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Tuesday, October 6, 2026

Professor Carl Hart – Der Drogenforscher, der Heroin und Kokain konsumiert

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Gewalt, Waffen, Crack: All das war in Carl Harts Kindheit und Jugend in einem armen Viertel in Miami allgegenwärtig. Ebenso die Vorstellung, dass Drogen die Wurzel aller Misere seien.

Später schaffte es Carl Hart ans College. Er wollte erforschen, wie Sucht entsteht. Um seiner Community zu helfen: «Ich dachte, wenn ich herausfinde, wie das Gehirn auf Drogen reagiert, könnte ich Behandlungsmethoden entwickeln, um Menschen aus der Sucht zu helfen.»

Geld oder Drogen

In Versuchen gab er den Probanden Crack, Kokain und Methamphetamin. Und stellte sie vor die Wahl: entweder eine Portion der Droge oder ein wenig Geld. Wenn er die Geldmenge erhöhte, nahmen die Probanden eher das Geld. Er realisierte: Das sind keine Süchtigen, die nicht anders können, sondern sie entscheiden rational.

Carl Hart kam zur Erkenntnis, dass nicht die Drogen das Problem sind, sondern die Lebensumstände der Betroffenen. Crack schien als Ausrede benutzt zu werden, um nichts gegen die Armut in den afroamerikanischen Vierteln unternehmen zu müssen.

Struktureller Rassismus

Auch begann er zu realisieren, dass sich im Kampf gegen Drogen struktureller Rassismus versteckte: «In den ersten gesetzlichen Verboten der USA wurden Verstösse mit Crack 100-mal härter geahndet als mit Kokainpulver. Dabei handelt es sich um dieselbe Drogensubstanz, nur in unterschiedlichen Gebrauchsformen.»

Die Gebrauchsform als Crack wurde primär mit der afroamerikanischen Bevölkerung assoziiert, entsprechend wurde sie massiv härter bestraft.

Über die Jahre wandelte Carl Hart sich zu einem Befürworter von Drogen, der heute sogar eine Legalisierung aller Drogen fordert. Und: Er konsumiert selbst Drogen, auch harte wie Heroin oder Kokain.

Die Minderheit dominiert das Bild in der Öffentlichkeit

Ihm ist es wichtig zu betonen, dass Erwachsene seit jeher Drogen konsumieren. Aber dass dies so negativ behaftet ist, dass sie es heimlich tun. Auch er konsumierte heimlich, heute aber nicht mehr: «Ich werde bald 60, warum sollte ich in diesem Alter nicht ehrlich damit umgehen, wenn das, was ich tue, niemandem schadet?»

Carl Hart: «Drug Use for Grown-Ups». Penguin Books, 2022.

Carl Hart: «High Price». Harper Collins, 2013.

Carl Hart stört besonders, dass das Bild des süchtigen Junkies den öffentlichen Blick auf Drogenkonsum prägt, obwohl diese Gruppe nur eine klare Minderheit ausmacht.

Er vergleicht es mit Alkohol: Wegen einer Minderheit – bei Alkohol sind es circa 10 bis 15 Prozent Süchtige, bei Heroin circa 25 Prozent – würde man nicht der Mehrheit den Alkohol verbieten, die keine Probleme hat. Genauso wenig würden wir auch nicht Autos verbieten, obwohl immer wieder Menschen im Strassenverkehr ums Leben kommen.

Wie der Besuch in einem Comedy-Club

Die Frage drängt sich auf: Lassen sich harte Drogen wirklich mit Alkohol oder Autofahren vergleichen? So gut wie jede Aktivität, die es wert sei, ausgeübt zu werden, berge ein potenzielles Risiko, sagt er: «Wenn man Sex hat, besteht ein potenzielles Risiko. Wenn man Auto fährt, besteht ein potenzielles Risiko. Aber anders als bei Drogen spielen wir das Risiko dort nicht hoch.» Viele Drogenforschende sind hier anderer Meinung.

Und wie oft konsumiert Carl Hart denn nun eigentlich Drogen, mehrmals pro Woche? Nein, sagt er, er habe berufliche Verpflichtungen, auch Frau und Kinder: «Drogen sind wie Ferien oder der Besuch in einem Comedy-Club. Und in die Ferien geht man ja auch nicht jeden Abend oder jedes Wochenende.»

Eine Abhängigkeit von gewissen Substanzen – Medikamenten, Alkohol, Tabak oder illegalen Drogen – ist eine Krankheit, die behandelt werden kann. Auf der folgenden Liste finden Sie eine kleine Auswahl an Institutionen, wo Sie rasch Hilfe erhalten.

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