Schweizer Kleinstädte beleben – Laufenburger Altstadt wurde aufgemöbelt – mit Geld der Stadt

Es ist ein Problem, das viele Schweizer Kleinstädte kennen: Die ehemals lebendige Altstadt verkümmert, Läden schliessen, die Häuser werden kaum mehr unterhalten oder stehen leer. So passiert in Laufenburg AG.
Rund vierzig Häuser waren teilweise baufällig. Sie wurden günstig vermietet und kaum saniert. Das steigerte die Sozialhilfequote des Städtchens am Rhein. Unterdessen hat Laufenburg aus der Negativspirale gefunden, weil die Gemeinde als Immobilieninvestorin auftritt.
2016 sprach Laufenburg einen Kredit von 20 Millionen Franken. Dank des Investitionskonzepts gelang es, Altstadthäuser zu kaufen. Zudem unterstützte die Stadt private Eigentümer beratend bei der Erneuerung historischer Bauten.
Zu Besuch im Städtchen, zeigt sich zehn Jahre später: Die Strategie ging für Laufenburg auf, sagen Zuständige der Stadt und ein Raumentwicklungsexperte.
Stadtammann René Leuenberger läuft heute gern durchs Städtchen. «Wir müssen uns als Laufenburg nicht verstecken», findet er. «Das Investitionskonzept ermöglicht es dem Stadtrat, bei Bedarf relativ schnell und unkompliziert zu investieren. So werden Objekte übernommen, bevor sie in Hände kommen, wo man nicht genau weiss, was geht.»
Restaurant Adler als zentrales Gebäude
Vier Häuser kaufte die Stadt, darunter das Restaurant Adler. Laufenburg hat total sieben Millionen Franken in den Adler investiert. Im ersten Stock ist der regionale Sozialdienst untergebracht, oben befinden sich Wohnungen.
Das Adler-Gebäude gilt neben dem Rathaus als Herzstück der Altstadt. «Hier konnten wir alle Wohnungen vermieten. Das Restaurant läuft. Ohne Sanierung wäre unklar gewesen, was damit passiert wäre», sagt René Leuenberger.
Eine weitere Erfolgsgeschichte: Ein herkömmliches Wohnhaus wurde zum Hotel. Es ist das Elternhaus von Felix Klingele. Er habe sich durch das Investitionskonzept der Stadt inspiriert gefühlt und die Liegenschaft saniert.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 3. Aus diesem Laufenburger Altstadthaus wurde ein Hotel. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
-
Bild 2 von 3. Ein Kollege habe ihn auf die Idee gebracht, sagt Felix Klingele, der in diesem Haus mit seiner Familie aufgewachsen ist. Bildquelle: SRF.
-
Bild 3 von 3. Touristinnen und Touristen können nun hier übernachten. «Das sieht alles anders aus als vor zehn Jahren. Jetzt ist alles hell und renoviert», freut sich Felix Klingele. Bildquelle: SRF.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Anders das gelbe Haus in der Laufenburger Altstadt. «Man kann sagen, dass das ein Renditeobjekt ist. Die Wohnungen werden vermietet. Leider wird nichts saniert. Das schmerzt etwas», sagt Stadtammann Leuenberger.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 2. Links das gelbe Haus, das Schäden an der Fassade aufweist, rechts ein Haus, in das die Stadt investiert hat. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
-
Bild 2 von 2. Ein Bild von Laufenburg aus vergangenen Zeiten: der «Adler», bevor das Investitionskonzept der Stadt Laufenburg griff. Bildquelle: Stadt Laufenburg.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Florian Inneman ist Raumplaner bei Espace Suisse und lobt das Resultat in Laufenburg: «Dass eine Gemeinde in dieser Grösse 20 Millionen in die Hand nimmt und den Mut hat, Liegenschaften zu erwerben und instand zu setzen – das ist in der Raumplanung nicht selbstverständlich.»
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 3. Florian Inneman ist Raumplaner bei Espace Suisse und findet: Laufenburg kann ein Vorbild für andere Altstädte sein. Bildquelle: SRF.
-
Bild 2 von 3. Früher habe man die Rendite mit den Geschäften im Erdgeschoss gemacht. Heute brauche es vor allem Wohnungen und gute Lösungen fürs EG, so der Fachmann. Bildquelle: SRF/Alex Moser.
-
Bild 3 von 3. Laufenburg habe Mut bewiesen, findet Florian Inneman von Espace Suisse. Bildquelle: SRF.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Die Gemeinde habe sich nicht dem Strukturwandel aussetzen wollen, den viele andere Gemeinden auch kennen. Dass Kleinstädte sich aber einen Kreditrahmen geben und Liegenschaften sanieren, das sei speziell.
Rendite nicht nur im EG
«Früher, als die Ortskerne noch Zentrum der Gemeinden waren, hat man die Rendite in Altstädten über das Erdgeschoss generiert», sagt Inneman. Das funktioniere heute nicht mehr. «Heute muss man das Wohnen stärken – aber auch Rahmenbedingungen schaffen, damit im Erdgeschoss etwas passiert.»
- Laufenburg hat rund 3880 Einwohnende (Dezember 2025: 3887).
- Laufenburg hatte im Jahr 1207 das Stadtrecht von den Habsburgern erhalten.
- Der Ausländeranteil beträgt 36 Prozent, heisst es auf der Website der Gemeinde.
- Das Städtchen am Rhein hat einen Steuerfuss von 108 Prozent.
- Laufenburg in der Schweiz hat eine gleich gegenüberliegende Zwillingsstadt, Laufenburg Deutschland. Die beiden Gemeinden pflegen eine enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
- Bis 1801 waren beide Laufenburg eine Einheit; Napoleon trennte die beiden Teile.
- Beide Orte sind über zwei Brücken über den Rhein verbunden.
- 1972 wurde das Stadtbild von Laufenburg als schützenswert eingestuft. 1985 erhielt Laufenburg den Wakker-Preis.
Hat Laufenburg ein Rezept für andere Kleinstädte? Die aktive Liegenschaftspolitik sei eine Antwort, findet Fachmann Florian Inneman. Hinzu komme, dass «auch die Privaten in Laufenburg mitgezogen haben».
Parallel habe Laufenburg auch an den Reglementen gearbeitet, damit Investitionen in der Altstadt einfacher möglich sind. Das Gesamtpaket hat das Städtchen am Rhein aufgehübscht. «Man will nicht einfach Kulisse, sondern auch Lebensraum», so Florian Inneman.
Regionaljournal Aargau Solothurn, 22.10.2026, 17:30 Uhr ; buec;ledn;mosa;brus
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.