Jubel nach Lulas Sieg: Brasilien im Freudentaumel

Mit 80 Jahren gewinnt Lula da Silva noch einmal eine Präsidentschaftswahl. Sein Gegner Flavio Bolsonaro will das Ergebnis nicht anerkennen.
Foto: Andre Penner/AP/dpa
Lula hat es erneut geschafft: Am Sonntag besiegte Brasiliens Präsidentenveteran Flávio Bolsonaro den Sohn des Putschisten Jair und tritt im Januar seine vierte Amtszeit an. Um 21:09 Uhr stand fest: Lula gewinnt mit 51,8 Prozent der Stimmen gegen Flávio Bolsonaro, der 48,2 Prozent der Stimmen bekam. Sobald Lula bei der Auszählung führte, begannen die Menschen zu feiern.
Als dann das Oberste Wahlgericht das Ergebnis bestätigte, brach der Jubel aus: Autokorsos, Menschenmassen, ohrenbetäubender Siegestaumel überall.
Im ersten Wahlgang lag Flávio Bolsonaro zwei Punkte vor Lula, und kaum jemand rechnete ernsthaft mit dem Sieg des fast 81-Jährigen. Zu wenig Jugend in der Partei, zu wenig Präsenz in sozialen Medien, zu wenig Wandel, lautete die Kritik. Doch es kam anders.
Obwohl in der Arbeiterpartei PT viele Über-Sechzigjährige das Sagen haben, gingen plötzlich massenhaft Studenten für das Recht auf Bildung auf die Straßen.
Lula macht Wahlkampf auf Whatsapp – trotz Widerstand
Der Abgeordnete André Janones, der 2022 Lulas digitalen Wahlkampf leitete, mobilisierte auf einem WhatsApp-Kanal elf Millionen Menschen, die mehrmals täglich seine „Missionen“ erfüllten: Flávios zweifelhafte Vergangenheit und Lulas Vorzüge sollten möglichst effektiv ins Rampenlicht rücken.
Vielen, vor allem jüngeren Brasilianern, war nicht bewusst, wie viele Sozialprogramme auf Lula zurückgingen. Dass der Jurist Bolsonaro einen Polizisten verteidigt hatte, der ein fünfjähriges Mädchen erschossen hatte, war ebenso wenig bekannt wie seine Teilnahme an Partys mit Prostituierten für politische Gefälligkeiten.
Lula und seine Anhänger dominierten die sozialen Netze mit ihren Themen, obwohl laut Untersuchungen der PT die Inhalte der Rechten bei Meta selbst von Konten mit weniger Followern größere Reichweite erzielten als die der Linken. Der Präsident des Obersten Wahlgerichts ließ den WhatsApp-Kanal „Exército do Lula“ mehrfach blockieren, doch die Entscheidungen wurden stets aufgehoben, da weder Falschmeldungen noch der Einsatz von Bots nachgewiesen werden konnten. Stattdessen engagierten sich Influencer, Musiker, Schauspieler und andere Prominente für Lulas Wahlkampf.
In TV-Debatten fiel der Bolsonaro-Spross, der sich als gemäßigte Version seines rechtsradikalen Vaters präsentierte, durch Arroganz und Mangel an Sachkenntnis auf. Wenige Tage vor der Stichwahl lag der 80-jährige Lula in Umfragen gleichauf mit seinem 35 Jahre jüngeren Konkurrenten.
Wahl verlängert wegen erschwerter Anreise zum Wahllokal
Am Wahltag meldeten Städte in acht Bundesstaaten den verminderten Einsatz von Nahverkehrsbussen, die laut Gesetz Wähler kostenlos zu den Wahllokalen bringen müssen.
Kurz nach der offiziellen Schließung der Wahllokale verlängerte das Oberste Wahlgericht die Öffnungszeiten um zwei Stunden. „Verarschung“, schimpfte der Wahlverlierer, der sich seines Sieges so sicher war, dass er bereits über Ministerposten spekulierte und eine Siegesparty in Brasília organisierte. Er lehnte das Wahlergebnis ab und kündigte an, die Wahl annullieren zu lassen.
Bei der Stichwahl, bei der Lula im Vergleich zum ersten Wahlgang knapp 6,6 Millionen mehr Stimmen erzielte, wandte er sich in einer emotionalen Rede an seine Wähler. „Diese Wahl war eine Niederlage für den Negationismus und die Lüge“, erklärte er in klarer Anspielung auf seinen Gegner. Vize Geraldo Alckmin sagte zu Lula, dieser habe „die Demokratie zum zweiten Mal gerettet.“ Während in São Paulo Menschenmassen auf der Avenida Paulista mit Sprechchören, Fahnen und Böllern Lulas Wahlsieg feierten, musste Flávio Bolsonaro die Bühne für seine geplante Ansprache in Brasília ungenutzt abbauen lassen.
Stichwahl in Brasilien Lula schlägt Bolsonaro Junior
Brasiliens linker Präsident Lula gewinnt gegen Flávio Bolsonaro und trotzt dem Rechtsruck in Lateinamerika. Der Wahlabend verlief chaotisch, Bolsonaro will das Ergebnis anfechten.
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