stimmen?

Nold: Wenn sechs Nein sagen, ist das Verdikt der Genossenschafterinnen und Genossenschafter klar. Das müssten wir so akzeptieren. Aber wir freuen uns auf die Abstimmungen. Es ist eine riesige Chance, so nah mit den Eigentümern im Gespräch zu sein. Diese Nähe zu den Menschen hilft auch, dass die Zentrale nicht abgehoben wird.

Sie sagten, Sie hätten keinen Plan B bei einer Niederlage. Das wäre doch unseriös.

Nold: Sollte es so weit kommen, werden wir die Ausgangslage neu analysieren. Wir sind ein eingespieltes Team und würden schnell neue Lösungen finden.

Was bleibt nach der Reform von der Identität der Migros übrig?

Nold: Wir bleiben eine Genossenschaft mit zwei gleichwertigen Zwecken: erfolgreich wirtschaften und uns für die Gesellschaft engagieren. Das hat uns Gottlieb Duttweiler mitgegeben. Unsere Werte, die Regionalität und die genossenschaftliche Identität bleiben unverändert.

Irminger: Welches andere grosse Unternehmen lässt seine Basis über die Zukunft abstimmen? Wir bleiben basisdemokratisch organisiert, mit sechs Regionen und 300 Mitgliedern in den Regionalräten. Diese wählen die Delegierten, unser Parlament. Auch das Kulturprozent bleibt regional verankert.

Herr Irminger, bleiben Sie der Migros nach Ihrem Rücktritt in irgendeiner Form erhalten?

Irminger: Im Geist und mit Freude werde ich der Migros definitiv verbunden bleiben. Aber für mich ist klar, dass ich Mitte Jahr austreten werde. Vielleicht ergeben sich noch gewisse Übergangslösungen, doch das ist heute nicht spruchreif.

Wie weit sind Sie mit der Suche nach einem Nachfolger für Mario Irminger?

Nold: Wir suchen intern und extern. Bis Anfang 2027 wollen wir entschieden haben. Wichtig ist, dass die neue Person die Migros über die nächsten sechs bis acht Jahre führen kann. Es gibt auch innerhalb der Migros fähige Persönlichkeiten für diese anspruchsvolle Aufgabe.

Steht eine Frau im Vordergrund?

Nold: Die beste Person soll die Aufgabe übernehmen. Sie muss sich mit unseren Werten identifizieren, integer sein und strategischen Weitblick haben. Wir brauchen jemanden, der die Migros unternehmerisch in die Zukunft führt, statt sie bloss zu verwalten.

Kurz und bündig

Wie viele Cumulus-Punkte haben Sie persönlich?

Nold: (Schaut in der Cumulus-App nach.) 4052! Ich habe sicher mehr Punkte als Mario, weil ich für eine Grossfamilie einkaufe.

Schon mal heimlich bei Coop eingekauft?

Irminger: Ich kaufe regelmässig bei Mitbewerbern ein, auch bei Coop. Das ist wichtig, um zu sehen, wie sich die Konkurrenz entwickelt, etwa beim Sortiment oder an den Kassen. Ich bin überzeugt, unsere Kollegen machen das bei uns auch.

Wann standen Sie zuletzt selbst an einer Migros-Kasse?

Nold: An einer normalen Migros-Kasse habe ich aus Compliance-Gründen noch nie gearbeitet. Im Migros-Bus habe ich aber eine Kasse bedient. Letztes Jahr habe ich zudem je einen Tag in einer Migros- und einer Denner-Filiale in Lausanne gearbeitet. Diese Nähe zu den Mitarbeitenden ist mir unglaublich wichtig.

Wie viele Cumulus-Punkte haben Sie persönlich?

Nold: (Schaut in der Cumulus-App nach.) 4052! Ich habe sicher mehr Punkte als Mario, weil ich für eine Grossfamilie einkaufe.

Schon mal heimlich bei Coop eingekauft?

Irminger: Ich kaufe regelmässig bei Mitbewerbern ein, auch bei Coop. Das ist wichtig, um zu sehen, wie sich die Konkurrenz entwickelt, etwa beim Sortiment oder an den Kassen. Ich bin überzeugt, unsere Kollegen machen das bei uns auch.

Wann standen Sie zuletzt selbst an einer Migros-Kasse?

Nold: An einer normalen Migros-Kasse habe ich aus Compliance-Gründen noch nie gearbeitet. Im Migros-Bus habe ich aber eine Kasse bedient. Letztes Jahr habe ich zudem je einen Tag in einer Migros- und einer Denner-Filiale in Lausanne gearbeitet. Diese Nähe zu den Mitarbeitenden ist mir unglaublich wichtig.

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