Nach schwerer Krankheit: Verleger Jürg Marquard (†81) ist gestorben
Nach schwerer Krankheit
Verleger Jürg Marquard (†81) ist gestorben
Verleger Jürg Marquard ist gestorben. Das hat Blick aus seinem engsten Umfeld erfahren. Marquard prägte die Schweizer Medienbranche massgebend.
Publiziert: 14.09.2026 um 16:48 Uhr
Aktualisiert: 14.09.2026 um 22:27 Uhr
Laszlo SchneiderTeamlead People-Desk
Das Lebensgefühl ganzer Generationen gedruckt auf Papier, der Puls der Jugend gebannt in Farbe und Text – Jürg Marquard verstand wie kaum ein zweiter Medienmacher, wie man den Zeitgeist greifbar macht. Über sechs Jahrzehnte hinweg formte der Gründer und Inhaber der Marquard Media Gruppe ein Verlegerimperium, das die Populärkultur im deutschsprachigen Raum sowie in Mittel- und Osteuropa nicht nur widerspiegelte, sondern aktiv prägte. Seine verlegerische Reise war dabei stets auch ein Spiegelbild seiner eigenen Persönlichkeit: mutig, extravagant, durchsetzungsstark – und vor allem von unstillbarer Neugier getrieben.
Marquards unternehmerischer Weg war von Beginn an von Selbstbewusstsein getrieben. In der SRF-Dokumentationsreihe «Geboren am...» brachte er seinen inneren Antrieb auf den Punkt. «Ich wollte immer etwas Besonderes sein», sagte er 2019. Diese Haltung mündete 1965 in einen Pionierakt. Als 20-jähriger Gymnasiast lieh er sich von Schulfreunden 2000 Schweizer Franken Startkapital, um die Erstausgabe der Jugendzeitschrift «Pop» zu drucken.
Löwe, Diplomat, Lebemann
Das Magazin traf den Nerv der Jugend. Neben seiner redaktionellen Arbeit am Heft war Marquard in den Anfangsjahren auch als Radio- und Fernsehmoderator im Pop-Bereich tätig – was das Blatt noch schneller zu einem kommerziellen Erfolg machte.
In den folgenden Jahrzehnten baute Marquard diesen Erfolg durch geschickte Fusionen – etwa mit anderen deutschen Magazinen zu «Pop/Rocky» und später zu «Popcorn» – zu einer internationalen Mediengruppe aus. Als erster Schweizer Verleger eroberte er den deutschen Zeitschriftenmarkt.
Der endgültige Durchbruch im deutschsprachigen Raum gelang ihm 1981 mit der Lancierung von «Cosmopolitan». Im Jahr 1993 galt er mit einem Jahresgewinn von 26,8 Millionen Schweizer Franken nach Steuern und Abschreibungen als bestverdienender Verleger der Schweiz. Später reagierte er frühzeitig auf den Strukturwandel der Branche und verlagerte die Schwerpunkte seiner Gruppe auf digitale Angebote, IT-Fachpublikationen und digitales Entertainment.
«Warum zum Teufel soll ich verstecken, ...»
Über das Verlagswesen hinaus prägte Marquard die Öffentlichkeit auch auf dem Bildschirm. Im Frühjahr 2005 agierte er als Co-Produzent und Protagonist der Sendung «Traumjob» auf SF 1 – der Schweizer Adaption von Donald Trumps (80) Format «The Apprentice» –, die Rekordquoten erzielte. Später war er als Investor in der TV-Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» zu sehen.
Auch politisch und diplomatisch setzte er Akzente: Seit 1995 engagierte er sich als Honorargeneralkonsul von Ungarn in der Schweiz, wofür ihm von der ungarischen Regierung unter anderem die Gedenkmedaille «Pro Auxilio Civium Hungarorum» und die Ehrenmedaille «Held der Freiheit» verliehen wurden.
Aus seinem Wohlstand, seinen Häusern, seinen schnellen Autos und Yachten machte Marquard keinen Hehl. Im Interview mit «Blick» von 2019 erklärte der Selfmade-Unternehmer rückblickend: «Warum zum Teufel soll ich verstecken, was ich mir mit grossem Einsatz und Opfern hart erarbeitet habe?» Dennoch besann er sich mit den Jahren aufs Wesentliche. Im selben Gespräch reflektierte er seinen Lebensstil gewohnt prägnant: «Ich habe eingesehen, dass der Hedonismus alleine nicht das einzige Lebenselixier darstellen sollte. Er sollte in Balance mit allen anderen Inhalten des Seins bleiben.»
Seine Familie war für Marquard alles
Hinter der schillernden Fassade des Jetsetters verstand sich Marquard vor allem als disziplinierter Arbeiter: «Ich betrachte es als Beruf, den ich mit Ernsthaftigkeit ausübe.» Einem Ruhestand erteilte er zeitlebens eine Absage: «Einen Pensionär Marquard wird es nie geben.» Die verlässliche Mitte seines Lebens bildete stets das private Umfeld. Wie er im «Blick» betonte: «Mein wertvollster Besitz ist die Liebe meiner Frau und meiner Familie.» Er hinterlässt seine Ehefrau Raquel Marquard, fünf eigene Kinder sowie zwei Stiefkinder.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.