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Friday, October 30, 2026

«Erniedrigend»: Nach dem Master drohte Dario die Sozialhilfe

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  • Ein Master garantiert in der Schweiz keinen Jobeinstieg: Zwei Betroffene berichten von langer Stellensuche.
  • Dario war nach seinem Abschluss 2022 rund zweieinhalb Jahre auf Jobsuche, bevor er eine Festanstellung fand.
  • Elias, Master in Digital Marketing, ist ausgesteuert und nennt starke Konkurrenz und KI als Hürden.

Ein Masterabschluss garantiert noch keinen einfachen Karriereeinstieg. Zu dieser Erkenntnis gelangen derzeit immer mehr Absolventen in der Schweiz. 18’500 Personen mit Masterabschluss waren im Juli beim RAV angemeldet – so viele wie noch nie.

Auch Dario und Elias kennen die lange Suche nach einer Stelle trotz Hochschulabschluss. Gegenüber 20 Minuten berichten sie von ihren Erfahrungen.

250 Bewerbungen für fünf Vorstellungsgespräche

Dario* (36) weiss, dass die Stellensuche vor allem Ausdauer verlangt. Nachdem er 2022 seinen geisteswissenschaftlichen Master abgeschlossen hatte, war er rund zweieinhalb Jahre auf Stellensuche. Fast 250 Bewerbungen schrieb er in dieser Zeit – eingeladen wurde er nur zu fünf Vorstellungsgesprächen. «Ich habe schnell gemerkt: Ich kann nicht wählerisch sein», sagt der 36-Jährige.

Während seiner Arbeitssuche befolgte Dario die Ratschläge des RAV, nahm an Bewerbungskursen teil und absolvierte ein Praktikum in der Bundesverwaltung. Doch auch dieses führte nicht zur erhofften Festanstellung. Die zahlreichen Standardabsagen nagten zunehmend an seinem Selbstvertrauen: «Man sagte mir oft, ich sei überqualifiziert. Teilweise kamen Absagen erst nach Monaten – und bei manchen Stellen erhielt ich eine Absage, obwohl sie kurze Zeit später wieder ausgeschrieben waren.»

«Eine solche Erfahrung wünsche ich niemandem»

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die letzte Sitzung beim RAV. Weil seine Taggelder bald ausgeschöpft waren, drückte ihm seine Betreuerin ein Merkblatt zur Sozialhilfe in die Hand. «Man muss es nicht beschönigen: Das war surreal und auch etwas erniedrigend für mich. Man studiert jahrelang, will arbeiten und sieht sich dann mit der Möglichkeit konfrontiert, in die Sozialhilfe abzurutschen.» Eine solche Erfahrung wünsche er niemandem.

Inzwischen hat Dario eine Festanstellung gefunden. «Ich bereue mein Studium nicht. Aber mit dem Wissen von heute würde ich mich möglicherweise anders entscheiden, wenn ich nochmals die Wahl hätte», sagt er. Menschen in einer ähnlichen Situation rät er, sich bereits während des Studiums mit der Zeit nach dem Abschluss auseinanderzusetzen und praktische Erfahrungen zu sammeln: «Seid offen für Möglichkeiten und zeigt Ausdauer – auch wenn das leichter gesagt als getan ist.»

«Die Jobsuche kann einen komplett unglücklich machen»

Auch für Elias* (34) hat sich der Masterabschluss in Digital Marketing bisher nicht als Türöffner erwiesen. Zwei Jahre war er beim RAV gemeldet, inzwischen ist er ausgesteuert. Eine Stelle in seinem Beruf hat er weiterhin nicht gefunden. Um über die Runden zu kommen, hilft er bei Konzerten aus oder arbeitet im Sicherheitsdienst.

Der gebürtige Grieche bewirbt sich trotz Arbeitserfahrung inzwischen auf unterschiedlichste Stellen – von Einstiegspositionen über Produktmanagement bis zum Verkauf. Doch oft passe sein Profil nicht zu den Erwartungen der Unternehmen. Potenzielle Arbeitgeber hätten ihn schon gefragt, ob jemand mit einem Master in Marketing in einer Einstiegsstelle nicht bald unterfordert wäre.

Internationale Konkurrenz und KI erschweren vielen Masterabsolventen den Einstieg ins Berufsleben.

Internationale Konkurrenz und KI erschweren vielen Masterabsolventen den Einstieg ins Berufsleben.Tamedia

Dabei ist Elias auch selbstkritisch: «Ich spreche Deutsch, aber im Arbeitsalltag wird oft ein höheres Niveau vorausgesetzt.» Es seien aber vor allem die starke Konkurrenz und die Verdrängung durch KI, die ihm die Suche erschwerten. In einem anderen Land wären die Aussichten in seinem Bereich möglicherweise besser. Ein erneuter Umzug kommt für ihn derzeit aber nicht infrage, denn seine Freundin ist Schweizerin.

Die lange Suche zermürbe ihn: «Die Jobsuche kann einen komplett unglücklich machen.» Trotzdem gibt er nicht auf. Anderen in seiner Lage rät er, Kontakte zu knüpfen und Kurse zu besuchen – auch wenn es bei ihm selbst bislang noch nicht zum erhofften Stellenangebot geführt hat.

*Name der Redaktion bekannt

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Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

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