Opferanwalt fordert Zwangsverwaltung von Crans-Montana

- Auf die Gemeinde Crans-Montana könnten nach der Constellation-Tragödie Forderungen von bis zu einer Milliarde Franken zukommen.
- Anwalt Sébastien Fanti reicht beim Walliser Staatsrat Aufsichtsbeschwerde ein und verlangt eine teilweise Zwangsverwaltung.
- Gemeindepräsident Nicolas Féraud will jährlich fünf Millionen Franken zurückstellen, was Fanti als «lächerlich» bezeichnet.
Der Gemeinde Crans-Montana droht nach der Constellation-Tragödie eine massive finanzielle Belastung. Privatrechtsprofessor Pascal Pichonnaz hält Schadenersatzzahlungen zwischen 780 Millionen und einer Milliarde Franken für realistisch, wie er gegenüber der «Sonntagszeitung» sagt. Ein Teil davon dürfte an der Gemeinde hängen bleiben. Ihr werden gravierende Versäumnisse beim Brandschutz und fehlende Kontrollen vorgeworfen.
Gemeindepräsident Nicolas Féraud will jährlich fünf Millionen Franken zurückstellen. Für den Sittener Anwalt Sébastien Fanti ist das völlig unzureichend. Die Summe reiche nicht einmal für Verzugszinsen von fünf Prozent, sagt er. Fanti hat deshalb beim Walliser Staatsrat eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Er verlangt eine Untersuchung der Gemeindefinanzen und eine teilweise Zwangsverwaltung. Unabhängige Kommissäre sollen die finanzielle und juristische Bewältigung übernehmen, wie die «Sonntagszeitung» weiter berichtet.
Mehrere Szenarien möglich
In seiner rund 70-seitigen Eingabe rechnet Fanti mit mehreren Szenarien. Im günstigsten Fall müsste Crans-Montana mit Forderungen von 95 Millionen Franken rechnen. Im mittleren Szenario wären es 387,5 Millionen, laut Fanti etwa fünf Jahressteuereinnahmen. Im schlimmsten Fall käme fast eine Milliarde zusammen. Seine Schlussfolgerung: Selbst die günstigsten Annahmen würden die Gemeinde überfordern. Die jährlichen Rückstellungen seien «lächerlich».
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Auch die Bilanz der Gemeinde nimmt Fanti ins Visier. Das ausgewiesene Vermögen von 164,2 Millionen Franken bestehe grösstenteils aus Verwaltungsvermögen wie Strassen und Schulen. Und das lasse sich nicht einfach verkaufen. Wie viel Liquidität tatsächlich vorhanden ist, sei unklar. Ein entsprechendes Transparenzgesuch sei abgelehnt worden. Der Kanton Wallis bestätigt den Eingang der Eingaben. Er betont aber, nicht für Gemeindeschulden haften zu müssen. Möglich seien jedoch Bürgschaften oder finanzielle Hilfe.
Revisionsstelle der Gemeinde schlägt Alarm
Auch die Revisionsstelle der Gemeinde schlägt Alarm. Die Folgen der Tragödie könnten erhebliche Zweifel daran wecken, ob Crans-Montana sein finanzielles Gleichgewicht und seine Verpflichtungen mittel- und langfristig halten kann.
Experten stützen Fantis grundsätzliche Warnung. Gemeinderechtler David Equey hält das Vorgehen für legitim und fordert rasche Rückstellungen. ZHAW-Finanzexperte Sandro Fuchs beurteilt die Rechnung 2025 zwar als solide. Doch schon eine zusätzliche Verschuldung von 100 Millionen Franken wäre laut Fuchs ein schwerer Schock. 200 Millionen wären nur mit drastischen Sparmassnahmen, Steuererhöhungen und Verkäufen zu verkraften.
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Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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