Israelische Komikerin – «Auch wenn die Dinge hoffnungslos sind: Aufgeben geht nicht»

Die israelische Komikerin Noam Shuster-Eliassi ist bekannt für ihren satirischen und kritischen Blick auf die Nahostpolitik. Sie ist im Friedensdorf Wahat al-Salam/Neve Shalom aufgewachsen und setzt sich für palästinensische Selbstbestimmung ein. Vor kurzem trat sie in Zürich auf und zeigte in ihrer Comedy-Show, wie nahe beieinander Humor und Trauer liegen.
Noam Shuster-Eliassi
Israelische Komikerin
Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen
Die 39-jährige israelische Comedian Noam Shuster-Eliassi hat iranische und osteuropäische Wurzeln. Sie ist im Dorf Wahat al-Salam/Neve Shalom aufgewachsen, einem einzigartigen jüdisch-arabischen Friedensprojekt in Israel.
SRF News: Wie haben Sie nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober und dem israelischen Grossangriff auf Gaza den Weg zurück zur Comedy gefunden?
Noam Shuster-Eliassi: Es brauchte Zeit. Ich begann mit kleineren Anlässen hier und dort, weil ich merkte, dass die Leute das Bedürfnis haben, gemeinsam zu lachen und zu weinen. Auch auf persönlicher Ebene brauchte ich Zeit: Ich habe mich nach dem 7. Oktober verlobt und meinen Sohn geboren – in diesen schwierigen, gewalttätigen Zeiten haben wir eine Familie gegründet und zum Lachen zurückgefunden. Ganz langsam.
Film: «Coexistance my Ass!»
Box aufklappen Box zuklappen
2025 ist Noam Shuster-Eliassis Film «Coexistence my Ass!» erschienen. In dem Film wird ihr Werdegang von ihrer Tätigkeit für die Uno zur Comedian nachgezeichnet. Die Dokumentation zeigt sie auch als Aktivistin, die sich gegen die israelische Besetzung des Westjordanlandes und die Kriegsführung in Gaza auflehnt.
Der Titel des Films spielt an auf verklärte Vorstellungen über jüdisch-arabische Koexistenz, die das Machtgefälle zwischen Israeli und Palästinenserinnen und Palästinensern ignorieren.
Welche Kraft ziehen Sie aus der Comedy?
Seit dem 7. Oktober wird in meinen Shows zwar viel gelacht, aber am Schluss weint das Publikum. Wir alle sind innerlich zutiefst verletzt. Lachen kann Druck und Stress abbauen, aber ich kann auf der Bühne auch meiner tiefen Trauer darüber, was passiert, Ausdruck verleihen.
Ich habe früh die palästinensische Sichtweise auf den Konflikt kennengelernt.
Die Kraft der Comedy ist, dass das Lachen und die Tränen fast den gleichen Ursprung haben: Du fühlst etwas tief in dir, das dich zum Lachen oder zum Weinen bringen kann. Als Komikerin muss ich keine Lösungen für den Konflikt präsentieren, sondern kann die Widersprüche aufzeigen, das ganze Chaos, das auch komische Momente mit sich bringt.
Sie haben beim Massaker am 7. Oktober geliebte Menschen verloren, und trotzdem bringen Sie genau gleich viel Mitgefühl für die Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza auf. Wie kommt das?
Für mich ist es normal, angesichts von grossem Unrecht, tiefen Schmerz zu empfinden. Wenn es ein Massaker gibt, Menschen getötet, bombardiert, ausgehungert und vertrieben werden. Am 7. Oktober 2023 sind furchtbare Dinge geschehen, trotzdem ist die israelische Reaktion auf die Massaker nicht gerechtfertigt.
Scheiss auf die Hoffnung! Hoffnung ist nicht der Massstab dafür, ob wir unser Engagement fortsetzen oder nicht.
Ich bin im Friedensdorf Wahat al-Salam/Neve Shalom aufgewachsen, in einem Dorf, in dem Palästinenserinnen und Israeli gleichberechtigt zusammenleben. Ich habe früh die palästinensische Sichtweise auf den Konflikt kennengelernt. Für mich ist es natürlich, Palästinenserinnen und Palästinenser als Menschen zu sehen. Vielen in meinem Umfeld gelingt das leider nicht.
Wo finden Sie Hoffnung?
Das werde ich immer wieder gefragt: Gibt es Hoffnung? Darauf antworte ich: Scheiss auf die Hoffnung! Hoffnung ist nicht der Massstab dafür, ob wir unser Engagement fortsetzen oder nicht. Hoffnung ist die natürliche Fortsetzung des Lebens. Sogar in Gaza gibt es diese Energie des Lebens. Meine Freundinnen und Freunde dort leiden unter unerträglichen Lebensbedingungen, doch sogar sie tragen Hoffnung in sich. Auch wenn die Dinge hoffnungslos sind, was ist meine Option? Aufgeben geht nicht.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.